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"Der Sitz brennt" Nach Fernando Alonsos Ausritt in Kurve 2 wurde es ganz schön brenzlig ...
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"Halb verbrannt": Was steckt hinter Fernando Alonsos Sitzproblem?

Ein "brennender" Sitz und eine gefährliche Situation mit Charles Leclerc: Fernando Alonso fliegt aus Katar mit neun Punkten in der Tasche nach Hause

Der Grand Prix von Katar war gerade in der 25. Runde, als Fernando Alonso mit einem ungewöhnlichen Boxenfunk aufhorchen ließ: "Der Sitz brennt, Kumpel. Können wir beim Boxenstopp irgendwas tun? Vielleicht Wasser reinkippen oder so?" Doch sein Renningenieur Chris Cronin ahnte da schon: "Wir denken nach, ob's was gibt. Wird aber schwierig."

Es wäre keine gute Idee gewesen, hätte ein Mechaniker beim Boxenstopp wirklich eine Flasche Wasser über Alonsos Rücken laufen lassen. Erstens, weil das per FIA-Reglement verboten ist. Man könnte das als Versuch interpretieren, Gewicht ins Auto zu laden, um etwaiges Untergewicht am Start rechtzeitig vor der Waage am Rennende zu vertuschen. Und zweitens, weil die Bordelektronik darauf vielleicht sensibel reagieren würde.

Zu dem Zeitpunkt war den TV-Zuschauern noch nicht klar, was die Fahrer in den Cockpits durchmachten. Dass Aston Martins Sitz manchmal etwas wärmer wird, als sich die Fahrer das wünschen, ist nicht neu. "Aber heute war extrem", sagt Alonso in der Nachbetrachtung.

Teamchef Mike Krack bestätigt: "Es stimmt, Fernando hat uns das schon ein paar Mal berichtet. Und es ist nicht so, dass wir nichts unternommen hätten. Wir hatten das Problem auch in Singapur, aber seither dachten wir, es sei viel, viel besser geworden. Heute kamen extreme Bedingungen dazu."

Alonso berichtet, er sei auf der rechten Seite seines Körpers "halb verbrannt" gewesen: "Die Bedingungen waren heute ziemlich extrem, und der Sitz hat da nicht geholfen." Krack witzelt: "Wenn wir sowas öfter haben, brauchen wir wohl bald eine Klimaanlage!"

Warum die Sitze in der Formel 1 so heiß werden

Erstmal würde es wahrscheinlich schon helfen, die Hitze besser von der Sitzschale abzuleiten. Ein komplexes Unterfangen: "Da sind Hydraulikleitungen und die ganze Elektronik drumherum", erklärt Krack. "Die produzieren natürlich alle Hitze, und man versucht, den Sitz so gut es geht zu isolieren."

Rein theoretisch könnten die Teams auch eine aktive Kühlung in die Sitze einbauen, um den Komfort der Fahrer zu erhöhen. "Das willst du aber nicht, weil das bedeutet zusätzliches Gewicht", stellt Krack klar. Und zusätzliches Gewicht bedeutet schlechtere Performance. Ein Luxus, den man sich in der Formel 1 nicht leisten kann.

Es war nicht Alonsos einzige heikle Situation, die vom TV eingefangen wurde. In Runde 7 rutschte er in einer schnellen Rechtskurve von der Strecke, kurz nachdem er am Lenkrad etwas umgestellt hatte. Seinen siebten Platz konnte er bei dem kleinen Malheur, das laut Rundentabelle etwa eine Sekunde kostete, aber halten.

Brenzlige Situation mit Leclerc in Runde 33

Der Fehler in Runde 33 war dann schon dramatischer. Alonso rutschte in Kurve 2 ganz ähnlich weg wie Liam Lawson im F1-Sprint am Samstag, suchte sich eine Straße neben der Strecke und fuhr mit vollem Karacho auf die Strecke zurück, wo es für Charles Leclerc kurzzeitig knapper wurde, als dem Ferrari-Piloten lieb war.

"Das war am Limit", sagt Leclerc. "Andererseits war er so weit weg, dass ich nicht glaube, dass er mich an irgendeinem Punkt gesehen haben kann. Dann so zurückzufahren, ist wahrscheinlich nicht die beste Weise, wieder auf die Strecke zu kommen. Aber ich glaube, dass ihm einfach nicht klar war, dass ich da war."

Die Rennkommissare sprachen für die Aktion eine Verwarnung gegen Alonso aus, seine erste der Saison 2023. Leclerc habe zwar keine Ausweichmaßnahmen ergreifen müssen, heißt es in der Urteilsbegründung, Alonso sei aber auf eine Weise auf die Strecke zurückgefahren, die nicht sicher war.

Ferrari: Alonso hätte bestraft werden sollen

"Ich weiß nicht", winkt Alonso selbst ab - und das gründlichere Studium der TV-Wiederholung zeigt: Leclerc, irritiert vom Aston Martin, der mit hoher Geschwindigkeit auf die Strecke zurückkam, zog zunächst instinktiv von der Ideallinie weg nach rechts. Wäre er einfach auf seiner Ideallinie geblieben, wäre dort ausreichend Platz gewesen.

Dass Alonso letztendlich ohne Zeitstrafe davonkam, ist eine Entscheidung, mit der nicht alle einverstanden sind. "Ich finde, das war drüber", kritisiert Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur. "Er kam aus dem Nichts und querte die Strecke mit fast 90 Grad. Ist aber nicht meine Entscheidung."

Alonso selbst sucht gar nicht erst nach Ausreden für seinen Ausritt: "Ich habe das Auto in Kurve 2 verloren und kam in den Kies. War mein Fehler. Ich hatte in der Phase immer wieder mal wechselnden Grip - mal mehr, mal weniger. Aber trotzdem: mein Fehler. Einer, der leider ein, zwei Plätze gegen George und Charles gekostet hat."

Seitens des Teams gibt's allerdings keinen Vorwurf in Alonsos Richtung: "Er hat halt ziemlich gepusht. An der Stelle waren viele Fahrer mal neben der Linie. Er rutschte dabei halt ins Kiesbett raus", sagt Krack. Möglich, dass dabei auch der Wind eine Rolle gespielt hat. "Da müssen wir uns aber die Daten noch genauer anschauen."

Das Zurückfahren auf die Strecke sei "spektakulär" gewesen, meint Krack mit einem Augenzwinkern: "Hat mich ein bisschen an Sebastian vor ein paar Jahren in Montreal erinnert. Wir haben dann versucht, ausreichend Vorsprung nach hinten rauszufahren, sollte eine Strafe kommen. Aber es hat dann ja nur eine Verwarnung gegeben."

Alonsos Fazit: Die Richtung stimmt

"Hätte, was die Endposition betrifft, ein bisschen besser sein können. Aber okay", sagt Alonso. "Positiv ist: Ich hatte dieses Wochenende das Gefühl, konkurrenzfähiger zu sein als bei den letzten Events. Wir waren Neunter in Monza, keine Punkte in Singapur, Neunter in Japan. Hier waren wir vorn dabei. Hoffentlich können wir in den nächsten Rennen auch konkurrenzfähiger sein."

Achter im F1-Sprint, Vierter in der Startaufstellung am Sonntag, Sechster im Grand Prix: Rein den WM-Punkten nach war Katar Alonsos bestes Rennwochenende seit Zandvoort im August. "Sind immerhin ein paar Punkte. Das ist gut für das Team", sagt er. Denn in der Konstrukteurs-WM schmilzt der Vorsprung auf McLaren immer weiter. Nach Katar steht's nur noch 230:219.

Was Alonso nicht erzählt, ist, dass er während des Rennens am Boxenfunk nicht immer happy mit dem Handling des Autos war. Das Rennen war noch keine 20 Minuten alt, da funkte er: "Das Auto hat zuerst stark übersteuert, aber jetzt, mit dem Graining, untersteuert es." Dafür war der sechste Platz dann ein recht ordentliches Endergebnis.

Motorsport-Total.com

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