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Tardozzi über Marquez' Ungarn-Coup Ducati durfte in Ungarn über den 100. Sieg des Werksteams jubeln
Ducati Corse

Tardozzi über Marquez' Ungarn-Coup: "Er überrascht uns immer noch"

Marc Marquez gewinnt in Ungarn und macht im Titelkampf Boden gut - Doch Davide Tardozzi warnt: Der Spanier sei noch weit von seiner Bestform entfernt

Der Grand Prix von Ungarn 2026 war für Ducati ein Befreiungsschlag. Auf dem Balaton Park Circuit feierte Marc Marquez nicht nur seinen 100. Grand-Prix-Sieg, sondern verkürzte auch den Rückstand im Titelkampf deutlich.

Dennoch tritt Ducati-Teammanager Davide Tardozzi nach dem jüngsten Rennwochenende auf die Euphoriebremse. Der Italiener lobt die Leistung seines Starfahrers, verweist aber gleichzeitig auf dessen weiterhin eingeschränkte körperliche Verfassung und die nach wie vor starke Konkurrenz durch Aprilia.

"Es war ein sehr, sehr, sehr wichtiges Wochenende", sagt Tardozzi. Ducati habe viele Punkte gutgemacht, gleichzeitig sei man sich aber bewusst, dass die direkten Rivalen weiterhin "sehr stark" seien. Vor allem das Chaos in der ersten Kurve, bei dem unter anderem WM-Spitzenreiter Marco Bezzecchi und VR46-Ducati-Pilot Fabio Di Giannantonio ausschieden, habe das Ergebnis stark beeinflusst.

"Sie hatten einfach unglaublich viel Pech. Mir tut es leid für Marco, Diggia und die anderen Jungs. Diese Fahrer hätten um das Podium kämpfen müssen. Aber so ist der Rennsport."

Tatsächlich war das Rennen bereits in der ersten Kurve von einem folgenschweren Unfall überschattet worden. Bezzecchi, Jorge Martin, Di Giannantonio und weitere Fahrer wurden in eine Kollision verwickelt, wodurch Ducati im Kampf um die Meisterschaft wertvolle Punkte auf die Konkurrenz aufholen konnte.

Tardozzi erinnert jedoch daran, dass auch Ducati zu Saisonbeginn nicht vom Glück verfolgt war. Bei einer WM mit 22 Rennwochenenden könne sich die Lage schnell ändern. "Wir hatten am Anfang des Jahres selbst Pech. Über 22 Rennen kann alles passieren. Manchmal laufen die Dinge für dich, manchmal gegen dich."

Selbst Tardozzi ist noch überrascht von Marquez

Besonders beeindruckt zeigt sich der Ducati-Teammanager von Marquez' Leistung. Der Spanier hatte nach seinen Schulter- und Fußoperationen erst wenige Wochen zuvor sein Comeback gegeben und dominierte in Ungarn dennoch das gesamte Wochenende mit Poleposition, Sprintsieg und Grand-Prix-Erfolg.

"Absolut, ja", antwortet Tardozzi auf die Frage, ob ihn die Rennpace von Marquez in Ungarn überrascht habe. "Aber wissen Sie, was mich am meisten überrascht? Dass ich immer noch überrascht bin. Das ist schließlich Marc Marquez."

¿pbtw|https://twitter.com/ducaticorse/status/2063623760255525065|pb¿Doch der Ducati-Manager betont auch, dass die Ergebnisse ein falsches Bild vermitteln könnten: "Poleposition, Sieg, Sieg - das bedeutet nicht, dass er bei 100 Prozent ist. Er ist nicht bei 100 Prozent." Marquez kenne die Grenzen seines Körpers derzeit genau und sei trotz seiner Erfolge noch immer in der Reha-Phase.

Nach Einschätzung Tardozzis wird die vollständige Genesung noch Zeit benötigen. "Unser Hauptziel ist, dass Marc seine Verletzung perfekt ausheilt. Das wird mindestens noch einen Monat dauern, vielleicht sogar zwei." Für Ducati habe die körperliche Gesundheit des Spaniers derzeit Vorrang vor allen WM-Rechnungen.

Die Frage, ob technische Anpassungen an der Desmosedici die körperlichen Einschränkungen kompensieren würden, relativiert er. Zwar habe Ducati in Ungarn ein neues Aero-Element am Heck eingesetzt, das von beiden Werksfahrern positiv bewertet worden sei. Den entscheidenden Unterschied habe jedoch etwas anderes gemacht: "Was ihm hier den Sieg gebracht hat, war seine mentale Einstellung."

"Nur ein Champion kann so etwas bewältigen"

Während der Spanier selbst in den vergangenen Wochen immer wieder betont hatte, dass das Hauptproblem nicht das Motorrad, sondern seine körperliche Verfassung sei, sieht Tardozzi darin einen weiteren Beleg für dessen Klasse.

"Er hatte ein schwerwiegendes körperliches Problem, das nur ein Champion wie er überwinden und managen konnte", sagt er. Deshalb beeindrucke ihn vor allem die Haltung seines Fahrers. Ducati wisse genau, was Marquez in den vergangenen Monaten durchgemacht habe und welche Einschränkungen weiterhin bestehen. "Unsere Freude kommt daher, einen Champion zu sehen, der niemals aufgibt."

Und genau darin liegt für Tardozzi die größte Erklärung für das Ungarn-Wunder: Marquez sagt die Wahrheit, wenn er von seinen körperlichen Problemen spricht. "Dann gibt es aber noch einen anderen Marc in ihm, der ihm sagt: Du kannst noch mehr. Und deshalb schafft er Dinge, die andere wohl nicht schaffen würden."

WM-Aufholjagd? Ducati denkt noch nicht daran

Ob Marquez trotz seines Rückstands noch ernsthaft in den Titelkampf eingreifen kann, will Tardozzi nicht bewerten. Erinnerungen an Francesco Bagnaias spektakuläre Aufholjagd zum WM-Titel vor einigen Jahren seien zwar präsent, aktuell liege der Fokus jedoch auf der Genesung des neunfachen Weltmeisters.

"Darüber denken wir später nach", sagt Tardozzi. "Im Moment wollen wir, dass er wieder vollständig fit wird. Marc ist sehr müde, er hat noch einige Probleme."

¿pbfs26mnie279795#3|MotoGP: Grand Prix von Ungarn (Balaton Park) 2026 - Grand Prix|https://www.motorsport-total.com/img/teaser/mmi_ident_1780841287_w620_h310.webppb¿Gleichzeitig lässt der Italiener keinen Zweifel daran, wie hoch Ducati das Potenzial seines Fahrers einschätzt. "Wir wissen, wer Marc Marquez ist. Wenn Marc wieder bei 100 Prozent ist und wir das konkurrenzfähige Motorrad haben, wissen wir, wie die Rennen ausgehen können", blickt er auf die zweite Saisonhälfte voraus.

Ducati holt gegenüber Aprilia weiter auf

Neben dem Marquez-Comeback war das zweite große Thema des Wochenendes die Entwicklung bei Ducati. Nach einem schwierigen Saisonstart hatte Aprilia die ersten Rennen dominiert und sich an die Spitze der Weltmeisterschaft gesetzt.

Tardozzi gibt offen zu, dass ihn die Stärke des Herstellers aus Noale überrascht habe. "Nach Sepang war ich überzeugt, dass wir ein gutes Jahr vor uns haben würden, nicht einen Albtraum wie in den ersten Rennen", erinnert er an die Anfangsphase.

Zwischen den Tests und dem Saisonauftakt in Thailand habe Aprilia jedoch einen enormen Entwicklungsschritt gemacht. "Dafür muss man einfach applaudieren. Chapeau!"

Mittlerweile sieht er Ducati wieder näher an der Spitze. Gemeinsam mit Technikchef Gigi Dall'Igna habe man intensiv gearbeitet und den Rückstand verkleinert. "Die Lücke ist für mich noch nicht komplett geschlossen. Aber mit den Fahrern, die wir haben, sind wir deutlich näher herangerückt", hält Tardozzi fest.

Auch deshalb wertet er den Ungarn-Sieg als wichtiges Signal: "Nach dem schwierigen Saisonstart hat Ducati gezeigt, dass wir nicht aufgeben." Das neue Aerodynamik-Update habe funktioniert, die Stimmung im Team sei deutlich besser geworden.

Lob für Bagnaia und Atmosphäre im Werksteam

Besonders zufrieden zeigt sich der Ducati-Teammanager auch mit dem Zusammenspiel seiner beiden Stars. Denn die Zusammenarbeit zwischen Marquez und Francesco Bagnaia funktioniere besser als viele Außenstehende vermuten würden.

"Wenn ich sehe, wie Pecco und Marc in den Debriefs zusammenarbeiten - im Team, außerhalb der Kameras -, dann ist das für mich eine Freude, erklärt der Italiener. Genau dieses Arbeitsklima gebe ihm Zuversicht für die kommenden Monate.

Gleichzeitig nimmt er Bagnaia ausdrücklich in Schutz. Zwar habe dieser zuletzt nicht um Siege gekämpft, dennoch erkenne man klare Fortschritte. "Pecco baut sich gerade die Geschwindigkeit wieder auf, die er vor zwei Jahren hatte." Nach drei Podestplätzen in Folge bewege er sich Schritt für Schritt in die richtige Richtung. "Ich erwarte einen sehr, sehr konkurrenzfähigen Pecco in Brünn."

Motorsport-Total.com

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