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GP von Japan: Rennen Max Verstappen und Sergio Perez feiern in Suzuka einen Doppelsieg für Red Bull
Motorsport Images

Red-Bull-Doppelsieg Suzuka: Verstappen & Perez deklassieren die Konkurrenz

Jetzt ist der Ausfall in Melbourne vergessen: Max Verstappen gewinnt das Rennen in Suzuka vor Sergio Perez, Carlos Sainz gewinnt Dreikampf um Platz 3

Zwei Wochen nach seinem Bremsdefekt beim Grand Prix von Australien hat Max Verstappen beim Grand Prix von Japan wieder für klare Verhältnisse gesorgt und das Rennen in Suzuka auf dominante Art und Weise gewonnen. Eine Machtdemonstration von Red Bull, denn Zweiter wurde Sergio Perez - und Carlos Sainz (Ferrari) auf Platz 3 hatte bereits 20,9 Sekunden Rückstand.

Charles Leclerc (Ferrari) fuhr mit einer Einstoppstrategie zu Platz 4, vor Lando Norris (McLaren), Fernando Alonso (Aston Martin), George Russell (Mercedes), Oscar Piastri (McLaren), Lewis Hamilton (Mercedes) und Lokalmatador Yuki Tsunoda (Racing Bulls), dessen Punkt vom japanischen Publikum frenetisch gefeiert wurde.

Nico Hülkenberg (11./Haas) schrammte diesmal knapp an Platz 10 vorbei. Auch wegen eines verpatzten zweiten Starts. Immerhin machte er aber bessere Figur als die Alpines, die am laufenden Band überholt wurden. ORF-Kommentator Ernst Hausleitner meinte einmal: "Der Alpine ist, verzeihen Sie, eine Krücke. Die werden durchgereicht wie ein Staffelholz."

Das führte zu einem bezeichnenden Funkspruch, als Esteban Ocon (15.) einmal aufgefordert wurde, er möge bitte "jetzt pushen". Der Franzose grummelte verschnupft zurück: "Ich pushe ja. Wovon redet ihr?" Vielleicht war er da schon genervt von der Berührung in der ersten Runde, ausgerechnet mit seinem Teamkollegen Pierre Gasly (16.).

Genervt war auch Lance Stroll (12.), der im Finish eigentlich vorhatte, Jagd auf Tsunoda und Platz 10 zu machen. Daraus wurde auch deshalb nichts, weil er zu wenig Topspeed hatte. Am Funk meckerte er: "Es ist unglaublich, wie schlecht unser Speed auf den Geraden ist. Das ist ja fast so, als würden wir in einer anderen Kategorie fahren!"

Insgesamt sahen 17 von 20 gestarteten Autos die Zielflagge. Daniel Ricciardo (Racing Bulls) und Alexander Albon (Williams) schieden bei einer Startkarambolage aus. Guanyu Zhou (Sauber) musste wegen eines Getriebedefekts aufgeben.

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Wer war schuld am Startcrash?

Verstappen kam am besten weg und behauptete seine Führung in die erste Kurve rein. Auf den ersten neun Positionen gab es keine Verschiebungen. Nur die beiden Racing Bulls erwischten einen relativ schlechten Start und fielen etwas zurück.

Ausgangs der ersten Kurve setzte sich dann Albon rechts neben Ricciardo, und die nächste Kurve war eine Linkskurve. Ricciardo zog aber überraschend nach rechts, und so kam es zu einer Berührung. Ohne Not, denn links war zwar Lance Strolls Aston Martin, doch Ricciardo hatte genug Platz.

Beide Autos drehten sich, flogen ab und krachten in die Barrieren. "Er hat mich abgedrängt. Ich hatte keinen Platz mehr", funkte Albon. Nach dem Rennen ergänzt der Williams-Fahrer: "Er hat mich eindeutig nicht gesehen. Ich habe in letzter Minute noch versucht, es zu retten. Da war ein Moment, da realisierte ich, dass er mich nicht gesehen hatte, weil er rüberzog. Ich trat auf die Bremse, aber ich war schon zu weit neben ihm und konnte es nicht mehr verhindern."

Für ORF-Experte Alexander Wurz ist der Fall klar: "Ricciardo hat Albon nicht gesehen, hat sich nur auf sich selbst fokussiert." Die Rennkommissare kündigten zunächst an, die Schuldfrage nach Rennende zu klären. Ergebnis: "No further Action." Mit dem Hinweis, dass die Entscheidung anders ausgefallen wäre, wäre der Zwischenfall nicht in der ersten Runde passiert.

Weil sich die beiden Autos tief in die Reifenstapel eingruben und die Sicherheitsbarrieren erstmal repariert werden mussten, entschied die Rennleitung blitzschnell, rote Flaggen schwenken zu lassen und den Grand Prix abzubrechen.

Was lief bei Hülkenberg schief?

Einer der Gewinner des Startunfalls war Hülkenberg. Er hatte sich am Start von Platz 12 auf Platz 10 verbessert und startete somit beim zweiten Mal aus der fünften Startreihe. Auch Valtteri Bottas (Sauber) gewann zwei Plätze; Tsunoda hingegen fiel von P10 auf P12 zurück.

Aber die Freude über den verbesserten "Startplatz" war nur von kurzer Dauer. Hülkenberg erwischte einen schlechten zweiten Start und fiel weit zurück. "Das Auto ging in einen Notfallmodus, als ich die Kupplung losließ", sagt er.

Ärgerlich, denn: "Der Grip mit dem Soft fühlt sich gut an." Doch durch die Positionsverluste steckte er im Feld fest: "Ich habe das Gefühl, ich habe die Pace, kann sie aber nicht nutzen. Ich denke, wir müssen tun, was wir gesagt hatten, das wir tun, falls wir 'out of Position' sein sollten."

Gesagt, getan: In Runde 5 kam er an 17. Stelle liegend an die Box. Nach dem Umstecken auf harte Reifen war er nur noch 18. und damit auf der Strecke Letzter, 20 Sekunden hinter Logan Sargeant (Williams).

Doch mit den harten Reifen war Hülkenbergs Vorwärtsdrang schnell dahin: "Ziemlich viel Untersteuern, vor allem in schnellen Kurven. In langsamen Kurven habe ich Übersteuern. Die Reifen bauen schon ab", funkte er - und wurde daraufhin instruiert, in den S-Kurven des ersten Sektors Tempo rauszunehmen, denn "das wird den Vorderreifen helfen", so sein Renningenieur.

Weil die anderen eher auf "Undercuts" setzten, fuhr Hülkenberg mit den harten Reifen einen langen Stint und rückte dadurch zwischenzeitlich wieder in die Punkteränge vor. In Runde 30 zeigte sich aber, wie hoch der Preis dafür war, als er 1,6 Sekunden auf den hinter ihm fahrenden Tsunoda verlor. "Virtuell" lag er zu dem Zeitpunkt schon nur noch auf Rang 13.

Am Ende belegte Hülkenberg, nach einem späten Überholmanöver gegen Stroll, den elften Platz. Auf einen WM-Punkt fehlten 5,6 Sekunden. "Nach dem Start noch so zurückkommen, ist ein halbes Wunder", sagt er. "Das zeigt, dass unser Tempo eigentlich nicht so schlecht war. Ich glaube, Yuki war in Reichweite."

Wodurch wurde der Kampf um Platz 3 entschieden?

An der Spitze rollte der Red-Bull-Express ungebremst einem Doppelsieg entgegen. Zu Beginn der zehnten Runde hatte Verstappen 2,9 Sekunden Vorsprung auf Perez und 5,7 auf Norris. Alonso auf Platz 5 führte eine Dreiergruppe mit Piastri und Leclerc an, die lag zu dem Zeitpunkt aber schon zehn Sekunden hinter dem Führenden.

Es war die einzige Phase im Rennen, in der Verstappen nicht nach Belieben dominierte: "Die ersten paar Runden waren nicht optimal. Auch wegen des Frontflügels, aber das haben wir beim Boxenstopp anders eingestellt", berichtet er. "Ab dem zweiten Stint war das Auto super. Ich bin meine eigenen Runden gefahren, und die waren schneller als die anderen."

Im weiteren Rennverlauf zeichnete sich ab, dass aufgrund des hohen Reifenverschleißes der "Undercut" eine echte Waffe ist. Nur Leclerc setzte auf eine konträre Strategie und versuchte, mit einem Boxenstopp durchzufahren. Ein ambitioniertes Unterfangen, dem er zwischendurch bei einem Ausritt in der zweiten Degner-Kurve Tribut zollen musste.

Zehn Runden vor Schluss lautete der Kampf ums Podium: Leclerc und Norris (der seine beiden Stopps jeweils sehr früh absolviert hatte) auf älteren Reifen vor Sainz auf relativ frischen Reifen.

Doch dann passierte Norris in der Haarnadel ein Fahrfehler, sodass Sainz relativ problemlos vorbeikam, und Leclerc leistete dem eigenen Teamkollegen mit den um zehn Runden älteren Reifen keine nennenswerte Gegenwehr. Was übrigens auch an einer sanften Empfehlung seines Renningenieurs lag: "Halte dich nicht mit Sainz auf. Wir fahren gegen Norris."

Was steckt hinter der "Stallorder" bei Mercedes?

In Runde 13 kam es zu einem internen Positionstausch bei Mercedes. Hamilton lag auf P6, unmittelbar vor Russell, und beide hatten, nachdem sie in der Unterbrechung gewechselt hatten, harte Reifen drauf, die elf Runden alt waren. Doch Hamiltons Mercedes untersteuerte stark, und so bot er von sich aus an: "Soll ich George vorbeilassen?" War er vor der Schikane tat.

Eine Runde später hatte Russell schon 1,2 Sekunden Vorsprung und seinen Teamkollegen damit aus dem DRS abgeschüttelt.

Der ambitionierte Plan von Mercedes war offenbar, womöglich sogar mit den harten Reifen durchzufahren. Ein Plan, der nicht aufging. Bereits um Runde 20 dämmerte Hamilton: "Die Reifen lassen nach. Der rechte Vorderreifen ist tot." Und etwas später: "Ändert die Strategie!"

In Runde 22/23 kamen beide Mercedes erneut rein und zogen einen frischen Satz Hards auf. Damit fielen sie im Rennen erstmal an die Positionen 8 und 9 zurück. Hamilton erkundigte sich danach: "Wie habe ich so viel Zeit verloren?" Antwort des Renningenieurs: "Einfach Verkehr und Abbau."

Nach dem Rennen analysiert Hamilton schonungslos: "Der harte Reifen war ziemlich schlecht. Der Medium war viel besser. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, zweimal Medium zu nehmen. Aber das Auto war insgesamt einfach ziemlich schlecht."

Teamchef Toto Wolff relativiert: "Der zweite und dritte Stint waren gut. Mit dem Tempo wären wir ums Podium gefahren. Aber der erste Stint war schlecht. Wir wissen noch nicht warum. Vielleicht haben wir die Reifen zu sehr geschont."

Während Hamilton als Neunter ins Ziel fuhr, kämpfte Russell im Finish mit Reifenvorteil noch gegen Piastri um Platz 7. Ein paar Runden vor Schluss war er beim Anbremsen der Schikane schon auf gleicher Höhe, doch Piastri blieb bei dem Manöver kein Platz mehr und musste abkürzen.

Die Rennkommissare untersuchten daraufhin nicht "gaining an Advantage", sondern "forcing off the Track" - also Russell und nicht Piastri.

In der vorletzten Runde unterlief Piastri dann jedoch ein leichter Fahrfehler und Russell ging mit DRS-Überschuss an ihm vorbei. Somit fuhr Russell als Siebter über die Ziellinie.

Wie geht's in der Formel-1-WM 2024 weiter?

Das Rennwochenende in Suzuka geht nach dem Mittagessen in die Verlängerung: Um 14:00 Uhr deutscher Zeit findet am Sonntagnachmittag auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de nämlich noch eine ausführliche Live-Rennanalyse statt. Kevin Scheuren und Christian Nimmervoll führen wie immer durch das Programm der F1-Show. Kanalmitglieder haben dabei die Möglichkeit, den beiden im Livechat Fragen zu stellen.

Danach steht von 19. bis 21. April der Grand Prix von China auf dem Programm. In Schanghai wurde zuletzt 2019 gefahren, ehe das Rennen wegen der Coronaviruspandemie und den strengen Auflagen der chinesischen Behörden temporär aus dem Kalender genommen wurde.

In Schanghai steigt übrigens der erste von insgesamt sechs Sprints der Formel-1-Saison 2024. Das bedeutet in diesem Jahr, wegen eines leicht überarbeiteten Zeitplans, dass am Freitagnachmittag das Sprint-Qualifying gefahren wird, am Samstagmorgen der Sprint und am Samstagnachmittag das Qualifying für den Grand Prix am Sonntag.

Motorsport-Total.com

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