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Formel 1: Interview

Lauda: „Ihre Ideen machen mir Sorgen“

Die Schonfrist ist vorbei: Warum Niki Lauda mit Formel-1-Eigentümer Liberty Media hart ins Gericht geht und die Identität des Sports durch die Pläne in Gefahr sei.

Nach der anfänglichen Euphorie über die neuen Formel-1-Eigentümer macht sich nun erste Kritik breit: Der Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzende Niki Lauda zeigt sich "besorgt" über die Pläne von Liberty Media. "Es war richtig, dass die amerikanischen Besitzer zunächst Zeit brauchten, um die Formel 1 zu verstehen. Aber das ist jetzt jetzt zu Ende. Und ihre Ideen für die Zukunft machen mir Sorgen."

Liberty hat bereits angekündigt, dass man auch den kleineren Teams die Chance geben möchte, vorne mitzumischen. Doch das widerspricht laut Lauda der Identität des Sports. "Die FIA, Chase Carey und Ross Brawn wiederholen, dass das Performance-Niveau ausgeglichener werden muss, aber die DNS der Formel 1 ist etwas anderes", meint er gegenüber der Gazzetta dello Sport. "Wer glaubt, dass man jedes Wochenende einen anderen Sieger braucht, damit die Grands Prix attraktiver werden, ist ein Dummkopf."

In der Formel 1 gehe es um Wettbewerb. "Und die Entwicklung der Autos und der Mut der Fahrer sind die wichtigsten Eckpfeiler", richtet er Liberty aus. "Jetzt versucht man aber, die besten Teams zu bestrafen und die Fahrer wie Babys zu beschützen, in dem man zum Beispiel Halo einführt."

Ferrari-Drohungen und Verluste: Liberty in der Krise?

Mit seiner Kritik ist Lauda nicht alleine: Der von der FIA durchbeboxte Cockpitschutz gilt in der Formel 1 als umstritten. Und abgesehen von Lauda ist vor allem der Widerstand aus Maranello gegen die Liberty-Pläne, über ein neues Antriebsreglement das Leistungsspektrum anzugleichen und mittels einer Budgetobergrenze auch den kleinen Teams mehr Chancen zu geben, enorm.

Ferrari-Boss Sergio Marchionne drohte in den vergangenen Wochen gleich mehrmals mit Ausstieg, sollten die Formel-1-Macher auf die Wüsche der Scuderia eingehen, die durch die aktuelle Einnahmenverteilung von enormen Bonussummen profitieren und somit den Löwentanteil der TV-Gelder einstreifen.

Die Tatsache, dass Liberty derzeit unterschiedliche Strategien ausprobiert, um die Formel-1-Rennwochenenden für die Zuschauer an der Strecke und vor den TV-Geräten attraktiver zu machen, hat sich negativ auf die Geschäftsbilanzen ausgewirkt. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 hat man ganze 160 Millionen US-Dollar Verlust gemacht, während das Geschäft unter Ex-Boss Bernie Ecclestone noch profitabel war.

Lauda fehlen Visionen und klare Pläne

Das bekommen vor allem die zehn Teams zu spüren, die insgesamt um 41 Millionen Dollar pro Jahr weniger bekommen. "Von einem Jahr auf das andere sind die Einnahmen zurückgegangen", kritisiert auch Lauda. Dabei sollte Liberty laut dem Österreicher doch eher Ideen haben, wie mehr Geld lukriert.

Doch auch die sucht er laut eigenen Angaben vergeblich. Er habe vom für die Vermarktung zuständigen Liberty-Manager Sean Bratches gehört, er wünsche sich "Grid-Kids, die die Fahrer begleiten. Aber sind das wirklich neue Ideen, wenn man den Fußball imitiert?" Eine Anspielung Laudas auf die Kinder, die die Fußballstars vor dem Match auf den Rasen begleiten.

Außerdem kritisiert er, dass Liberty den Teams nicht klar mitteile, wie man die eigenen Pläne in der Zukunft umsetzen wolle. Eine Budgetobergrenze hält Lauda zwar für "logisch und korrekt, aber eine Umsetzung braucht einen Dreijahresplan. Wir haben Angestellte, aber was sollen wir mit ihnen machen? Sollen wir sie einfach rausschmeißen, damit sie auf der Straße stehen?"

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