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GP von Aserbaidschan: Bericht George Russell hat den Grand Prix von Aserbaidschan 2026 in Baku gewonnen
LAT Images

George Russell fixiert Sieg in Baku!

Nach zwei Safety-Car-Phasen war der Druck beim Grand Prix von Aserbaidschan größer als gedacht, letztendlich gewann George Russell aber vor Max Verstappen

Am Ende wurde es nach einer Massenkarambolage noch einmal spannend, doch letztendlich hat George Russell den Grand Prix von Aserbaidschan 2026 souverän gewonnen. Der Mercedes-Pilot triumphierte auf dem Stadtkurs in Baku vor Max Verstappen und Isack Hadjar (beide Red Bull) und machte damit in der Formel-1-WM Boden auf seinen Teamkollegen Kimi Antonelli gut, dessen Aufholjagd nach dem Unfall im Qualifying auf Platz 5 endete.

Russell hatte das Rennen über weite Strecken sicher im Griff, doch eine haarsträubende Aktion von Franco Colapinto (Alpine) löste eine Dreierkollision und eine zweite Safety-Car-Phase aus - und danach hatte Russell bis zur Ziellinie Verstappen im Nacken. Eine Attacke setzen konnte Verstappen aber nicht mehr. Nach 51 Runden betrug der Abstand zwischen den beiden 0,196 Sekunden.

"Die erste Rennhälfte war easy. Aber als ich dann beim Neustart Max hinter mir sah, wusste ich, dass es nicht einfach wird", sagt Russell. "Er ist wirklich unglaublich gefahren, und als dann am Ende nochmal eine gelbe Flagge kam, ging ich vom Gas - und als ich wieder aufs Gas stieg, hatte ich keinen Turbo. Max hätte mich auf der Ziellinie beinahe noch gekriegt. Das wäre echt ärgerlich gewesen."

Vierter wurde Charles Leclerc (Ferrari), der dem Druck der beiden Red Bulls in der Anfangsphase nicht standhalten konnte. Antonelli, Lewis Hamilton (Ferrari), Arvid Lindblad (Racing Bulls) und Esteban Ocon sicherten sich die Positionen 5 bis 8, vor Oliver Bearman (Haas) und Carlos Sainz (Williams).

Für McLaren war Baku keine Reise wert. Oscar Piastri fuhr lange auf Podiumskurs, warf seine Chancen aber mit einem Verbremser in Kurve 1 weg. Und Lando Norris wurde Opfer der Colapinto-Kollision. Da tröstet es ihn wenig, dass Colapinto die Verantwortung für die haarsträubende Aktion, die noch für Gesprächsstoff sorgen wird, übernahm: "Es war einfach ein großer Fehler", entschuldigt sich der Alpine-Pilot. "Ich hatte mit kalten Reifen und kalten Bremsen stehende Räder und hatte total die Kontrolle verloren."

Die Rennkommissare belegten den Argentinier für den Crash mit zehn Sekunden Strafe. Zu wenig, wenn es nach Norris geht: "Ich finde, die FIA sollte strenger sein und für solche Aktionen Rennsperren verhängen. Sowas ist doch sorglos. Es kostet einen Haufen Geld, denn all meine Teile sind jetzt kaputt. Das ist kein Fahrstandard, der der Formel 1 würdig ist."

Nico Hülkenberg (Audi) schrammte als Elfter nur um 0,815 Sekunden an einem WM-Punkt vorbei. Für Aston Martin gab es nach einem desaströsen Rennwochenende einen Doppelausfall. Zuerst musste Lance Stroll mit zu wenig Wasserdruck abstellen, später dann auch Fernando Alonso. Die beiden schafften nicht einmal die Hälfte der Renndistanz.

Startphase: Red Bull mischt das Feld auf

Die erste Runde verlief für Baku-Verhältnisse unspektakulär. Russell erwischte einen guten Start und bog sicher als Führender in die erste Kurve ein. Dahinter gewann Piastri eine Position gegen Leclerc, Norris ging an Hadjar vorbei - und Antonelli verlor sogar eine Position und kam als 17. aus Runde 1 zurück.

In Runde 2 schob sich Verstappen an Hamilton vorbei und übernahm Platz 6, und davor ging Hadjar im Kampf um P4 an Norris vorbei. Gleichzeitig machte Russell an der Spitze Tempo: 1,3 Sekunden Vorsprung auf Piastri nach der ersten Runde, und das, obwohl der Mercedes Mediumreifen drauf hatte und der McLaren Soft. Nach drei Runden war Russells Puffer sogar schon auf 2,2 Sekunden angewachsen. Wichtig, denn so konnten sich seine Verfolger nicht bei ihm in den Windschatten hängen.

Im Feld war Red Bull in der Anfangsphase bärenstark unterwegs. "Oscar, diese Red Bulls könnten ein Problem sein", wurde Piastri in Runde 4 angefunkt. Da lag Hadjar, der sich Leclerc geschnappt hatte, auf Platz 3, und Verstappen war - mit starkem Vorwärtsdrang - Fünfter. Zu Beginn von Runde 5 war auch Verstappen an Leclerc vorbei.

In Runde 7 kam es zum Red-Bull-internen Platztausch. Hadjar wurde per Funk informiert: "Verstappen hinter dir. Vergiss nicht: Die Gesamtrennzeit hat Priorität." Folgerichtig wehrte sich der Franzose nicht und ließ seinen Teamkollegen passieren, sodass dieser Jagd auf Piastri machen konnte. Auf Russell hatte Verstappen zu dem Zeitpunkt 4,5 Sekunden Rückstand.

Weiter hinten ging Antonellis Aufholjagd schleppender als erwartet vonstatten. In Runde 8 wurde der WM-Leader als 14. geführt, und auf Russell hatte er sich schon 21,7 Sekunden Rückstand eingehandelt. Hoffnungen, er könnte ein ähnliches Husarenstück wie in Monza hinlegen und womöglich sogar gewinnen, erschienen da kühn.

Zu Beginn der 15. von 51 Runden führte Russell 7,3 Sekunden vor Piastri, 8,1 vor Verstappen, 8,9 vor Hadjar, 11,7 vor Leclerc, 13,8 vor Norris und 14,6 vor Hamilton. Antonelli hatte sich inzwischen auf Platz 11 verbessert. Rückstand auf Russell: 28,6 Sekunden - also mehr als ein ganzer Boxenstopp (hochgerechnet 19 Sekunden).

Warum lehnt Hadjar eine Red-Bull-Teamorder ab?

In Runde 17 dann Bewegung am Red-Bull-Boxenfunk. Verstappen hatte gemeldet, dass er mit seinem Mediumreifen nicht happy ist, und eingesehen, dass er Piastri nicht überholen kann. Also dachte man offenbar darüber nach, Hadjar mit dem Soft wieder an Verstappen vorbeizuschleusen.

Aber der winkte ab: Er könne "nur zwei, drei Zehntel" schneller fahren. "Aber ich bin happy damit, hier zu bleiben. Sonst verlieren wir nur Zeit." Drei Runden später rückte Hadjar immer näher an Verstappen heran - und meldete am Boxenfunk: "Sagt ihm, er soll weiter pushen! Hat er Probleme? Ich hätte Pace. Nur für den Fall."

In Runde 27 wurde Hadjar dann schon deutlicher: "Kann ich es machen?", holte er sich die Erlaubnis für eine Attacke gegen Verstappen ab. Und die bekam er auch, mit einem klaren Auftrag: "Du musst es sauber halten."

An der Spitze hatte Russell bis Runde 25 zehn Sekunden Vorsprung herausgefahren. Sein Rennen war ein einsames, dementsprechend wenig war er im TV-Broadcast zu sehen. Doch dann meldete er am Boxenfunk, das Team möge die Reifendrücke im Auge behalten. Denn er hatte zuvor ausgangs Kurve 15 die Streckenbegrenzung leicht gestreift. Sein Renningenieur gab nach Begutachtung der Telemetriedaten aber Entwarnung.

Haarsträubende Aktion von Colapinto sorgt für Massencrash

In Runde 31 dann der unvermeidliche Baku-Crash: Alexander Albon (Williams) flog bei Kurve 5/6 ab - und verursachte damit eine Safety-Car-Phase. Aufgrund des Timings praktisch für das komplette Feld das Signal, an die Box zu kommen und Reifen zu wechseln. Red Bull absolvierte sogar einen "Double-Stack", blieb aber auf den Positionen 3 und 4. Nur Russells großer Vorsprung war jetzt natürlich weg.

Als das Rennen in Runde 36 wieder freigegeben wurde, hatte Russell mit dem Soft den vermeintlich besseren Reifen drauf. Piastri war jetzt auf Medium, Verstappen auf Soft, und dahinter Hadjar, Leclerc und Hamilton auf Medium. Antonelli hatte kurz vor der Gelbphase von einem Verbremser von Norris profitiert und lag jetzt mit Softreifen auf Rang 8.

Zur grünen Flagge schnappte sich Verstappen mit Reifenvorteil Piastri bei der Anfahrt zu Kurve 1 - doch dahinter kam es zu einem Massencrash, sodass das Safety-Car gleich wieder aktiviert wurde. Franco Colapinto (Alpine) bremste viel zu spät - und räumte ausgerechnet seinen eigenen Teamkollegen Pierre Gasly und Norris ab.

Gasly war völlig perplex: "Ich kann es nicht glauben. So viele Punkte weg." Und ServusTV-Experte Mathias Lauda kritisiert: "Das war ein Kapitalfehler von Colapinto. Das kannst du nicht bringen. Das wäre sich ja niemals ausgegangen. In dem Teammeeting möchte ich nicht dabei sein. Das geht gar nicht. Die Aktion war richtig unnötig. Der macht jetzt einen Walk of Shame!"

Riesenglück hatte bei der Aktion übrigens Antonelli, der mittendrin war im Geschehen, aber nicht getroffen wurde. Für ihn war Colapintos Rammstoß ganz im Gegenteil sogar ein Segen, denn er lag jetzt auf Platz 7, unmittelbar hinter den beiden Ferraris, als das Rennen weiterging.

Dass sich hinter dem Massencrash auch noch die beiden Racing Bulls ins Gehege kamen, ging in dem Chaos beinahe unter. Seitens der Rennleitung wurde gegen Lawson/Lindblad zwar eine Untersuchung eingeleitet, aber keine Strafe ausgesprochen.

Schlussphase: Verstappen gibt gegen Russell nicht auf

In Runde 40 erledigte sich für Hadjar das Piastri-Problem, denn der McLaren-Pilot verbremste sich bei Kurve 1, musste geradeaus in den Notausgang und fiel auf Platz 15 zurück. Nach einem bislang starken Wochenende rückte das Podium damit in weite Ferne.

https://x.com/F1/status/2103823136374612464An der Spitze konnte sich Russell jetzt nicht mehr so leicht von den Verfolgern absetzen wie zu Beginn des Rennens. Verstappen hatte jetzt die weichen Reifen drauf und war die Mediums los, die ihm nicht behagt hatten, und konnte zumindest ein paar Runden lang den Anschein von Druck aufrechterhalten. Doch Russell konnte Verstappen zumindest aus der Verfolgersekunde abhängen. "Vielleicht kontrolliert er das Tempo", vermutete Lauda im Live-Kommentar bei ServusTV.

Indes war Antonelli an Hamilton vorbeigegangen. Der Mercedes-Pilot lag jetzt auf Platz 5, mit dreieinhalb Sekunden Rückstand auf Leclerc. Nicht ganz so spektakulär wie die Aufholjagd in Monza, aber im Hinblick auf die WM doch eine passable Schadensbegrenzung. Auch wenn Russells Sieg nicht mehr in Gefahr geriet.

Motorsport-Total.com

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