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Formel 1: Analyse Jenson Button, David Coulthard, Sepang 2015

Piloten von langsamen Autos enttäuscht

David Coulthard holt zum Rundumschlag gegen die aktuelle Formel 1 aus und fordert stattdessen mehr Risiko sowie eine Reifenrevolution.

Zu leise, zu langsam, zu langweilig – wenn sich die Strategiegruppe der Formel 1 am Donnerstag zusammensetzt, um sich über die Zukunft der "Königsklasse" zu beratschlagen, haben sie eine lange Liste von Beschwerden zu bearbeiten. Laut des ehemaligen Williams-, McLaren- und R·B·R-Piloten David Coulthard sind es aber nicht nur die Fans, die von den Verantwortlichen wieder mehr Show und Unterhaltung fordern.

"Sie würden es vielleicht nicht öffentlich sagen, aber ich weiß, dass die aktuellen Fahrer alle ein wenig enttäuscht von den derzeitigen Autos sind", schreibt er in seiner Kolumne für die BBC, "weil sie im Vergleich zu den vorherigen Jahren so langsam sind, und sie sich während der Rennen damit unterfordert fühlen."

Auch der Schotte selbst hat wenig Verständnis dafür, dass man sich in der vermeintlich höchsten Motorsportklasse zurückentwickelt hat: "Jede Technologie entwickelt sich weiter. Wir sind schon an Handys gewöhnt, die immer leichter werden, immer mehr können, und immer langlebigere Batterien haben. Auch der Weltrekord über 100 Meter wird ständig unterboten. Die Menschheit gelangt immer tiefer ins All. Aber Formel-1-Autos sind mehrere Sekunden langsamer als noch vor zehn Jahren."

"Es gibt natürlich viele Gründe dafür", so Coulthard weiter. "Es gibt keinen Reifenherstellerkrieg mehr, das Nachtanken wurde vor fünf Jahren verbannt, und die Autos wurden auch aus Sicherheitsgründen verlangsamt. Und einige werden argumentieren, man könne die Autos nicht immer schneller machen, weil sie dann irgendwann zu schnell für manche Strecken werden würden."

Für den Vizeweltmeister von 2001, der sein erstes Formel-1-Cockpit nach dem Unfall von Ayrton Senna 1994 erhielt, sollte Sicherheit aber keine größere Rolle als nötig spielen: "Man muss sich nur Monaco anschauen. Dort wird schon seit den 1920er Jaren gefahren, und das wird wohl auch so weiter gehen, bis ein Auto mal in den Tribünen landet. Hoffentlich wird dieser Tag nie kommen, aber jedes Elternteil, dessen Kind schon einmal hingefallen ist, weiß: Man kann die Gefahr nicht völlig eindämmen."

Coulthard behauptet darüber hinaus, dass auch die Einheitsreifen von Pirelli, dem momentan per Reglement einzigen Hersteller in der Formel 1, auf allgemeine Missgunst im Fahrerlager stoßen. Dem ehemaligen Grand-Prix-Piloten ist es unerklärlich, warum die Pneus aus Italien den Takt angeben dürfen und kein Reifenwettbewerb mehr zugelassen wird.

"Die Fahrer, die ich aus der Langstrecken-WM kenne, wo sie mit Michelin-Reifen fahren, erzählen mir, dass sie in einem 24-Stunden-Rennen in jeder Runde Vollgas geben können", so Coulthard. "Dabei benutzen sie nur einen Satz Reifen über zwei, manchmal sogar drei 45-Minuten-Stints. Das ist toll für sie, aber ich kenne das auch noch aus meiner Zeit in der Formel 1. Das einzige Szenario, bei dem du damals bewusst langsamer geworden bist, war, wenn du mit über 20 Sekunden geführt hast."

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