WEC Monza 2026 | 08.11.2026
Cadillac holt ersten Saisonsieg - Titel entschieden
Der Cadillac #38 gewinnt das Saisonfinale der WEC 2026 in Monza - Toyota #8 holt Fahrertitel - Manthey-Sieg nicht genug, um LMGT3-Titel noch zu holen
Die Serie bleibt doch bestehen: Jota Sport hat in jedem Jahr, in dem es in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) antritt, mindestens ein Rennen gewonnen. Jack Aitken, Sebastien Bourdais und Earl Bamber verhinderten im letzten Moment mit dem Sieg bei den 6 Stunden von Monza ein Reißen der Serie.
Der Cadillac war das stärkste Paket und sicherte sich den Sieg vor dem Alpine #36 (Gounon/Martins; 2.) beim Abschied von Alpine aus der WEC und dem Ferrari #51 (Pier Guidi/Calado/Giovinazzi; 3.). Jack Aitken konnte den Sieg gar nicht feiern, da er nach seinem Eröffnungs-Doppelstint sofort nach Hause flog, um der Geburt seiner Tochter beizuwohnen.
Es war ein wildes Finale mit nicht weniger als vier Safety-Car-Phasen und dreimal zusätzlich Full-Course-Yellow, zahlreichen Kollisionen und einer Reihe von Strafen. Der finale Sprint ging über zwei Stunden. Weil alle drei Trainings von Regen durchzogen waren, war das trockene Rennen für viele Teams ein "learning by doing", viel Abstimmungsarbeit musste noch während des Rennens mit den zur Verfügung stehenden Instrumenten geleistet werden.
Der Cadillac #38 bestimmte das Rennen. Zwar ging beim Start zunächst Dani Juncadella im Genesis #19 (Jaminet/Chatin/Juncadella; DNF) an die Spitze, konnte sich dort aber nicht lange halten. Schon nach elf Minuten überholte Aitken den Spanier vor der Alboreto-Parabolica.
Juncadella hatte in der ersten Schikane die Führung durch Abkürzen erobert, weil er von Miguel Molina im Ferrari #50 (Fuoco/Molina/Nielsen) abgedrängt wurde. Weil er sich dadurch einen Vorteil verschaffte, gab es eine 5-Sekunden-Strafe. Das war alles Makulatur, als der Genesis GMR-001 nach zwei Stunden mit technischem Defekt ausrollte, was eine der SC-Phasen auslöste.
Mit der #19 waren die Hoffnungen von Genesis auf ein starkes Ende einer durchaus eindrucksvollen (wenn auch punktearmen) Premierensaison damit beendet, denn die #17 (Lotterer/Derani/Jaubert; 13.) hatte nie den Speed, um vorne einzugreifen. Er räumte später auch noch den Toyota #7 (Conway/Kobayashi/de Vries; 12.) ab und musste zu einem Reparaturstopp kommen, dem sich eine Strafe anschloss.
Heftiger Crash von Charles Milesi
Trotzdem blieb es an der Spitze bunt. Nach dem finalen Restart musste sich der Cadillac dem Alpine #36, dem Ferrari #51 und dem BMW #20 (Frijns/Rast/S. van der Linde; 7.) erwehren. Es ging bei den Verfolgern wild hin und her, aber der Cadillac behielt immer die Spitze und schien immer noch ein Brikett nachlegen zu können, wenn er musste.
Zunächst sah es auch so aus, als könne sich auch der Alpine #35 (Milesi/Habsburg; DNF) in den Kampf einschalten, doch dann legte Charles Milesi in der Alboreto-Parabolica einen riesigen Crash mit 20g hin, der wie eine Kopie des Abflugs von Charles Leclerc beim Formel-1-Rennen zwei Monate zuvor wirkte.
Der Franzose konnte es nicht fassen: "Ich weiß nicht, was passiert ist, ich kann mich nicht wirklich dran erinnern. Sieht so aus, als hätte ich das Auto schlicht und einfach verloren. Vielleicht habe ich Abtrieb verloren. Diese Autos sind sehr empfindlich am Limit, da kann man das Auto schnell verlieren." Milesi befand sich direkt hinter einem Dreikampf, als er das Auto verlor.
Zwei Stunden vor dem Ende wurde das Rennen wieder freigegeben. Earl Bamber fuhr schnell einen komfortablen Vorsprung auf den Alpine #36 raus, dahinter geriet Robin Frijns im BMW #20 in Probleme. Er verbremste sich mehrfach in der Variante Ascari. Per Funk wurde ihm mitgeteilt, dass es ein Elektronik-Problem beim Bremsen gab, Die #20 fiel dadurch hoffnungslos zurück.
Im Laufe des Doppelstints reduzierte sich der Kampf auf ein Duell zwischen Cadillac und Alpine, das aber nie heiß wurde. "Wir hatten keine Trainings im Trockenen. Deshalb tappten wir alle im Dunkeln. Hut ab vor den Ingenieuren und den Mechanikern. Von einem besseren Ende hätten wir nicht träumen können", sagt Sebastien Bourdais nach seinem letzten Rennen als Cadillac-Werksfahrer.
Aston Martin pfeift auf Spritsparen und wird bestraft
Ferrari hatte nicht ganz die Schlagkraft von Cadillac und Alpine. Der Ferrari #51 konnte sich gleichermaßen von einem Paket lösen, das die weiteren Plätze unter sich ausmachte.
In der Schlussphase sorgte der Aston Martin #007 (Tincknell/Gamble) für Furore. Das gesamte Hypercar-Feld musste noch Sprit sparen. Doch Tom Gamble spekulierte - ganz seinem Namen entsprechend - auf eine weitere Neutralisierung des Rennens.
Tatsächlich bekam er einen Unfall drei Minuten vor Schluss, der Alex Lynns Cadillac #12 (Stevens/Nato/Lynn; DNF) eliminierte - ein Unfall, für den der Brite selbst die Schuld zugesprochen bekam -, aber die Rennleitung verzichtete darauf, das Rennen unter Gelb enden zu lassen. So überschritt Gamble die maximale Energiemenge pro Stint. Zuvor kassierte er noch eine weitere Strafe wegen Reifendrücken.
Somit rückte der Ferrari #51 wieder auf Rang drei vor. Der Aston Martin lag im provisorischen Resultat auf Rang vier, bis die Strafe zuschlug.
Update 20:15 Uhr: Der Aston Martin erhält eine Zeitersatzstrafe von 145 Sekunden (100 Sekunden Strafe plus Boxendurchfahrtszeit) und fällt damit weit zurück. Noch ist kein aktualisiertes Resultat veröffentlicht worden. Mit einer Zeitstrafe kann der Aston nur auf P10 zurückfallen, da alle Autos ab P11 überrundet waren. Sollten ihm Runden abgezogen werden, geht es noch weiter runter und der Toyota #8 erbt den letzten Punkt.
Ohne Strafe für die Kollision mit Lynn kam Malthe Jakobsen aus dem Peugeot #94 (Duval/Jakobsen/Pourchaire; 4.) davon. Platz vier ist das beste Ergebnis für einen Peugeot 9X8 in der WEC-Saison 2026, nachdem bislang Platz sechs in Fuji durch die #94 das höchste der Gefühle für die Stellantis-Tochter gewesen ist. Die #93 (di Resta/Cassidy/Quinn; 8.) rundete das Ergebnis ab.
Als Fünfter rettete der BMW #15 (Magnussen/Marciello/D. Vanthoor; 6.) trotz eines Drehers in der letzten Stunde nach den Problemen beim Schwesterauto #20 die Ehre von BMW.
Der Ferrari #50 (Fuoco/Molina/Nielsen; 9.) hatte einen frühen Rückschlag zu verkraften. Weil im ersten Stint die Reifendrücke zu stark abfielen, musste Miguel Molina früh die Reifen wechseln und dann auch noch eine 20-Sekunden-Strafe absitzen.
Davon erholte er sich nicht mehr wirklich und konnte trotz der Safety-Car-Phasen nicht mehr zur #51 aufschließen. Bis ins Ziel verbesserte sich der Werkswagen wieder bis auf Platz sechs, nur um eine erneute 20-Sekunden-Strafe für das Unterschreiten der Mindestdrücke zu kassieren, die ihn auf P9 zurückwarf.
WM-Entscheidung ohne Punkte
Der dritte 499P, der privat eingesetzte AF-Corse-Ferrari #83 (Ye/Kubica/Hanson; 6.), hatte ein Rennen mit Aufs und Abs. Zunächst gab es wie für die #50 eine Strafe wegen zu niedriger Reifendrücke. Bei der zweiten FCY hatte der gelbe Ferrari Glück, weil AF Corse sie richtig antizipierte und kurz vorher noch an die Box huschte. So wurde ein Großteil des Boxenstopps unter FCY absolviert.
Damit waren Robert Kubica und Co. sogar Siegkandidaten, doch in der vierten SC-Phase löste sich das linke Hinterrad, womit es wieder in den Tabellenkeller ging. Weil zudem auch noch die Frontpartie getauscht werden musste, ging nach dem Restart weitere Zeit verloren.
Die beiden Toyota TR010 Hybrid kamen nie auch nur ansatzweise in eine Position, irgendetwas an der Spitze auszurichten. Die Gerüchte, dass die Fahrzeuge nach der Dominanz in Barcelona brutal in der Balance of Performance (BoP) eingebremst wurden, schien sich bestätigen. Die BoP wird in der WEC nicht mehr veröffentlicht, weshalb sich das nicht nachprüfen lässt.
Der WM-Titel geht damit an Sebastien Buemi, Brendon Hartley und Ryo Hirakawa, die im Toyota #8 problemlos durchkamen. Meist fuhren die beiden Toyota zusammen außerhalb der Top 10. Erst der Treffer durch Pipo Derani gegen Kamui Kobayashi in der Variante Rettifilo riss das Duo auseinander. Der Toyota #7 überstand die Kollision, hatte aber nicht einmal im Ansatz die Möglichkeit, den Titelkampf noch zu drehen.
"Nicht das beste Rennen für uns. Wir hatten nicht die Pace für einen Sieg, aber was für eine Saison das für uns alle gewesen ist! Wir hielten die #7 stets im Blick für den Fall, dass noch etwas Verrücktes passiert, um alles zu covern, was sie machen", sagt Brendon Hartley.
Edgar mit drittem Platz LMGT3-Meister
Noch wilder als bei den Hypercars ging es in der LMGT3 zur Sache, die teilweise wie ein wilder Westen wirkte. Beispielsweise gelang es dem Proton-Ford #77 (Powell/Tuck/Priaulx; 12- LMGT3), sich gleich drei Durchfahrtsstrafen einzufangen.
Die Slapstick-Einlage schlechthin gelang aber Alexander West im Garage-59-McLaren #58 (West/Gehrsitz/Goethe; DNF), der seinen Bremspunkt für die Variante Rettifilo komplett verpasste, und dabei den WRT-BMW #32 (Leung/Gelael/Farfus; DNF) von Darren Leung komplett über den Haufen fuhr. Für beide Autos war das Rennen vorbei.
Den kühlsten Kopf bewahrte wie so oft Manthey dank einer hervorragenden Leistung von Riccardo Pera, der dem Manthey-Porsche #92 (Shahin/Pera/Lietz; 1. LMGT3) den Sieg bescherte. Damit gab es keinen achten Sieger im achten Rennen, denn die #92 holte ein Doppel nach dem Triumph in Barcelona. Richard Lietz musste sich am Ende heftiger Angriffe von Eduardo "Dudu" Barrichello erwehren.
Das reichte aber nicht mehr, um Jonny Edgar in der Meisterschaft noch abzufangen. Hinter dem Heart-of-Racing-Aston-Martin #23 (Newell/Barrichello/Adam; 2. LMGT3), der den Sieg um lediglich 0,270 Sekunden verpasste, wurde die TF-Sport-Corvette #33 (Keating/Edgar/Catsburg) Dritter. Damit ist Jonny Edgar Sieger der Endurance-Trophäe für LMGT3-Fahrer.
Sowohl die Corvette als auch der Manthey-Porsche fingen sich eine frühe Strafe wegen Überschreiten des Tempolimits in der Boxengasse ein, kamen durch die Safety-Car-Phasen aber wieder in Schlagdistanz.
Für die TF-Sport-Corvette #34 (Dempsey/Yoluc/Eastwood; 11. LMGT3) war der Titelkampf gelaufen, als Peter Dempsey kurz vor Halbzeit den Heart-of-Racing-Aston-Martin #27 (James/Robichon/Drudi; 10. LMGT3) aufs Korn nahm und sich dafür eine Durchfahrtsstrafe einfing.
Der WRT-BMW #69 (McIntosh/Thompson/Harper; 4. LMGT3) war bereits am Samstag aus dem Titelkampf ausgeschieden, weil er die Poleposition verpasst hatte, die er benötigt hätte.
Die WEC-Saison 2026 ist damit rum. Der Saisonauftakt 2027 ist auf den 27. März in Katar terminiert.















