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Gerhard Berger unzensiert: etwas "nicht im legalen Bereich" Das Herz von DTM-Chef Gerhard Berger schlägt immer noch für Ferrari
Motorsport Images

Gerhard Berger: Binotto ist in seiner Ferrari-Rolle überfordert

Gerhard Berger analysiert, was Ferrari seiner Meinung nach ändern muss, und spricht in Sachen "Ferrarigate" ungewöhnlich offen aus, was viele denken

Gerhard Berger glaubt, dass Ferrari derzeit nicht die richtige Struktur hat, um in der Formel 1 erfolgreich zu sein. "Ich frage mich, ob das Set-up von Ferrari stark genug ist", sagt der ehemalige Ferrari-Pilot (1987 bis 1989 und 1993 bis 1995) in einem aufsehenerregenden Interview mit dem Podcast 'F1 Nation'.

Aufsehenerregend deshalb, weil Berger öffentlich ausspricht, was der halbe Formel-1-Paddock denkt: "Wir alle wissen, dass schon letztes Jahr etwas nicht ganz gestimmt hat, als die FIA einen geheimen Deal gemacht hat. Wir wissen nicht genau, was sie gefunden haben, aber es wurde klargestellt, dass sie etwas gefunden haben, was nicht im legalen Bereich war."

Ferraris schwache Performance beim Saisonauftakt in Spielberg, insbesondere auf den Geraden, sei "ein Ergebnis davon", sagt Berger und argumentiert: "Ferrari war fast eine Sekunde langsamer als letztes Jahr. Aber nicht nur Ferrari, sondern auch die Kundenteams mit Ferrari-Motor waren langsamer - während die anderen Teams mindestens gleich schnell oder schneller waren."

"Wir alle wissen, dass gewisse Dinge korrigiert wurden", unterstellt Berger, betont aber gleichzeitig, dass ein mögliches Downgrade des Antriebsstrangs bei weitem nicht der einzige Grund für die Durststrecke von Ferrari (seit 2007 kein Fahrer-, seit 2008 kein Konstrukteurstitel mehr) ist. "Ferrari", sagt er, "hat einen langen Weg vor sich, um wieder konkurrenzfähig zu werden."

Warum Binotto laut Berger überfordert ist

Und möglicherweise eine Umstrukturierung. Berger zweifelt nicht per se an der Kompetenz von Teamchef Mattia Binotto - zuletzt hatten namhafte Experten schon nach einem "Trainerwechsel" in Maranello gerufen. Er mag Binotto, sagt der Österreicher: "Er hat schon an meinen Autos als Ingenieur gearbeitet. Ein netter Kerl, clever, gut."

Aber: "Bei Ferrari soll eine Führungsperson, Binotto, sowohl die technische als auch die politische und die strategische Seite managen." Damit sei der Italiener womöglich überfordert. Andere Teams machen es besser, findet Berger: "Red Bull hat Christian Horner, sehr ehrgeizig. Adrian Newey, Genie auf seinem Gebiet. Helmut Marko, ein Hai, der mit allen Motorsport-Wassern gewaschen ist."

"Oder Mercedes: Andy Cowell, Niki Lauda, Toto Wolff", zählt der DTM-Chef auf. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Ferrari mit einer solchen Struktur, mit auf mehreren Schultern verteilten Aufgabengebieten, selbst erfolgreich war. "Ferrari muss nur auf die eigene Geschichte schauen", sagt er.

"Sie hatten Jean Todt. Politisch sehr clever, hing die ganze Zeit Max [Mosley] im Ohr, hat alles erledigt, mit Bridgestone und so weiter. Sie hatten Ross Brawn, einen fantastischen, kompetenten Kerl. Und Rory Byrne, einen der besten Ingenieure, die es in der Formel 1 je gegeben hat. Und natürlich Michael Schumacher. Es braucht eine solche Gruppe, damit ein Team ein Weltmeisterteam werden kann", ist Berger überzeugt.

Berger: Sollte Ferrari über ein UK-Designbüro nachdenken?

Die Idee, wieder eine Ferrari-Zweitbasis in Großbritannien zu installieren, wischt Berger zwar nicht vom Tisch; aber er glaubt nicht, dass das mit einem Schlag alle Probleme lösen würde: "Wir wissen, dass Ferrari auch in Italien gute Leute hat. Es ist auch von Italien aus machbar. Aber es braucht ein, zwei, drei starke Leader."

Ein Ferrari-Chassisbüro in Großbritannien gab es schon einmal: In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde das Design der roten Renner nicht in Maranello, sondern unter dem Dach des damaligen Starkonstrukteurs John Barnard erledigt. Der ganz große Erfolg blieb aber aus.

Das mag vor 30 Jahren auch an der mangelhaften Kommunikation zwischen Guildford und Maranello gelegen haben. Heute wäre das mit neuen Meeting-Technologien und blitzschnellen Datentransfers via Internet kaum noch ein Problem. Die Formel-1-Rennen in Spielberg , dem viele Medienvertreter nur über virtuelle Meetings beiwohnen können, sind das beste Beispiel dafür.

Denn ein Punkt sei nicht zu unterschätzen: "Großbritannien hat viele ehrgeizige Leute, die nicht dazu bereit sind, nach Italien zu ziehen, mit der ganzen Familie zu übersiedeln und die Kinder aus der Schule zu reißen. So gesehen ist es im Racing-Business einfacher, die guten Leute in England zu finden", glaubt Berger.

Motorsport-Total.com

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