MotoGP Katar 2026 | 08.11.2026
Bezzecchi gewinnt - Marquez noch nicht Weltmeister
Marco Bezzecchi gewinnt souverän in Katar - Marc Marquez erobert in der Schlussphase Platz zwei - Noch keine vorzeitige WM-Entscheidung
Marco Bezzecchi (Aprilia) hat den Grand Prix von Katar gewonnen und damit seinen sechsten Saisonsieg gefeiert. Der Italiener dominierte den Grand Prix und kam nach 22 Runden mit 3,083 Sekunden Vorsprung vor Marc Marquez (Ducati) ins Ziel.
Marc Marquez musste nach einer schwierigen Startphase zunächst zurückstecken. Beim Start übernahm Bezzecchi die Führung und verteidigte in Kurve eins die Innenlinie. Der Ducati-Fahrer musste kurz darauf auch Raul Fernandez (Trackhouse-Aprilia) passieren lassen und fand sich zunächst auf Rang drei wieder.
Marc Marquez kämpfte sich in der zweiten Rennhälfte aber nach vorne und sicherte sich noch Platz zwei. Fernandez komplettierte das Podium.
Ai Ogura (Trackhouse-Aprilia) kam auf Rang vier ins Ziel. Dahinter folgten Enea Bastianini (Tech3-KTM) und Pedro Acosta (KTM) auf den Plätzen fünf und sechs. Jorge Martin (Aprilia) beendete das Rennen als Siebter.
Acosta überholt Marc Marquez: Ducati-Pilot zunächst nur Vierter
Nach zwei Runden betrug der Vorsprung von Bezzecchi und Fernandez auf Marc Marquez bereits knapp zwei Sekunden. Dahinter entwickelte sich ein enger Kampf um die weiteren Positionen. Acosta rückte dabei immer näher an den Ducati-Fahrer heran und erhöhte den Druck. In der dritten Runde setzte der KTM-Pilot schließlich in Kurve 16 zum erfolgreichen Überholmanöver an.
Sein zunächst zurückhaltendes Tempo war allerdings Teil einer bewussten Strategie, wie Marc Marquez nach dem Rennen erklärt: "Heute war meine Strategie sehr durchdacht. Ich war fest entschlossen, das Rennen in den ersten fünf Runden zunächst zu kontrollieren. Es spielte keine Rolle, ob Bezzecchi oder ein anderer Fahrer vorne wegzieht. Für mich zählte vor allem das Duell mit Martin."
Während Bezzecchi und Fernandez ihren Vorsprung an der Spitze verteidigten, ging es dahinter eng zu. Acosta, Johann Zarco (LCR-Honda) und Ogura lieferten sich einen intensiven Kampf um die Positionen. Martin fand sich nach seinem guten Start zwischenzeitlich auf Rang neun wieder und musste sich gegen den Druck von Zarco behaupten.
In der sechsten Runde wechselte die Reihenfolge zwischen Acosta und Marc Marquez erneut. Der KTM-Pilot ging in Kurve 3 weit und ließ den Ducati-Fahrer passieren. Anschließend blieb Acosta zwar dicht an seinem Konkurrenten dran, konnte aber keinen weiteren Angriff starten.
Der Grund dafür waren offenbar Probleme mit dem vorgeschriebenen Mindestdruck im Vorderreifen. Marc Marquez bestätigt nach dem Rennen: "Im weiteren Rennverlauf habe ich dann gesehen, dass Acosta mich passieren ließ. Er hatte ein Problem mit dem Reifendruck."
Fernandez kämpft mit Kraftstoffverbrauch: Marc Marquez erhöht das Tempo
An der Spitze kontrollierte Bezzecchi weiterhin das Geschehen. Zur Rennhalbzeit lag er rund eineinhalb Sekunden vor Fernandez. Marc Marquez folgte mit weiteren drei Sekunden Rückstand auf Platz drei, während Acosta zunächst den Anschluss an die Ducati halten konnte.
Der ebenfalls körperlich angeschlagene Fernandez (seit Indonesien gebrochener Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand) zeigte bis dahin eine starke Vorstellung. Zusätzlich machte ihm der Kraftstoffverbrauch während des Grand Prix zu schaffen. Bereits in der Anfangsphase des Rennens musste er auf eine sparsame Motoreinstellung wechseln.
"Im Rennen habe ich versucht, Druck zu machen und hinter Marco zu bleiben. Hier ist nämlich weniger der Reifen als vielmehr der Kraftstoffverbrauch der entscheidende Faktor. Ich habe es versucht, konnte aber nicht alles optimal umsetzen. In Runde sechs oder sieben musste ich auf eine sparsame Motoreinstellung (MAP 3) wechseln. Dadurch hatte das Motorrad nicht mehr die volle Leistung", erklärt Fernandez später.
In der Folge musste der Trackhouse-Pilot vor allem versuchen, seinen zweiten Platz zu verteidigen. Marc Marquez wurde dagegen immer schneller und verkürzte den Rückstand Schritt für Schritt. In Runde 13 fuhr er mit 1:52.558 Minuten die schnellste Rennrunde. Auch in der darauffolgenden Runde setzte er seine Aufholjagd fort und kam Fernandez immer näher.
Bezzecchi reagierte allerdings auf das steigende Tempo seines Verfolgers und baute den Vorsprung wieder auf rund drei Sekunden aus. Ein Angriff auf den Rennsieg wurde für Marc Marquez damit zunehmend schwieriger.
Auch Acosta bekam in der zweiten Rennhälfte Probleme. Zunächst verlor er den Anschluss an Marc Marquez, später musste er auch in der Verfolgergruppe zurückstecken. In Runde 17 überholte Ogura den KTM-Piloten und übernahm Rang vier. Wenig später zog auch Bastianini vorbei. Acosta fiel damit auf Platz sechs zurück.
Martin kämpft sich auf Platz sieben nach vorne
Während sich an der Spitze der Kampf um die Podestplätze zugespitzt hatte, arbeitete sich Martin im Mittelfeld nach vorne. Nachdem er sich von Zarco etwas absetzen konnte, nahm er Fabio Di Giannantonio ins Visier. Der VR46-Ducati-Pilot hatte einen schwierigen Start erwischt und lag zunächst nur auf Rang acht.
Zur Rennhalbzeit erhöhte Martin den Druck und setzte zum erfolgreichen Überholmanöver an. Damit übernahm er Platz sieben und konnte diese Position auch bis zur Zielflagge verteidigen.
Für Martin war es zugleich ein wichtiger Schritt nach seiner Verletzung. Seit dem Bruch seines rechten Handgelenks beim Sprint in Phillip Island hatte er nicht mehr so viele Rennrunden am Stück absolviert. In Katar brachte er die volle Distanz von 22 Runden hinter sich und sammelte neun wichtige WM-Punkte.
Marc Marquez schnappt sich Platz zwei: Bezzecchi nicht mehr einzuholen
In der Schlussphase konzentrierte sich das Geschehen zunehmend auf den Kampf um Platz zwei. Marc Marquez hatte Fernandez inzwischen eingeholt und setzte den Trackhouse-Piloten unter Druck. Vier Runden vor dem Ende lag er bereits unmittelbar hinter der Aprilia mit der Startnummer 25. Zu Beginn der 20. Runde nutzte er auf der Start-Ziel-Geraden seine Chance und zog an Fernandez vorbei.
Damit war der zweite Platz gesichert. An Bezzecchi kam Marc Marquez allerdings nicht mehr heran. Der Italiener verwaltete seinen Vorsprung souverän und fuhr nach 22 Runden in 41:29.173 Minuten zum Sieg. Marc Marquez überquerte die Ziellinie mit einem Abstand von 3,083 Sekunden auf Bezzecchi, Fernandez fehlten weitere 0,531 Sekunden auf den Ducati-Fahrer.
Marc Marquez erklärt nach dem Rennen, weshalb er trotz des komfortablen Rückstands auf Bezzecchi in der Schlussphase noch einmal angegriffen hatte:
"Ich habe versucht, mein Tempo zu kontrollieren. An einer Stelle des Rennens war ich extrem schnell. Gleichzeitig wusste ich aber, dass ich mit diesem Fahrstil den Vorderreifen stark beanspruche. Am Ende wäre Platz drei in Ordnung gewesen, aber ich sah, dass Fernandez Probleme bekam. Man weiß schließlich nie, was noch passiert. Deshalb habe ich angegriffen und mir noch vier zusätzliche Punkte gesichert."
Auch Fernandez zeigt sich trotz des verlorenen zweiten Platzes zufrieden: "Ich habe versucht, hinter Marco zu bleiben und den Abstand zu Marc zu halten. Das ist mir allerdings nicht gelungen. Trotzdem bin ich sehr glücklich über einen weiteren Podiumsplatz", erklärt der Spanier. Für ihn war es ein weiteres starkes Ergebnis, obwohl ihn seine Verletzung weiterhin eingeschränkt hat.
Hinter dem Podium sicherte sich Ogura den vierten Platz vor Bastianini und Acosta. Martin kam als Siebter ins Ziel, dahinter komplettierten Di Giannantonio, Zarco und Iker Lecuona (Gresini-Ducati) die Top 10. Franco Morbidelli (VR46-Ducati), Fermin Aldeguer (Gresini-Ducati), Maverick Vinales (Tech3-KTM) und Jake Dixon (Honda) belegten die weiteren Punkteränge.
Sieben Runden vor Schluss stellte Diogo Moreira (LCR-Honda) sein Motorrad vor der LCR-Box ab und gab das Rennen auf. Der Brasilianer hatte über Schmerzen im rechten Arm geklagt. Sechs Runden vor dem Ende musste auch Brad Binder (KTM) aufgeben. Beim Südafrikaner waren Getriebeprobleme der Grund.
Francesco Bagnaia (Ducati) und Luca Marini (Honda) hatten bereits vor dem Rennen gefehlt. Bagnaia hatte sich bei seinem spektakulären Unfall im Sprint den vierten und fünften Mittelfußknochen im rechten Fuß gebrochen und war am Sonntag nach Italien zurückgeflogen, um sich einer Operation zu unterziehen. Marini hatte nach seiner Viruserkrankung weiterhin mit körperlichen Problemen zu kämpfen und deshalb auf den Start verzichtet.
Bezzecchi feiert besondere Bestmarke: Erster Aprilia-Podestplatz in Katar
Für Bezzecchi war es der sechste Saisonsieg und bereits der zwölfte Triumph in der MotoGP-Königsklasse. Damit schrieb der Italiener Geschichte: Er ist der erste Fahrer, der seine ersten zwölf Siege in der Königsklasse auf zwölf unterschiedlichen Rennstrecken eingefahren hat. Zudem feierte er seinen 30. Podestplatz in der MotoGP.
Auch für Aprilia war der Erfolg etwas Besonderes. Noch nie zuvor hatte ein Fahrer des Herstellers beim Grand Prix von Katar auf dem Podium gestanden. Für Aprilia Racing war es der neunte Saisonsieg und der 17. Triumph in der Königsklasse.
Bezzecchi zeigt sich nach dem Rennen entsprechend zufrieden: "Es fühlt sich fantastisch an. Ich bin sehr glücklich. Das war die Leistung, die wir verdient haben. Ein riesiges Dankeschön an das gesamte Team und an die Aprilia-Mannschaft im Werk in Noale. Es war ein fantastisches Wochenende für uns. Ich war extrem schnell und habe mich auf dem Motorrad sehr wohlgefühlt. Schade, was gestern passiert ist, aber das gehört zum Rennsport dazu. Umso schöner ist es, so zurückzukommen."
Der Erfolg wirkte sich auch auf die Konstrukteurswertung aus. Aprilia verkürzte den Rückstand auf Ducati auf nur noch acht Punkte. Ducati führt mit 569 Zählern, Aprilia folgt mit 561 Punkten. In der Teamwertung liegt Aprilia Racing mit 728 Punkten bereits 124 Zähler vor dem Ducati Lenovo Team.
WM-Entscheidung vertagt: Dreikampf geht in Portugal weiter
In der Fahrerwertung hat Marc Marquez nach dem Katar-Wochenende 431 Punkte auf dem Konto. Martin liegt mit 371 Zählern 60 Punkte zurück, Bezzecchi kommt nach seinem Sieg auf 357 Punkte und damit auf einen Rückstand von 74 Zählern. Bei noch zwei ausstehenden Rennwochenenden in Portugal und Valencia sind maximal 74 Punkte zu vergeben. Damit haben alle drei Fahrer weiterhin eine rechnerische Chance auf den WM-Titel.
Der nächste Grand Prix findet in zwei Wochen in Portugal statt. Vom 20. bis 22. November gastiert die MotoGP in Portimao zum vorletzten Rennwochenende der Saison 2026.

















