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Sprint-Qualifying in der Formel 1 Die Sprintrennen in der Formel 1 stellen unbekanntes Terrain dar
Motorsport Images

Herausforderung Sprint-Qualifying: Was die Teams erwartet

Die neuen Sprintrennen in der Formel 1 stellen die Teams vor große Herausforderungen, die Simulationen vor einem Wochenende werden noch wichtiger

Das erste Sprint-Qualifying in der Formel 1 ist noch einige Wochen entfernt, doch in den Überlegungen der Ingenieure in den Teams spielt es bereits eine große Rolle. Es geht darum, die vollständigen Auswirkungen des neuen Formats beurteilen zu können.

Seit vielen Jahren herrscht in den Teams eine klare Routine für die drei Freien Trainings an den Rennwochenenden vor, in denen die Vorbereitungen für Qualifying und Rennen getroffen werden. Dieser eingespielte Rhythmus wurde bislang nur unterbrochen, wenn das Wetter es verlangte.

Eine Ausnahme war das Rennen in Imola im vergangenen Jahr, als es keine Freitagstrainings gab, sondern das gesamte Wochenende nur aus dem Samstag und Sonntag bestand. Dieses Format gab einen Vorgeschmack darauf, wie es bei den Sprintrennen laufen wird.

Imola 2020 als erster Vorgeschmack

Denn auch damals gab es vor dem Qualifying nur ein Training, in dem es darum ging, beim Programm einen Kompromiss zu finden zwischen der Qualifying-Simulation und der Rennabstimmung.

So ähnlich dürfte es auch bei den drei Probeläufen in diesem Jahr aussehen, deren Auftakt beim Großbritannien-GP (16. bis 18. Juli) stattfindet. Dann wird es freitags ebenfalls nur ein Training geben, bevor das Qualifying auf dem Programm steht. Im Gegensatz zum Rennen in Imola im Vorjahr ist das Training sogar noch kürzer, nämlich 60 statt 90 Minuten.

Der andere Unterschied besteht darin, dass die Teams in diesem Jahr wissen, dass es noch ein zweites Freies Training geben wird, nämlich am Samstag vor dem Sprint-Qualifying. Daher wird der Fokus im ersten Training wohl eher darauf liegen, das Qualifying durchzuspielen.

Simulationen vor dem Wochenende werden wichtiger

"Unsere Jungs, die für die Simulationen zuständig sind, haben diese Regeln unterstützt, als sie entwickelt wurden, um zu verstehen, wie sie funktionieren werden", sagt McLarens Technischer Direktor James Key. Bei der Einstellung des Autos verändere sich laut Key gar nicht so viel, es gehe nur darum, sich schnellstmöglich an ein neues Wochenendformat zu gewöhnen.

"Ich denke, das Format und die Zeit, die man hat, sind die größten Unterschiede. Daher müssen wir versuchen, das Wochenende anders anzugehen", meint Key. Dies beinhalte zum Beispiel Updates an den Autos, die ein Team an einem solchen Wochenende allein aus Zeitgründen eher nicht einführen wird, glaubt Key.

Im Gegensatz zu konventionellen Veranstaltungen werde deutlich mehr Arbeit auch in die Vorbereitung gesteckt, meint er. "Es wird mehr Vorbereitungen beim Set-up geben und es wird deutlich mehr Simulationen vor dem Event geben, um herauszufinden, welchen Einfluss das Sprintrennen in verschiedenen Szenarien haben kann", erklärt Key.

Monza wird besonders kompliziert

Das zweite Sprintrennen nach Silverstone wird am 11. September in Monza stattfinden. Dort fahren die Teams ein Aerodynamik-Paket für Hochgeschwindigkeitsstrecken, das so auf kaum einer anderen Strecke zur Anwendung kommt. Die Erfahrungswerte mit den aktuellen Autos sind entsprechend gering, was die wenige Trainingszeit am Freitagvormittag noch einmal wertvoller macht.

Key erwartet daher besonders für den Italien-GP intensive Vorbereitung vor dem Wochenende, zudem komme es darauf an, am Wochenende selbst eine gute Arbeitsteilung zwischen den Fahrern vorzunehmen. "Ein Fahrer könnte mehr an dem Paket arbeiten, der andere macht dafür mehr Longruns", nennt Key ein mögliches Beispiel. Dank ausgereifter Simulationen erwartet er aber keine großen Überraschungen.

Vorbereitung als Schlüssel zum Erfolg an den drei speziellen Wochenenden sieht auch Alfa Romes Chefingenieur Xevi Pujolar. Wer am besten vorbereitet sei, könne überraschen. "Man muss seine Vorbereitung für das Rennwochenende etwas anders angehen, und das eröffnet Chancen, um Punkte zu holen", sagt der Spanier.

Alfa-Ingenieur sieht Chance auf Punkte

Wer sich am besten an die neue Situation anpassen könne, der werde belohnt werden, ist Pujolar überzeugt. "Es ist eine Herausforderung für die Ingenieure, aber ich denke, für uns ist es gut. Als wir im vergangenen Jahr das verkürzte Wochenende in Imola hatten, lief es auch gut für uns", blickt er zurück. Damals waren Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi gemeinsam in die Punkte gefahren.

Eine interessante Herausforderung sieht auch Dave Robson, der bei Williams für die Fahrzeug-Performance zuständig ist. "Es wird auf jeden Fall anders", sagt er: "Ich mag es als Experiment. Ich verstehe den Ansatz, an jedem der drei Tage eine heiße Session zu haben."

Wenngleich noch einige Details gerade bezüglich der Reifen zu klären sind, blickt Robson mit Freude auf das erste Wochenende mit dem neuen Format voraus. Vor allem auf das zweite Freie Training am Samstag vor dem Sprint-Qualifying blickt er mit Spannung.

"Ich bin noch nicht sicher, wie genau FP2 aussehen wird, auf was man sich konzentrieren und welche Reifen man dafür nutzen wird. Das ist noch das größte Rätsel im Moment. Aber das Format am Freitag sieht gut aus", sagt Robson. Das Sprint-Qualifying am Samstag selbst sei ebenfalls sehr spannend, einzig dieses zweite Training sei noch mit ein paar Fragezeichen bestückt.

Fragezeichen Reifen: Hält der Soft 100 Kilometer?

Spannend wird auch zu sehen sein, für welche Reifenwahl sich die Teams in den Sprintrennen entscheiden. Boxenstopps sind für die 100-Kliometer-Rennen nicht vorgesehen, der Reifen sollte also für rund ein Drittel der normalen Renndistanz halten.

Die generelle Annahme ist, dass die Teams die weiche Mischung dafür nutzen, doch Pirelli-Sportchef Mario Isola ist sich da nicht so sicher, zumal gerade Monza und Silverstone in der Streckencharakteristik unterschiedlich seien. "Wir werden Simulationen durchführen, um zu verstehen, welchen Ansatz man wählen kann. Es ist möglich, dass es unterschiedliche Herangehensweisen unter den Fahrern geben wird", glaubt er.

Während Monza die Reifen nicht so stark belastet, ist der Verschleiß in Silverstone etwa deutlich höher. "Daher bin ich mir nicht sicher, dass es einen gemeinsamen Ansatz bei den drei verschiedenen Strecken geben wird", sagt er.

Manche Fahrer könnten vielleicht in Betracht ziehen, auf ein Safety-Car zu spekulieren und deshalb die weiche Mischung zu nutzen. Doch Isola warnt: "Wir reden über 100 Kilometer, ein Drittel eines Grand Prix. Da ist ein Safety-Car möglich, aber wenn es kein Safety-Car gibt und man in der Reifenwahl zu aggressiv war, dann ist das Rennen kaputt."

Motorsport-Total.com

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