MOTORSPORT

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
Formel 1: Interview

Fittipaldi hat genug von Maulkörben

Ex-Weltmeister Emerson Fittipaldi ist genervt vom immer gleichen PR-Gefasel der Fahrer; er wünscht sich mehr Redefreiheit für die Piloten.

Die Formel 1 werde von Marketing und PR dominiert, in der heutigen Zeit seien die meisten Piloten PR-Marionetten ihrer Teams und dürften nach dem Rennen nur schematisch die ihnen vorgegebenen Sätze herunterbeten – das mahnt zumindest Ex-Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipaldi an. Der Brasilianer war in den verwegeneren 70er Jahren unterwegs, in denen die Piloten noch sagen durften, was ihnen gerade in den Sinn kam.

Dass heutzutage überall pedantisch auf die Wortwahl geachtet wird, missfällt ihm: "Wenn ich beispielsweise für Ferrari fahre, wird mir vor der Pressekonferenz gesagt: 'Das darfst du nicht sagen' und 'das sollst du nicht sagen'. Das ist scheiße!", raunt der 144fache Grand-Prix-Teilnehmer gegenüber motorsport.com. Ihm geht das gewaltig gegen den Strich: "Bin ich ein Roboter oder bin ich eine Persönlichkeit?"

Auch die Fans haben zuletzt bei der Umfrage der Fahrervereinigung GPDA klar gezeigt, welche Typen in der Formel 1 gefragt sind. Der beliebteste Fahrer ist Kimi Räikkönen, der sich wohl am wenigsten äußeren Interessen beugt und in Interviews mehrfach eine falsche Tonart gewählt hat. Auf Platz zwei wurde übrigens Fernando Alonso gewählt, der ebenfalls als komplexerer Charakter gilt.

Fittipaldi meint jedenfalls, dass die Piloten in ihrer Ausdrucksweise viel mehr Freiheiten bekommen sollten. Dass die heutigen Rennfahrer bis auf wenige Ausnahmen als langweilig und uncharismatisch angesehen werden, lastet er übrigens nicht den Piloten an: "Das System ist falsch, es ist nicht ihr Fehler."

"Rosberg sollte es erlaubt sein zu sagen: 'Oh Mann, Mercedes hat mit seinen Entscheidungen heute mein Rennen zerstört. Diese verdammten Kerle!'", fordert Fittipaldi. "Sie sollten alles sagen dürfen." Doch in der Realität loben die Piloten fast immer die Anstrengungen des Teams und sprechen von einem guten Rennen. "Bäh! Sie brauchen eine Persönlichkeit", schüttelt Fittipaldi darüber den Kopf.

Damit sich in dieser Hinsicht Besserung einstellt, nimmt der 68jährige die Teams und Sponsoren in die Pflicht, die den Fahrern mehr Freiheiten einräumen sollten. Zu seiner Zeit hatte er beispielsweise mit Philip Morris eine 20jährige Partnerschaft gehabt. "Ich wusste exakt, was ich sagen durfte, aber ich konnte alles sagen. Ich hatte Redefreiheit, und das bedeutet alles", so Fittipaldi. "Gebt den Fahrern nicht die Schuld, weil sie heute in einem anderen Umfeld sind. Das sollte sich aber ändern!"

News aus anderen Motorline-Channels:

Weitere Artikel:

"Vorfreude umso größer"

Habsburg fährt auch 2026 für Alpine

Während Mick Schumacher die WEC und Alpine in Richtung IndyCar verlassen hat, bleibt Ferdinand Habsburg für drittes Jahr im französischen Werksteam an Bord

Ducati hat die Karten auf den Tisch gelegt: Beim offiziellen Launch präsentierte sich das Werksteam für die MotoGP-Saison 2026 selbstbewusst und ambitioniert

Die Racing Bulls zeigen in Detroit ihr neues Design für 2026: Zu dem bisherigen Weiß kommen blaue Flächen als Anspielung auf Motorenpartner Ford

W17-Premiere im Regen

Mercedes-Shakedown in Silverstone

Der Mercedes W17 hat in Silverstone seine ersten Kilometer abgespult - George Russell durfte als erster Fahrer auf die nasse Strecke in Großbritannien gehen