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Trotz Verstappen-Aufholjagd Lando Norris hat den Grand Prix von Sao Paulo in Interlagos gewonnen
LAT Images

Norris gewinnt im Regen von Sao Paulo

Mercedes strauchelt in Brasilien, fixiert am Ende aber doch die Konstrukteurs-WM - Max Verstappen legt im Regen erneut aufsehenerregende Aufholjagd hin

Eine Woche nach dem Triumph von Kimi Antonelli in der Fahrer-WM ist auch die Konstrukteurs-WM entschieden: Mercedes beendete den Grand Prix von Sao Paulo 2026 in Interlagos auf den Positionen 4 (George Russell) und 5 (Antonelli) und fixierte damit bereits drei Rennen vor Schluss den ersten Platz in der Teamwertung der Formel-1-Saison 2026.

Das Rennen in Brasilien gewann Lando Norris (McLaren), der zwar seine Poleposition am Start nicht in die Führung verwandeln konnte, danach aber an einem von wechselhaften Wetterverhältnissen geprägten Nachmittag eine routinierte Vorstellung ablieferte und letztendlich einen souveränen Sieg feierte, während andere Fehler machten.

"Es war ein sehr schwieriges Rennen, wirklich sehr, sehr schwierig", sagt Norris. "Natürlich war mein Start nicht der beste, aber heute gab es viele Herausforderungen, vor allem wegen der Bedingungen. Mit Slicks auf nasser Strecke zu fahren, ist immer schwierig. Besonders dann, wenn man um die Führung kämpft und versucht, ein bisschen Boden gutzumachen."

"Das Wichtigste war heute, dass ich einfach einen kühlen Kopf bewahrt und keine Fehler gemacht habe. Und als es darauf ankam, hatte ich auch die nötige Pace. Insofern war es gut. Es ist schön, wieder ganz oben auf dem Podium zu stehen. Und was für ein großartiger Ort, um das zu schaffen", sprach er Interlagos ein Kompliment aus.

Die beiden Mercedes-Piloten zum Beispiel, die sich gegen Rennmitte bei wechselnden Bedingungen drehten (Russell in der Boxenausfahrt!), oder Lewis Hamilton (Ferrari), der zwar einen Raketenstart hinlegte, danach aber über weite Strecken zu langsam war und einmal mit Slicks auf nasser Fahrbahn ausrutschte.

Max Verstappen (Red Bull), nach Gridstrafe von hinten gestartet, wiederholte seine Aufholjagden aus den Jahren 2024 und 2025 und fuhr auf Platz 2 (Rückstand: 14,6 Sekunden), vor seinem Teamkollegen Isack Hadjar (+24,5), der ihn auf Kommando des Teams durchgelassen hatte.

"Die ersten Runden waren sehr wichtig", analysiert Verstappen. "Ich habe viele Autos überholt. Und eigentlich war diese erste Phase auf den Intermediates meiner Meinung nach wirklich, wirklich stark. Leider weiß ich nicht, ob wir uns danach irgendeinen Schaden am Auto eingefangen haben. Denn das Auto fühlte sich komplett anders an als alles, was ich das ganze Wochenende über erlebt hatte. Die Balance war wirklich seltsam."

"Leider konnte ich, nachdem ich auf Platz 2 angekommen war, keinen Boden mehr gutmachen. Wir müssen also verstehen, was da schiefgelaufen ist. Aber ich meine, von Startplatz 21 loszufahren und dann als Zweiter auf dem Podium zu stehen, ist meiner Meinung nach ein sehr gutes Ergebnis", sagt der viermalige Weltmeister.

Oscar Piastri (McLaren) auf Platz 6, Charles Leclerc (Ferrari), Liam Lawson (Racing Bulls), Hamilton und Nico Hülkenberg (Audi) komplettierten die Top 10. Hülkenberg übrigens trotz einer Zehnsekundenstrafe.

Vor dem Start: Antonelli rutscht von der Strecke

Action gab es übrigens schon vor dem Start. Antonelli war gerade mit Intermediates auf dem Weg in die Startaufstellung, als er sich bei Kurve 12 auf nasser Fahrbahn beim Bremsen verschätzte. Der Mercedes untersteuerte auf Intermediates in die Wiese und kam dort ins Schleudern, ohne allerdings einzuschlagen.

Antonelli ackerte dann den Hügel runter und dort zurück zur Strecke, von wo aus er nochmal die Box ansteuerte. Auf den ersten Blick hatte er sich dabei keinen Schaden zugezogen, aber insbesondere seinen Unterboden mächtig dreckig gemacht.

"Wow, Mann, es ist unfahrbar", war der erste Kommentar des frischgebackenen Weltmeisters am Boxenfunk. Auf seine Teilnahme am Rennen hatte die Situation aber keine Auswirkungen.

Feuerwerk von Verstappen in der Startphase

Dafür war Antonelli dann am Start, als es drauf ankam, richtig wach: Der Mercedes-Pilot hatte Polesetter Norris schon vor dem Senna-S ausbeschleunigt. Hinter ihm beendete Lawson die erste Runde auf Platz 2, vor Norris, Hadjar, Russell und Hülkenberg, der mit dem Audi zwei Positionen einbüßte.

Weiter hinten legten die beiden Superstars nach ihren Gridstrafen Raketenstarts hin: Hamilton kam als Neunter aus der ersten Runde zurück (elf Positionen gutgemacht), und Verstappen als Zwölfter (neun).

Zu Beginn der dritten Runde hatte Verstappen auch Carlos Sainz (Williams) und Oliver Bearman (Haas) überholt und war Zehnter, und in Runde 4 schnappte er sich auch schon Hamilton. "Es gibt so Fahrer, die machen im Regen den Unterschied", kommentierte Formel-1-Experte Patrick Friesacher im Live-Broadcast von ServusTV.

Die Verstappen-Festspiele gingen munter weiter: In Runde 5 überholte er bei der Anfahrt zu Kurve 4 zuerst Piastri und dann, in der Bremszone, auch noch Albon. Er lag jetzt schon auf Platz 7, mit 12,5 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiter Antonelli (der seinerseits Lawson inzwischen um 4,5 Sekunden abgeschüttelt hatte).

Lawson konnte sich bis Runde 6 auf Platz 2 halten, dann wurde er zuerst von Norris und in Runde 7 auch von Hadjar überholt. Währenddessen trocknete die Strecke immer weiter ab, und die Rundenzeiten näherten sich langsam dem Crossover-Punkt zwischen Intermediates und Slicks. "Sieh zu, dass du die Hinterreifen kühl hältst", wurde etwa Antonelli als Tipp mitgegeben.

Meinungsverschiedenheit zwischen Hamilton und Ferrari

"Es ist nicht mehr weit weg von Slicks", funkte auch Hamilton in Runde 9. Kaum wurde der Funkspruch im TV-Broadcast eingespielt, wurde Hamilton zuerst von Leclerc und dann von Alonso überholt.

Er war jetzt wieder auf P14 abgerutscht, und sein Rückstand auf Verstappen (P6) betrug schon 15 Sekunden. Offensichtlich hatten seine Intermediates ihren Peak hinter sich. "Ich komme rein und hole Slicks", kündigte Hamilton an, wurde aber von seinem Renningenieur hingehalten: "Negativ, negativ. Wir sind noch nicht beim Crossover."

Es dauerte bis in die 14. Runde, ehe Ferrari Hamiltons Wunsch stattgab. "Mutig, aber sie haben ja nichts zu verlieren", analysierte Formel-1-Experte Mathias Lauda im Live-Kommentar von ServusTV. Und gleich im ersten gemessenen Sektor auf den weichen Slicks war Hamilton um mehr als eine Sekunde schneller als Antonelli.

Nach dem Stopp: Beide Mercedes-Fahrer drehen sich

In Runde 16 reagierte daher die Konkurrenz: Norris, Russell, Hadjar, Lawson, Piastri, Hülkenberg & Co. kamen rein, um auch Reifen zu wechseln. Dann ein bitterer Moment für Russell: In der Boxenausfahrt drehte er sich und verlor Zeit und Positionen. Er lag jetzt hinter Piastri nur noch auf Platz 10.

Eine Runde später wechselten auch Antonelli und Verstappen - und alle anderen, die die Intermediates noch nicht abgelegt hatten. Boxenstoppbereinigt führte Antonelli jetzt vor Norris (+0,9), Hadjar (+7,6), Verstappen (+9,2) und Lawson (+17,3). Russell war durch die Boxenstopps anderer Piloten wieder auf P7 aufgerückt, mit 25,1 Sekunden Rückstand auf Antonelli.

Der meldete aber: "Irgendwas stimmt mit dem Auto nicht!" Und in seinen Rückspiegeln wurde der orangefarbene Norris-McLaren immer größer. Auf die Anweisung, er solle irgendwelche Einstellungen verändern, antwortete der Weltmeister: "Nein, Kumpel. Es ist was mit der Radaufhängung." Und in Runde 20 drehte er sich im Senna-S und verlor die Führung an Norris.

Antonelli fuhr weiter, hatte jetzt aber Hadjar im Windschatten. Der war aber in jener Phase der schnellste Mann im Feld und überholte den Mercedes ebenfalls. Antonelli wirkte jetzt ungeduldig und funkte: "Bono, das Auto zieht beim Beschleunigen auf eine Seite. Das ist so merkwürdig."

In der 24. Runde war Antonelli dann im Senna-S schon wieder neben der Strecke und musste jetzt auch Verstappen durchlassen. Den gut gemeinten Ratschlag von Renningenieur Peter Bonnington, er solle sich konzentrieren, wimmelte Antonelli ab: "Es gibt da ein Problem, Mann! Ich kann in Linkskurven nicht einlenken." Aber die Mercedes-Ingenieure konnten in den Daten keine Auffälligkeiten erkennen.

Damit führte Norris jetzt 3,4 Sekunden vor Hadjar, 7,4 Sekunden vor Verstappen, 9,9 Sekunden vor Antonelli und 20,2 Sekunden vor Piastri. Hülkenberg war Siebter, Hamilton Elfter. Und die Wettervorhersage prognostizierte den nächsten Regenschauer in ungefähr zehn Minuten.

Stallorder bei Red Bull: Verstappen auf P2

Gegen Rennhalbzeit kam Verstappen dem vor ihm fahrenden Hadjar immer näher, während das gesamte Feld auf den angekündigten nächsten Regenschauer wartete. Ein Boxenstopp wäre zu diesem Zeitpunkt strategisch riskant gewesen: Wer jetzt geplant hätte, frische Slicks aufzuziehen, lief Gefahr, möglicherweise schon wenige Runden später erneut an die Box kommen zu müssen, um auf Regenreifen zu wechseln.

Dementsprechend hielten sich viele Fahrer mit ihrer Pace zurück und versuchten, ihre Reifen möglichst lange am Leben zu halten. Nur Ferrari hatte offenbar Informationen, dass es nicht mehr regnen würde, denn noch in Runde 38 steckte Hamilton von gebrauchten auf frische Softreifen um. Experte Lauda wunderte sich bei ServusTV: "So oft sitzen wir hier, und Ferrari macht eine Strategie, die ich nicht nachvollziehen kann. Bei allen anderen kann ich es fast immer nachvollziehen."

Zum Duell Hadjar gegen Verstappen kam es übrigens nicht. Zu Beginn der 38. Runde (von 71) kam die Ansage, die Positionen teamintern zu tauschen, und Verstappen übernahm kampflos den zweiten Platz. Sein Rückstand auf Norris betrug jetzt 9,3 Sekunden. Als Red Bull von ihm wissen wollte, ob er sich vorstellen könne, ohne weiteren Reifenwechsel durchzufahren, weil das gerade am McLaren-Funk diskutiert wurde, sagte Verstappen: "Nein, können wir nicht."

Verstappen eröffnet zweite Boxenstopp-Serie

Gesagt, getan: In Runde 45 wechselte Verstappen die Reifen und fiel zunächst auf Rang 5 zurück, 13,7 Sekunden hinter Piastri, aber 1,8 Sekunden vor Russell. Und, spannend: Hadjar signalisierte seiner Box jetzt, dass er sich sehr wohl vorstellen kann, ohne weiteren Reifenwechsel durchzufahren.

Vier Runden nach Verstappen war Norris dran, die Reifen zu wechseln, und eine weitere Runde später Hadjar. Damit lag jetzt wieder Antonelli in Führung, 8,6 Sekunden vor Norris, aber mit Reifen, die 32 Runden mehr auf dem Buckel hatten. Mit denen bis zum Ende durchzufahren, schien ein ziemlich ambitioniertes Unterfangen zu sein.

Die kühne Idee platzte in der 53. Runde: Antonelli entschloss sich angesichts der schnellen Rundenzeiten seiner direkten Konkurrenten ebenfalls, Reifen zu wechseln, und übergab die Führung somit wieder an Norris. Der lag jetzt 7,7 Sekunden vor Verstappen, 16,2 vor Hadjar, 16,9 vor Russell und 20,8 vor Antonelli. Und bis auf Russell hatten in den Top 6 jetzt alle zwei Boxenstopps absolviert.

Regen nimmt am Ende wieder zu

Zwischendurch handelte sich Hülkenberg für das Verlassen der Strecke und das Erlangen eines Vorteils im Duell mit Franco Colapinto (Alpine) eine Zehnsekundenstrafe ein. Bitter, denn zu dem Zeitpunkt lag der Deutsche, der seinen zweiten Stopp recht früh eingelegt hatte, als Neunter auf Punktekurs.

Ungefähr zehn Runden vor Schluss nahm der Nieselregen nach und nach zu. Russell war der Erste, der pokerte und auf Intermediates wechselte. Doch Norris, Verstappen, Hadjar und Antonelli reagierten ebenfalls schnell und kamen bei der nächstmöglichen Gelegenheit rein. Wie bitter nötig das inzwischen war, bewies ein Dreher von Hamilton, auf den letzten Metern vor der Boxeneinfahrt, ehe er seine Slicks ablegen konnte.

Russell hatte seine Intermediates durch den etwas früheren Stopp schneller auf Temperatur, und er hatte durch das gute Timing einiges an Zeit gutgemacht. Daher kam von der Mercedes-Box die Anweisung: "Tauscht die Positionen." Antonelli diskutierte nicht lange rum, ließ seinen Teamkollegen durch und lag jetzt auf Platz 4, vier Sekunden hinter Hadjar.

Der befürchtete Regen der Klasse 2, also besonders stark, kam erst in der letzten Runde, als das Rennen bereits entschieden war. Norris ließ sich davon aber nicht mehr aus der Ruhe bringen. "Für mich ist er der Fahrer des Tages", sagte Lauda unmittelbar nach der Zieldurchfahrt. "Er hat alles richtig gemacht, unter allen Bedingungen."

Motorsport-Total.com

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