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Viermaliger Formel-1-Weltmeister schafft Klarheit Sebastian Vettel will niemandem vorschreiben, wie er sein Leben zu leben hat
Sebastian Vettel

Sebastian Vettel gegen Verzichtsdebatte: "Die sollte man nicht führen"

Sebastian Vettel nach dem kontroversen "Grünen-Interview": Warum ihm klar war, dass der Shitstorm kommt, und er nicht vorhat, in die Politik zu wechseln

Sebastian Vettel ist über die teilweise heftigen Reaktionen nach seinem Interview mit dem Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel', in dem er für mehr Umweltschutz plädiert und sich auch dazu bekannt hat, grün zu wählen, nicht überrascht. Für den viermaligen Formel-1-Weltmeister war der Shitstorm nach dem Interview offenbar einkalkuliert. Das suggeriert zumindest ein Interview, das er dem 'ORF' in Spielberg gegeben hat.

Ihm sei "bewusst" gewesen, "dass es darauf Kritik und Fragen hagelt, wie das mit mir und meinem Sport zusammenpasst", räumt Vettel ein. "Aber ich glaube, das ist eine Frage, der wir uns - nicht nur der Motorsport, sondern auch alle anderen Bereiche - mehr und mehr stellen müssen. Es ist ein Thema, an dem kommen wir nicht vorbei. Es gibt keine Alternative."

"Es ist nicht so, dass wir sagen können: 'Wir kümmern uns erstmal um was anderes.' Sondern es ist ganz wichtig, dass jeder die Dringlichkeit versteht, wie die Welt sich verändert. Um den zukünftigen Generationen, aber auch uns selbst das Leben weiterhin so süß zu gestalten, wie wir es kennen, und so frei zu gestalten, wie wir es kennen."

"Da müssen wir einfach aufeinander schauen und achtgeben. Wenn wir das nicht machen, wird es für uns alle nicht so schön. Dann wird es richtige und ernste Probleme geben", befürchtet der 34-Jährige. "Ich glaube, je früher wir uns ernsthaft drum kümmern, auch um das Machen, desto besser wird unsere Zukunft."

Und beim Machen versucht Vettel, zumindest da einen kleinen Beitrag zu leisten, wo ihm das möglich ist. So hat er etwa in Spielberg dabei mitgeholfen, gemeinsam mit Schulkindern ein Bienenhotel aufzustellen. Schulklassen aus der Region haben ihre Designs für das Bienenhotel eingereicht. Gewonnen hat am Ende, wenig überraschend, eines in Rennwagenform.

Solche Aktionen seien "typisch Sebastian", findet 'ORF'-Experte Alexander Wurz: "Er beschäftigt sich innigst mit diesen Themen und setzt einen Akzent. So auch immer wieder unter den Fahrern. Wir haben schon oft gesagt, da muss man was machen, und er hat gesagt, da muss man sich halt hinsetzen. Und jetzt hat er's gemacht. Find' ich echt super. Eine coole Geschichte."

Dass Vettel von vielen missverstanden wurde, bleibt allerdings unbestritten. Jemand, der seine Million in einem Benzinsport wie der Formel 1 verdient und (überwiegend) im Ausland versteuert, der sei ein Heuchler, wenn er nach Deutschland appelliert, die Grünen zu wählen. Aber das hat Vettel gar nicht gemacht. Er hat nur ganz nüchtern die Frage beantwortet, wen er denn wählt.

"Es geht nicht darum, den Leuten vorzuschreiben, was sie dürfen und was sie nicht dürfen", stellt er klar. "Das ist ja oft so, dass das abrutscht in eine Verzichtsdebatte. Die sollte man nicht führen. Aber wenn sich Leute angesprochen fühlen, aufmerksam werden und Dinge hinterfragen, dann ist glaube ich schon sehr viel passiert."

Dass er nach der Karriere in die Politik gehen könnte, schließt er übrigens aus: "Ich bin kein Politiker. Es ist ja nicht mein Thema, sondern es ist ein Thema, das uns alle angeht. Klar liegt es mir am Herzen, auch mit meiner eigenen Familie. Mit Kindern hat man einen anderen Bezug zur Zukunft und zur Zeit. Deswegen wäre es schön, wenn ich andere Leute inspirieren kann, einfach drüber nachzudenken."

"Das Thema rund um den Wandel, rund um die Klimakrise, geht uns alle an. Natürlich sehe ich das auch so, dass der Motorsport da nicht als Vorzeigemodell vorangeht und nicht dafür bekannt ist, und ich finde das auch gut, wenn die Leute dann sehr kritisch fragen: Passt das überhaupt?"

"Ich glaube, das ist ein Thema, dem wir uns stellen müssen als Sport, vor allem aber auch als Motorsport. Und da wünsche ich mir, dass wir die Zukunft mitgestalten können, dass wir Technologien in unser Reglement einbinden, die wirklich relevant sind und uns allen - und nicht nur uns hier in unserer kleinen Bubble, sondern wirklich uns allen - im Idealfall was Gutes tun."

"So, wie es in der Vergangenheit war, als die Formel 1 dazu beigetragen hat, technischer Vorreiter zu sein, dafür gesorgt hat, dass die Autos sicherer werden. So gibt's glaube ich heute andere Themen, die man in den Fokus stellen müsste und sollte", sagt Vettel und unterstreicht: "Ich habe kein Problem damit, das anzusprechen und dafür einzustehen."

Die Umwelt und den Planeten zu schützen, sagt er, sei keine Frage von Politik oder Geld. Letztendlich gehe es in erster Linie darum, den nächsten Generationen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. "Es sieht doch jeder gern ein Lächeln in den Gesichtern der Kinder und der Enkel. Das muss man nicht erklären", findet Vettel.

Motorsport-Total.com

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