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GP Barcelona: Rennen Am Start kam Russell am besten weg, doch Verstappen ging schon bald in Führung
Motorsport Images

Trotz Druck von Norris: Max Verstappen gewinnt in Barcelona!

Eine Offset-Strategie ist nicht genug: Lando Norris liefert Max Verstappen beim Grand Prix von Spanien einen harten Kampf, für den Sieg reicht es aber nicht

Lando Norris (McLaren) hat zwar mächtig Druck gemacht, aber letztendlich gewann wieder Topfavorit Max Verstappen (Red Bull) den Grand Prix von Spanien in Barcelona. Der WM-Leader übernahm bereits in der dritten Runde die Führung im Rennen und lieferte danach eine starke Leistung ab, sodass er für einen strategisch mutigen Norris nicht zu schlagen war.

"Max Verstappen hat hier heute nicht im schnellsten Auto gesessen", analysiert Sky-Experte Ralf Schumacher. Das sei "eindeutig" gewesen. Aber: "Er hat bewiesen, dass er der beste Fahrer ist. Trotz des kleinen Patzers da direkt an Russell vorbeizukommen, das Rennen so zu kontrollieren. Sein Marktwert ist definitiv gestiegen heute, und Hut ab vor dem, was er geleistet hat."

Norris sicherte sich immerhin den Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde, in 1:17.115 Minuten. In der Weltmeisterschaft baut Verstappen mit diesem Ergebnis seinen Vorsprung auf 69 Punkte aus. WM-Zweiter ist jetzt Norris, der damit eine Position aufgeholt hat.

Dritter im Rennen wurde Lewis Hamilton (Mercedes), der im letzten Stint im direkten Rad-an-Rad-Duell an seinem Teamkollegen George Russell vorbeiging. Dahinter landeten die Ferrari-Fahrer Charles Leclerc und Carlos Sainz, nach einer leichten Berührung in der zweiten Runde, auf den Positionen 5 und 6.

Oscar Piastri (McLaren), Pierre Gasly (Alpine), Sergio Perez (Red Bull) und Esteban Ocon (Alpine) rundeten die Punkteränge ab.

Nico Hülkenberg fuhr phasenweise ein starkes Rennen, handelte sich jedoch eine Fünfsekundenstrafe ein und ging letztendlich leer aus. Wahrscheinlich hätte es auch ohne Strafe nicht für die Top 10 gereicht. Der einzige Deutsche im Feld wurde Elfter - immerhin 11,4 Sekunden vor Lokalmatador Fernando Alonso (Aston Martin).

Alle 20 gestarteten Fahrzeuge sahen in einem Rennen ohne gelbe Flaggen oder Safety-Car-Phasen, und ohne den prognostizierten Regen, die Zielflagge. Logan Sargeant (Williams) auf Platz 20 wurde zweimal überrundet.

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Wie gelang Russell der Start von P4 auf P1?

Zunächst sah es ganz danach aus, als könne Verstappen am Start die Führung übernehmen. Polesetter Norris machte zwar zu und drängte den Red Bull in Richtung Boxenmauer, der hatte aber seine Nase schon drin, sodass es zum Beschleunigungsduell hin zur ersten Kurve kam. Mit dem besseren Ende für Verstappen.

Doch in der ersten Kurve kam von außen plötzlich Russell daher, der an beiden vorbei in Führung ging. Russell suchte erst Verstappens Windschatten, dann den von Norris - und hatte so den entscheidenden Geschwindigkeitsüberschuss.

Norris verlor das Duell gegen Verstappen und rutschte somit vom ersten auf den dritten Platz ab. Dahinter war Hamilton nach einem schlechten Start Vierter, Sainz Fünfter und Leclerc Sechster.

Die beiden Ferraris hatten, mit Berührung, zu Beginn der zweiten Runde Positionen getauscht. "Da hätte Charles mehr Platz lassen müssen", findet ORF-Experte Alexander Wurz.

In Runde 3 wurde DRS freigegeben. Verstappen wurde am Funk durchgegeben: "Könnte unsere beste Chance sein, Max. Mach das jetzt schlau!" Und prompt klappte der WM-Leader den Flügel um, täuschte innen neben Russell an, zog dann nach außen und ging am Mercedes vorbei.

"Das Überholmanöver gegen Russell war entscheidend", analysiert Helmut Marko nach dem Rennen im ORF-Interview. Verstappen habe danach eine "souveräne" Leistung abgeliefert: "Unglaublich. 66 Runden am absoluten Limit!"

Eine Runde später hatte Verstappen Russell schon aus der DRS-Sekunde abgeschüttelt. Bis auf Alexander Albon (Williams), der aus der Boxengasse kam, waren alle auf Soft gestartet. Und damit hatte Verstappen in der ersten Phase des Rennens, die geprägt davon war, die weichen Reifen zu schonen, den besten Speed.

Russell wurde in Runde 7 gefragt: "Sag mal, wie sehr pushst du eigentlich?" Worauf der Mercedes-Fahrer antwortete: "Mehr als die anderen." Kein gutes Zeichen im Hinblick auf den Reifenverschleiß, der in Barcelona fast immer die entscheidende Rolle spielt.

Wie lief die Phase der ersten Boxenstopps?

Ab Runde 10 gerieten beide Mercedes-Fahrer zunehmend unter Druck. Russell, an zweiter Stelle liegend, durch Norris, und Hamilton, an vierter Stelle liegend, durch Sainz. "Lewis, denk drüber nach, Kurve 12 langsamer anzufahren, um am Ausgang schneller zu sein", instruierte Renningenieur Peter Bonnington. Beide hatten zudem das Problem, aus dem DRS des Vordermannes rausgefallen zu sein.

In Runde 15 kam Russell als erster aus den Top 6 zum Boxenstopp und wechselte von Soft auf Medium. Ebenso wie Sainz. Die Mercedes-Crew patzte dabei hinten rechts, die Standzeit dauerte 5,3 Sekunden. Sainz stand nur 2,2 Sekunden, sodass sich die beiden in der Boxenstraße ein Beschleunigungsduell lieferten - in dem sich Russell knapp behaupten konnte.

Eine Runde später wechselte Hamilton in 2,3 Sekunden von Soft auf Medium. Er kam trotzdem hinter Russell und Sainz auf die Strecke zurück und hatte somit durch den längeren Stint eine Position verloren. Die er sich aber in Runde 19 zurückholte, als er Sainz mit einem sehenswerten Manöver in Kurve 1 überholte.

Sainz war "not amused" und funkte: "Er hat mich berührt und abgedrängt. Er muss die Position zurückgeben." Doch Wurz widerspricht: "Lewis hat genug Platz gelassen." Die Rennkommissare sahen das genauso: "No further investigation." Sehr zu Sainz' Missfallen: "Ich verstehe nicht, warum es ein Regelbuch gibt, wenn die Regeln dann nicht eingehalten werden."

Irgendwann wurde Norris gefragt, ob er an die Box geholt werden soll, um Russell zu covern. Seine kühne Antwort: "Nein. Ich denke, wir sollten versuchen, Max zu kriegen."

Verstappen wiederum absolvierte den Wechsel von Soft auf Medium in Runde 17. Er hatte jetzt 4,2 Sekunden Vorsprung auf Russell. In Führung lag Norris mit Overcut-Strategie vor Leclerc und Piastri, die ebenfalls noch nicht gewechselt hatten.

Norris' Rundenzeiten waren in jener Phase um ungefähr eine Sekunde langsamer als die von Verstappen. Verstappen lief aber auf Piastri auf, der jetzt die Möglichkeit hatte, für Norris zu spielen und den Red Bull aufzuhalten.

Was ihm jedoch nicht gelang. In Runde 21 war Verstappen durch, und gleich danach wechselte Piastri die Reifen.

Hat sich Norris langer erster Stint gelohnt?

In Runde 23 war Norris' Overcut vorbei. Er stand 2,4 Sekunden, wechselte von Soft auf Medium - und fiel auf Platz 5 zurück. Sein Rückstand auf Verstappen betrug jetzt 10,7 Sekunden, und nach vorn fehlten 2,0 Sekunden auf Sainz.

In Runde 25 fuhr Norris in 1:18.503 Minuten die bis dahin schnellste Runde im Rennen und nahm Verstappen damit 0,9 Sekunden ab. Der McLaren hatte die um sechs Runden frischeren Reifen drauf und war das schnellste Auto im Feld. Die Strategie, möglicherweise sogar mit einem Stopp durchzufahren, erschien aber aufgrund der vorhandenen Pirelli-Daten als unmöglich.

Norris hatte Sainz rasch geschnupft, war in Runde 31 erstmals mit DRS-Überschuss an Hamilton dran, ging aber erst in Runde 32 bei Start und Ziel vorbei. Den Abstand zu Verstappen hatte er mittlerweile auf 8,9 Sekunden reduziert.

In Runde 35 dann ein fantastisches Duell: Zuerst ging Norris in der dritten Kurve an Russell vorbei, dann konterte der Mercedes-Fahrer bei Kurve 4/5, doch bei Kurve 7 war Norris endgültig durch. Er war jetzt wieder Zweiter, allerdings hatten seine Reifen gelitten, und der Rückstand auf Verstappen war auf 9,4 Sekunden angewachsen.

Jetzt hatte Norris endlich freie Fahrt, um seinen Reifenvorteil voll zu nutzen, und prompt fuhr er schnellere Sektorenzeiten als Verstappen. Allein in Runde 37 holte er 0,6 Sekunden von seinem Rückstand auf, in Runde 38 und Runde 39 jeweils weitere 0,5 Sekunden.

Wie fiel die Entscheidung um den Sieg?

Als Verstappen in Runde 44 an die Box kam, hatte er nur noch 4,4 Sekunden Vorsprung. "Verstappen war an der Box. Das ist jetzt unsere Chance", funkte das McLaren-Team an Norris. Und wenig später: "Lando, wenn wir Hamilton covern wollen, müssen wir es bald tun. Glaubst du, wir können ihn mit Delta wieder überholen?"

Worauf Norris antwortete: "Ja, den überhole ich!" Denn er dachte nicht an Hamilton, sondern an Verstappen - und wollte den Stint möglichst lang ausdehnen, um sich für das Finish einen Reifenvorteil zu verschaffen: "Kommt drauf an, ob wir Erster oder Dritter werden wollen!"

In Runde 47, drei Runden nach Verstappen, kam dann auch Norris zum letzten Boxenstopp. Standzeit: 3,6 Sekunden - sodass Norris nur hauchdünn vor Russell auf die Strecke zurückkam. Sein Rückstand auf Verstappen war allerdings durch den Overcut auf 8,0 Sekunden angewachsen.

Norris machte jetzt Tempo. "Lando pusht und schont die Reifen nicht", funkte Red Bull an Verstappen. In Runde 50 holte Norris allerdings nur 0,1 Sekunden auf. Sein Rückstand betrug 6,1 Sekunden. Verstappen hatte inzwischen ebenfalls mehr Speed aufgenommen. "Was soll ich tun?", wollte er wissen. Antwort von der Box: "Bis zum Ende attackieren. Wie gesagt, Lando schont auch nicht."

Drei Runden vor Schluss drehte Norris nochmal auf und verkürzte den Abstand erstmals auf unter 4,0 Sekunden. Doch die Offensive kam zu spät. Verstappen konnte das Tempo an der Spitze managen und fuhr den Sieg letztendlich sicher nach Hause. Mit 2,2 Sekunden Vorsprung.

"Ich hätte gewinnen müssen. Ich habe den Start vermasselt", ärgerte sich Norris nach der Zieldurchfahrt am Boxenfunk. Verstappen nickt: "Der Anfang war entscheidend. Am Ende musste ich ein defensives Rennen fahren. Lando und der McLaren waren sehr schnell. Aber wir haben alles richtig gemacht."

Was passierte im Verfolgerfeld?

Sainz absolvierte seinen zweiten Boxenstopp sieben Runden vor Hamilton. Der Undercut brachte ihn am Mercedes vorbei, allerdings hatte Hamilton jetzt erstens die frischeren und zweitens die weicheren Reifen für den letzten Rennabschnitt.

Hamilton drehte eine Reihe schnellster Runden und lag gut 15 Runden vor Schluss im Windschatten von Russell. Russell war auf harten Reifen, Hamilton auf weichen, und Hamiltons Reifen waren auch noch um sieben Runden frischer. Beziehungsweise eigentlich um vier, weil er einen gebrauchten Satz aufziehen hatte lassen. Genug Delta, um Russell zu überholen und aufs Podium zu fahren.

Letztendlich passierte im Kampf um die Verfolgerpositionen sonst nicht mehr viel. Russell geriet in der Schlussphase nochmal unter Druck von Leclerc, der, mit Reifenvorteil dank des langen ersten Stints, Sainz teamintern zurücküberholt hatte.

In der letzten Runde konnte Leclerc sogar nochmal DRS aufklappen. Für ein Überholmanöver gegen Russell reichte es aber nicht mehr.

Warum ging Hülkenberg leer aus?

Hülkenberg erwischte einen guten Start und verbesserte sich um drei Positionen auf Platz 10. Er hatte in der Anfangsphase Perez hinter sich, konnte das Tempo des vor ihm platzierten Ocon-Alpine aber nicht ganz mitgehen. Nach acht Runden hatte er 2,3 Sekunden Rückstand.

Hülkenberg kam in Runde 12 erstmals an die Box und wechselte von Soft auf Medium. Damit hatte Perez eine Runde lang freie Fahrt, ehe der Mexikaner von Soft auf Soft umsteckte. Der Overcut reichte aus, um Hülkenberg zu überholen. Die beiden lagen jetzt auf P15/16.

Zwischendurch kassierte Hülkenbergs Teamkollege Kevin Magnussen eine Fünfsekundenstrafe für einen Fehlstart. Magnussen wurde am Ende 17.

Hülkenberg fuhr dann auf dem Medium einen ordentlichen zweiten Stint. Zu Rennhalbzeit hatte er den Rückstand auf Ocon, der schon auf fast sieben Sekunden angewachsen war, wieder auf 4,4 Sekunden reduziert. Und er lag (vorübergehend) an zehnter Position, weil Perez bereits ein zweites Mal gestoppt hatte.

Die (kleine) Chance auf Punkte verflüchtigte sich für Hülkenberg, weil er sich beim zweiten Boxenstopp ebenfalls eine Fünfsekundenstrafe einhandelte: "Speeding in the Pitlane", um 1,1 km/h zu schnell. Auf der Strecke lag er jetzt 4,0 Sekunden hinter Ocon und 14,6 Sekunden vor Guanyu Zhou (Sauber).

Und dort blieb er auch bis zum Ende. Nur hinter Hülkenberg ging Alonso noch an Zhou vorbei und belegte P12.

Wie geht die Formel-1-Saison 2024 jetzt weiter?

Barcelona war die erste Station des "Europa-Tripleheaders" Barcelona-Spielberg-Silverstone. Der Formel-1-Tross reist also direkt weiter nach Österreich, wo am kommenden Wochenende wieder ein Grand Prix im Sprintformat, mit einem zusätzlichen Rennen am Samstag, auf dem Programm steht.

Doch davor steigt auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de noch die große Rennanalyse. Kevin Scheuren und Frederik Hackbarth sind vor Ort in Barcelona und sprechen insbesondere auch über die Aspekte des Rennsonntags, für die die Sendezeit der TV-Stationen nicht mehr ausgereicht hat.

Die F1-Show ist für Sonntagabend um 23:00 Uhr angesetzt. Natürlich steht das Video auch am Montagmorgen, zum Beispiel für den Frühstückstisch, on demand als Re-Live zur Verfügung. Wer live dabei ist, und gleichzeitig Kanalmitglied, hat jedoch den Vorteil, im Livechat Fragen stellen zu können.

Der Grand Prix von Spanien war die zehnte von insgesamt 24 Stationen des Formel-1-Kalenders 2024. Das Saisonfinale findet am 8. Dezember in Abu Dhabi statt.

Motorsport-Total.com

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