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Fahrermarkt: Durchkreuzt ein Williams-Junior die Alpine-Pläne? Drei gute Fahrer, aber nur zwei Cockpits - Alpine steht vor einer schweren Entscheidung
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Fahrermarkt 2023: Dreht sich der Wind im Piastri-Poker mit Williams?

Die Situation für das Alpine-Team schien klar: Alonso wird verlängern, während Junior Piastri bei Williams unterkommt, doch der Wind scheint sich zu drehen

Alpine-Teamchef Otmar Szafnauer hat während des Formel-1-Wochenendes in Frankreich durchblicken lassen: Die Fahrerentscheidung für die kommende Saison ist nicht mehr allzu weit entfernt. Dass Esteban Ocon mit seinem langfristigen Vertrag bis einschließlich 2024 beim französischen Team fahren wird, ist sicher, doch wer sein Teamkollege sein wird, noch nicht.

Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso würde gerne verlängern, doch ist mit seinen bald 41 Jahren nicht mehr die Zukunft der Formel 1. Seine Leistungen sprechen klar für sich, doch auch Alpine-Junior Oscar Piastri drängt auf einen Aufstieg in die Formel 1.

Der Australier konnte in den vergangenen beiden Jahren die Formel 2 und Formel 3 jeweils in seiner ersten Saison gewinnen. In der jüngeren Vergangenheit schafften dies neben Piastri nur Charles Leclerc und George Russell.

Alpine-CEO Rossi: "Denke schon", dass beide 2023 Formel 1 fahren

Es bestünde jedoch auch die Möglichkeit, den Alpine-Junior vorübergehend an ein anderes Team auszuleihen, um mit Alonso verlängern zu können. Die logische Option wäre Williams, da dort Nicholas Latifi mit seinen bisherigen Leistungen in dieser Saison unter Druck steht, allerdings könnte Williams-Junior Logan Sargeant, der in der Formel 2 aktuell zu Hochform aufläuft, den Alpine-Plänen einen Strich durch die Rechnung machen.

Als Alpine-CEO Laurent Rossi in Frankreich gefragt wurde, ob er glaubt, dass sowohl Piastri als auch Alonso im kommenden Jahr Formel 1 fahren werden, antwortet er: "Ich denke schon." Daraufhin gefragt, ob er mehr Details verraten könne, sagt er allerdings: "Ich denke nicht!"

"Fernandos Vertrag läuft dieses Jahr aus, also diskutieren wir natürlich mit ihm", sagt Rossi. "Wir entwickeln Szenarien für ihn und Oscar. Die Idee ist, dass beide würdige Fahrer sind, und wir sie gerne nächstes Jahr fahren lassen würden."

Rossi schließt kompletten Piastri-Abgang aus: "Will ihn zurückbekommen"

"Ich kann nur sagen, dass wir an Szenarien arbeiten, in denen beide fahren können. Diese Szenarien sind sehr plausibel und sehr vernünftig und wir nehmen an, dass sie beide Fahrer zufriedenstellen würden. Mehr kann ich aber nicht sagen."

Der Alpine-CEO betont jedoch, dass man Piastri nicht komplett aus der Hand geben will, sondern wenn, dann nur per Leihe: "Ich wäre bereit, Oscar an ein Team auszuleihen, solange ich ihn zurückbekomme. Wir haben viel in Oscar investiert, wir glauben an ihn, und deshalb ist er auch unser Reservefahrer."

"Er ist ein sehr vielversprechendes Talent. Wir würden dieses Talent gerne im Team einsetzen. Eine Leihgabe, wie viele andere Fahrer, die in einem anderen Team anfangen, um die Tricks zu lernen und dann zu uns zurückkommen, wäre also ein gutes Szenario."

Williams-Teamchef Capito: "Wir haben verschiedene Optionen"

Williams-Teamchef Jost Capito, der neben Rossi in der Frankreich-Pressekonferenz saß, hält sich hingegen noch bedeckt über eine Leihe von Piastri: "Ich denke, wir haben verschiedene Optionen, die wir in Erwägung ziehen."

"Wir werden uns letztendlich für das entscheiden, was unserer Meinung nach das Beste für die Mannschaft ist. Aber es ist noch zu früh, um in Details zu gehen, weil wir noch nicht so weit sind", so Capito.

Mit Logan Sargeant hätte man auch in den eigenen Reihen einen talentierten Fahrer, mit dem man, anders als mit Piastri, zudem auch langfristig planen könnte. Der 21-jährige Amerikaner liegt aktuell auf dem dritten Rang der Formel-2-Meisterschaft und erlebte in den vergangenen Rennwochenenden einen rasanten Formanstieg mit den Siegen in den Hauptrennen von Silverstone und Österreich sowie einen zweiten Platz in Baku.

Capito über Sargeant: "Er wird mit Sicherheit in Zukunft Formel 1 fahren!"

"Ich denke, wenn [eine Leihe] die beste Lösung für uns wäre, dann würden wir sie in Betracht ziehen. Wenn es nicht die beste ist und wir eine andere, bessere Lösung haben, werden wir uns für die bessere Lösung entscheiden", sagt der Williams-Teamchef über eine mögliche Piastri-Leihe, womit er damit aber auch andeutet, dass die Option Logan Sargeant noch nicht vom Tisch ist.

Aktuell liegt der Amerikaner 55 Punkte hinter Felipe Drugovich, dem Führenden in der Formel 2. Sollte Sargeant ein Saisonendspurt und damit ein Überraschungstitel gelingen, dürfte er im kommenden Jahr nicht mehr im Unterbau der Formel 1 fahren, womit Williams eine andere Rolle für ihn finden müsste, ähnlich wie Alpine aktuell mit Piastri.

"Das würde mir große Kopfschmerzen bereiten", sagt Williams-Teamchef Capito angesprochen auf Sargeants Titelaussichten. "Ich hatte aber schon schlimmere und natürlich sind wir beeindruckt, denn es ist seine erste Saison in der Formel 2."

"Wir haben keinen Druck auf ihn ausgeübt. So hat er Zeit, sich zu entwickeln, und er hat uns wirklich beeindruckt, wie schnell er mit dem Auto, dem Reifenmanagement und den Ergebnissen zurechtgekommen ist. Er wird in Zukunft Formel 1 fahren, da bin ich mir absolut sicher!"

Sargeants fehlende Superlizenz Grund für die Verzögerung?

Da Sargeant die nötigen Superlizenzpunkte für eine Formel-1-Saison noch nicht hat, will sich Capito mit der Fahrerentscheidung bei Williams nicht drängeln lassen: "Er muss unter die ersten fünf in der Meisterschaft kommen, was im Moment gut aussieht."

"Es kann aber auch schnell in die andere Richtung gehen, weshalb es knifflig ist, Entscheidungen für einen Formel-2-Fahrer zu treffen, wenn die Saison noch nicht vorbei ist. Das hat also Einfluss auf den Entscheidungsprozess, das ist sicher."

Zudem ist sicher, dass Sargeant im weiteren Saisonverlauf für Williams in einem ersten Training fahren wird, nachdem bereits Nyck de Vries in Spanien für Alexander Albon fahren durfte. "Wir haben es noch nicht bekannt gegeben, aber unsere Akademie für junge Fahrer läuft sehr gut", sagt Capito.

Piastri also doch zu McLaren statt Ricciardo?

Die auf einmal aufstrebende Konkurrenz mit Sargeant für Alpine-Junior Oscar Piastri könnte Alpines Pläne durchkreuzen, sodass man eine andere Lösung finden müsste, wenn es nicht das Williams-Cockpit für Piastri sein sollte. Es gilt nämlich als wahrscheinlich, dass Fernando Alonso um zwei Jahre bei Alpine verlängern wird.

Eine Option für den Alpine-Junior wäre der Platz des formschwachen Daniel Ricciardo bei McLaren, doch dieser hat noch bis einschließlich 2023 Vertrag. Wie vermutet wird, ist der Vertrag auch wasserdicht und beinhaltet keine Ausstiegsklauseln für McLaren für schwache Leistungen.

Zudem stellt sich die Frage, ob McLaren unter diesen rechtlichen Voraussetzungen Piastri überhaupt holen würde, um ihn möglicherweise zwei Jahre später an den aktuellen Hauptrivalen Alpine zu verlieren, die ja nur für eine Leihe gesprächsbereit sind. Warum sollte also McLaren die Fahrer für die Konkurrenz ausbilden?

Piastri plus Renault-Motoren für Williams?

Die knifflige Situation könnte Alpine somit dazu verleiten, einen vorteilhaften Motorendeal für Williams zu schnüren, damit man den Australier in der Formel 1 unterbringen und gleichzeitig mit Alonso verlängern kann.

Aktuell wird das britische Team von Mercedes beliefert, doch Alpine könnte auch Interesse daran haben, den Renault-Motor bei Williams einzusetzen, um auch nicht mehr das einzige Team mit diesem Antrieb zu sein und mehr Daten sammeln zu können.

Im Gegenzug würde Williams mit Piastri einen vielversprechenden Fahrer und die Renault-Aggregate möglicherweise zu günstigeren Konditionen als aktuell von Mercedes bekommen. Fernando Alonso würde es auf jeden Fall begrüßen, falls Renault wieder ein Kundenteam bekommen sollte, nachdem Toro Rosso [jetzt AlphaTauri] 2018 und Red Bull 2019 zu Honda sowie McLaren 2021 zu Mercedes gewechselt sind.

Alonso würde Renault-Kundenteam begrüßen

"Es wäre gut, ein anderes Team mit demselben Motor zu haben, um einen Vergleich anstellen zu können", so Alonso. "Aber wir arbeiten schon in beiden Werken gleichzeitig mit Hochdruck und ich denke, der Motor hat in diesem Jahr einen großen Schritt nach vorne gemacht, was die Leistung und auch die Energie angeht, die man auf den Geraden einsetzen kann, also sind wir damit zufrieden."

"Wir haben zwar noch ein paar Probleme mit der Zuverlässigkeit, aber ich tausche lieber zwei Motoren mehr und bin dafür dann schneller, um ehrlich zu sein. Auch am Auto haben wir in den letzten sechs Rennen Updates vorgenommen, und ich denke, die Arbeit, die das Werk geleistet hat, ist hervorragend."

"Ich denke, es wird eine lange Saison im Kampf um die Konstrukteurswertung werden. McLaren scheint die Philosophie zu haben, große Updates für ein Rennen zu bringen und dann drei oder vier Rennen ohne auszukommen. Wir haben eine andere Philosophie, bei der wir zu jedem Rennen ein bisschen was mitbringen", erklärt Alonso.

Motorsport-Total.com

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