Gasly zurück auf dem Podium | 12.06.2026
Monaco-Chaos geht weiter: Topteams prüfen Berufung gegen Gasly-Urteil
Die Monaco-Affäre ist noch nicht vorbei: Red Bull, McLaren und Mercedes prüfen weitere Schritte gegen die FIA-Entscheidung
Die Kontroverse um die Wertung des Grand Prix von Monaco geht in die nächste Runde. Obwohl die FIA die Zeitstrafen gegen Pierre Gasly nachträglich aufgehoben und den Alpine-Piloten wieder auf das Podium zurückversetzt hat, könnte der Fall noch längst nicht abgeschlossen sein.
Wie nun bekannt wurde, haben sowohl McLaren als auch Red Bull fristgerecht ihre Absicht hinterlegt, gegen die Entscheidung der Rennkommissare Berufung einzulegen. Eine endgültige Anfechtung des Urteils wurde zwar noch nicht eingereicht, doch die Teams verschaffen sich damit zusätzliche Zeit, um die rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen.
Auslöser der Debatte sind die beiden Fünf-Sekunden-Strafen, die Gasly nach dem Rennen wegen angeblicher Geschwindigkeitsüberschreitungen in der Boxengasse erhalten hatte. Nach einer Überprüfung neuer Beweise kam die FIA jedoch zu dem Schluss, dass es bei der Geschwindigkeitsmessung am Eingang der einzigartigen Monaco-Boxengasse zu Unstimmigkeiten gekommen war.
Neue Beweise führten zur Gasly-Begnadigung
Die entscheidenden Daten stammten von Formula One Management (FOM), das für die Zeitmessung in der Formel 1 verantwortlich ist. Demnach wurden Gasly sowie vier weitere Fahrer auf Basis fehlerhafter Messwerte bestraft.
Die Rennkommissare gaben daraufhin einem Antrag auf Überprüfung statt und annullierten die Strafen. Dadurch rückte Gasly wieder auf den dritten Platz vor und erhielt sein Podium zurück.
Die Entscheidung hatte jedoch unmittelbare Auswirkungen auf mehrere andere Fahrer. Unter anderem verlor Isack Hadjar seinen Podestplatz wieder an Gasly. Auch Oscar Piastri fiel in der Wertung um eine Position zurück. Entsprechend groß ist das Interesse der betroffenen Teams, die Hintergründe der Entscheidung noch einmal genau zu analysieren.
Teams sehen Verantwortung bei den Fahrern
Nicht alle Beteiligten teilen die Auffassung der FIA-Kommissare. Mehrere Teams vertreten die Ansicht, dass die Fahrer und Rennställe ausreichend Informationen besessen hätten, um die Besonderheiten der Geschwindigkeitsmessung in Monaco zu berücksichtigen.
Haas-Teamchef Ayao Komatsu verwies darauf, dass die überwiegende Mehrheit des Starterfeldes das gesamte Rennwochenende ohne entsprechende Verstöße absolvierte. Aus seiner Sicht hätten die Teams auf Grundlage ihrer Trainingsdaten genügend Sicherheitsreserven einkalkulieren können.
¿pbvin|0|0||0|1||https://www.youtube.com/watch?v=q9rX8jzca7Q|pb¿Ähnliche Argumente wurden auch während der Anhörung vorgebracht. Red-Bull-Sportdirektor Stephen Knowles erklärte, dass das Messverfahren während des gesamten Wochenendes konsistent angewendet worden sei.
Die Teams hätten ihre eigenen Systeme entsprechend angepasst und gewusst, dass die Geschwindigkeitsberechnung nie hundertprozentig exakt sei. Gerade deshalb sei ausreichend Vorsicht geboten gewesen.
McLaren und Red Bull halten sich alle Optionen offen
Auch McLaren argumentierte in eine ähnliche Richtung. Sportdirektor Will Courtenay sprach sich gegen eine nachträgliche Änderung des Rennergebnisses aus, obwohl sein eigenes Team von der ursprünglichen Entscheidung ebenfalls betroffen war.
Nach Artikel 15.4 des International Sporting Code hatten die Teams eine Stunde Zeit, um ihre Absicht einer Berufung anzumelden. Genau diesen Schritt haben McLaren und Red Bull nun vollzogen.
Das bedeutet allerdings noch nicht automatisch, dass tatsächlich ein Berufungsverfahren eingeleitet wird. Vielmehr eröffnet die Anmeldung ein zusätzliches Zeitfenster von 96 Stunden. Innerhalb dieser Frist können die Juristen der Teams die Begründung der FIA sowie das Reglement im Detail prüfen und entscheiden, ob eine Erfolgsaussicht für einen formellen Einspruch besteht.
Auch Mercedes prüft juristische Schritte
Während sich Red Bull und McLaren zunächst auf die Gasly-Entscheidung konzentrieren, denkt auch Mercedes über weitere Maßnahmen nach. Teamchef Toto Wolff bestätigt am Rande des Spanien-Wochenendes, dass die Juristen seines Teams bereits verschiedene Szenarien analysieren.
Hintergrund ist die Strafe gegen George Russell in Monaco. Wolff macht deutlich, dass Mercedes prüfen wolle, welche Auswirkungen eine andere Bewertung des Vorfalls auf das Endergebnis gehabt hätte.
¿pbvin|0|0||0|1||https://www.youtube.com/watch?v=9bbegjnit1A&t=1s|pb¿"Wir sprechen definitiv über die Zukunft, aber wir müssen uns auch ansehen, was wir für George tun können", erklärt Wolff. "Ich bin gerade erst aus einem Gespräch mit unseren Anwälten gekommen. Wir prüfen, was möglich ist."
Wolff sieht kaum Chancen - will aber nichts unversucht lassen
Der Mercedes-Teamchef räumt allerdings ein, dass die Erfolgsaussichten begrenzt erscheinen. Dennoch wolle das Team jede theoretische Möglichkeit ausschöpfen. "Eine Durchfahrtsstrafe, die am Ende des Rennens nicht mehr abgesessen wird, entspricht etwa 20 Sekunden Rennzeit", erklärt Wolff. "Wir müssen uns anschauen, was diese 20 Sekunden für sein Ergebnis bedeutet hätten."
Gleichzeitig zeigt sich der Österreicher realistisch: "Glaube ich, dass wir eine echte Chance haben, das Resultat noch umzukehren? Wahrscheinlich nicht. Aber wenn es auch nur einen Millimeter Chance gibt, müssen wir es versuchen."
Damit könnte die juristische Aufarbeitung des Monaco-Grand-Prix noch mehrere Tage andauern. Selbst nach der spektakulären Rückkehr Gaslys aufs Podium scheint das letzte Kapitel dieses Falls noch längst nicht geschrieben zu sein. Denn während die FIA den Fall für geklärt hält, prüfen gleich mehrere Topteams, ob die Geschichte vor den Berufungsinstanzen eine weitere Wendung nehmen könnte.














