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GP von Saudi-Arabien Max Verstappen dominierte das Rennen in Dschidda von der ersten bis zur letzten Runde
Motorsport Images

Saudi-Arabien: Machtdemonstration von Verstappen & Red Bull!

Gegen den RB20 ist weiterhin kein Kraut gewachsen: Verstappen gewinnt in Dschidda vor Perez und Leclerc - Ferrari-Debütant Bearman und Hülkenberg in den Punkten

Max Verstappen und Sergio Perez haben beim zweiten Rennen der Formel-1-Saison 2024 den zweiten Doppelsieg für Red Bull eingefahren. Verstappen feierte unter Flutlicht in Dschidda einen souveränen Sieg, und Perez konnte sich auf dem Weg zu Platz 2 sogar eine Fünfsekundenstrafe erlauben.

"Wir haben diesmal nur mit 19 Sekunden Vorsprung gewonnen", lacht Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko im Interview mit dem ORF und erklärt: "Es passt alles zusammen. Wir haben ein Auto, das in den schnellen Kurven und auch im Topspeed sehr gut ist. Der Reifenverschleiß war auf dem Medium sehr gut, auf dem Hard dann etwas mehr. Eine sehr gute Vorstellung."

Dritter wurde Charles Leclerc (Ferrari) vor Oscar Piastri (McLaren), Fernando Alonso (Aston Martin) und George Russell (Mercedes). Gegen den Speed von Red Bull waren die Verfolger aber chancenlos - nach Verstappens beeindruckenden Longruns im Freien Training am Donnerstag nicht ganz überraschend.

Oliver Bearman (Ferrari) profitierte im Finish davon, dass sich hinter ihm Lando Norris (McLaren) und Lewis Hamilton (Mercedes) um Platz 8 und 9 duellierten, und fuhr als Formel-1-Rookie gleich beim Debüt in die Punkte.

Nico Hülkenberg (Haas) wurde Zehnter und holte damit seinen ersten Punkt 2024.

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Gab's am Start Positionsverschiebungen an der Spitze?

Verstappen gewann den Start souverän. Dahinter fuhr Perez Seite an Seite mit Leclerc durch die erste Kurve, musste dann aber doch zurückstecken. So blieben die ersten acht Positionen in der ersten Runde zunächst unverändert.

Erst in der zweiten Runde ging Piastri an Alonso vorbei und verbesserte sich auf Platz 4, und in Runde 4 gab's zum ersten Mal die von vielen Zuschauern befürchtete Doppelführung der beiden Red Bulls, als Leclerc in der ersten Kurve von Perez überholt wurde.

Verstappen hatte zu dem Zeitpunkt schon mehr als zwei Sekunden Vorsprung rausgefahren. Tendenz steigend.

Warum gab's keine Frühstart-Strafe gegen Norris?

Norris zuckte ganz eindeutig, als die Lichter der Ampel noch rot waren. "Frühstart Norris", meldete Mercedes-Pilot Russell am Boxenfunk. Doch weil Norris nochmal komplett stehenblieb, schien der Sensor den Frühstart nicht registriert zu haben.

Die Rennleitung untersuchte zunächst eine "inkorrekte Startposition", korrigierte die Meldung am Monitor dann aber auf klassischen "Frühstart" - und sprach letztendlich keine Strafe aus. Weil der FIA-Sensor weder einen Frühstart noch eine inkorrekte Startposition erfasst hatte.

Warum kassierte Perez eine Fünfsekundenstrafe?

In Runde 6 kam das Safety-Car auf die Strecke. Norris (jetzt 1.), Hamilton (3.), Hülkenberg (8.) und Guanyu Zhou (10./Sauber) blieben auf der Strecke. 14 der 18 noch im Rennen verbliebenen Fahrer nutzten die Gelegenheit für einen Boxenstopp. Auch Bearman, der als einziger Fahrer eines Topteams auf Soft gestartet war und auf Hard umsteckte.

Dabei kam es zu einigen haarigen Situationen in der Boxengasse. Alonso musste abrupt abbremsen, um nicht in Perez reinzukrachen, der von seiner Crew unsicher freigegeben wurde. "Ich wäre fast mit dem Red Bull gecrasht! So knapp", meldete der Aston-Martin-Routinier am Boxenfunk.

Perez kassierte für die Aktion eine Fünfsekundenstrafe wegen "unsafe Release". "Die Strafe geht in Ordnung", sagt Helmut Marko, betont aber: "Man kann bei uns niemandem einen Vorwurf machen."

Perez ärgert sich: "Schade, dass ich nicht in der ersten Reihe gestartet bin, schade, dass ich die Strafe kassiert habe. Aber das sind halt so Situationen, wo das passieren kann. Wir hatten heute nämlich ein tolles Auto."

In Runde 18 schob er sich bei Start und Ziel mit DRS an Norris vorbei und lag damit zumindest virtuell wieder an zweiter Stelle, 5,5 Sekunden hinter Verstappen. Abzüglich der fünf Sekunden belegte er allerdings nur Platz 4, hinter Norris und Leclerc.

Geriet Verstappen danach noch einmal in Gefahr?

Es dauerte bis in Runde 13, dass Verstappen an Norris vorbei wieder in Führung ging. Verstappen drehte noch in Runde 13 die schnellste Runde im Rennen und baute seinen Vorsprung auf 1,9 Sekunden aus. Spätestens jetzt waren auch die letzten Zweifel beseitigt, dass der Weg zum Sieg nur über ihn führen würde.

Bei halber Distanz, 25 von 50 Runden, führte Verstappen 6,8 Sekunden vor Perez (der damit auch praktisch wieder auf P2-Kurs lag, trotz Fünfsekundenstrafe), 13,9 vor Norris, 14,1 vor Leclerc und 19,7 vor Hamilton.

Verstappen geriet danach bis zur Zielflagge nie mehr in Gefahr. Allerdings ließ er sich diesmal den Bonuspunkt für die schnellste Runde entgehen. Den sicherte sich Leclerc in der allerletzten Runde des Rennens - mit Reifen, die genauso alt waren wie die von Verstappen. Aber: "Max hat vernünftigerweise nicht einmal gefragt", grinst Helmut Marko.

"Unser Tempo war nicht schlecht, mein Gefühl war ganz gut", sagt der Ferrari-Pilot. "Am Ende bin ich sogar die schnellste Runde gefahren. Aber gegen diese Red Bulls ist Platz 3 einfach das Maximum."

Was war mit Hamilton und Alonso?

Im Mittelfeld waren die beiden Altstars Hamilton ("Sie killen uns bei Highspeed!") und Alonso ("Irgendeine Chance auf Plan B? Denn die fahren in einer anderen Liga!") gegen Rennmitte nicht zufrieden mit ihren Autos.

Hamilton, der während der Safety-Car-Phase nicht Reifen gewechselt hatte, steckte in Runde 36 von Medium auf Soft um. Er fiel auf Platz 9 zurück, 8,0 Sekunden hinter Bearman, hatte nun aber die um 29 Runden frischeren und weicheren Reifen als der jüngste Ferrari-Rennfahrer aller Zeiten.

Später kam dann auch Norris zum Reifenwechsel, und in der Schlussphase des Rennens lieferten sich Norris und Hamilton ein hartes Duell um den achten Platz. Davon profitierte Bearman, dessen Vorsprung mit abgenutzten Reifen langsamer schmolz als erwartet und der letztendlich als Siebter über die Ziellinie fuhr. Sehr zum Stolz seines Vaters, der an der Box die Daumen drückte.

Sky-Experte Ralf Schumacher findet, Bearman habe "eine unglaubliche Leistung vollbracht. Er hat keinen großen Fehler gemacht im Qualifying, er hat nichts kaputt gemacht. Er ist ein starkes Rennen gefahren. In der letzten Runde nur dreieinhalb, vier Zehntel weg von seinem Teamkollegen. Er war ja auch länger auf dem Reifensatz unterwegs. Von daher: Alles richtig gemacht. Er kann stolz auf sich sein."

Alonso, der befürchtet hatte, im Renntrimm chancenlos zu sein, erreichte als Fünfter ein für ihn zufriedenstellendes Ergebnis.

Mercedes war vom Podium diesmal weit entfernt. Teamchef Toto Wolff sagt: "Wir hätten vor McLaren sein können, wenn wir freie Fahrt gehabt hätten, aber die haben wir nicht gehabt. Wir liegen sicher hinter Red Bull und Ferrari."

Wie kam Hülkenberg zu seinem ersten Punkt?

Hülkenberg, der zuvor rundenlang Bearman im Ferrari hinter sich gehalten hatte, kam in Runde 33, an zehnter Position liegend, zu seinem ersten Boxenstopp, und wechselte von Medium auf Hard.

Weil zuvor sein Teamkollege Kevin Magnussen rundenlang das komplette restliche Feld konsequent hinter sich gehalten hatte, obwohl er bereits mit zwei Zeitstrafen belegt war, kam Hülkenberg vor Magnussen als Elfter wieder auf die Strecke zurück. Zhou lag jetzt 10,7 Sekunden vor ihm, hatte aber noch nicht Reifen gewechselt.

"Der Teamkollege", sagt Sky-Experte Ralf Schumacher, "hat ihm kräftig geholfen, weil die Pace zwischendrin schwierig war. Nico war auch auf dem Reifen ziemlich lang unterwegs. Er ist dann am Ende sechs Sekunden vor seinen Teamkollegen gefahren. Wahrscheinlich hat er gemanagt, weil normalerweise hätte man erwarten können, dass er schneller fahren kann."

Als Zhou in Runde 42 nach einem extrem langen ersten Stint zum Boxenstopp kam, dort aber viel zu lang stand, rückte Hülkenberg wieder in die Punkteränge auf. Von hinten drohte ihm durch Magnussen keine Gefahr mehr, und nach vorn fehlte rund eine halbe Minute auf Hamilton.

Gab's im zweiten Rennen die ersten Ausfälle des Jahres?

Der erste Ausfall der Formel-1-Saison 2024 passierte gleich zu Beginn des Rennens. Pierre Gasly (Alpine) meldete bereits in der Aufwärmrunde ein Getriebeproblem am Boxenfunk. Am Ende der ersten Runde war der Arbeitstag für ihn vorbei.

In Runde 6 dann der zweite Ausfall, als Lance Stroll (Aston Martin) bei Kurve 23 abflog. Der Kanadier verschätzte sich, touchierte die Mauer an der Innenseite, schlug sich dabei die Radaufhängung links vorn kaputt und krachte anschließend auf der anderen Seite in die Mauer. Was eine Safety-Car-Phase erforderlich machte.

Wie war die Stimmung bei Red Bull bei der Siegerehrung?

Als die österreichische Bundeshymne gespielt wurde, gab's die schon in Bahrain gesehene Lagerbildung am Podium: Auf der einen Seite Christian Horner, diesmal flankiert von seiner Ehefrau Geri und Stardesigner Adrian Newey, und Helmut Marko auf der anderen Seite.

Red-Bull-CEO Oliver Mintzlaff ging im Interview mit Sky nicht auf die angespannte politische Situation im Team ein. Er sagt nur: "Absolut wichtig. Zweites Rennen, zweiter Sieg - das, was wir uns gewünscht haben!"

Und weiter: "Toll für die Fahrer, dass wir das nach der starken Saison im letzten Jahr fortsetzen können. Wir haben ein tolles Auto, wir haben zwei tolle Fahrer, und das freut uns sehr heute. Klar, der Zuschauer will vielleicht ein spannenderes Rennen sehen - aber wir wollen gewinnen, wir wollen das beste Auto haben. Und so, wie es aussieht, haben wir das."

Für Verstappen war Dschidda übrigens der 19. Sieg in den vergangenen 20 Rennen.

Wie geht's in der Formel-1-WM 2024 weiter?

Zunächst einmal steht in der Nacht von Samstag auf Sonntag, exakt um Mitternacht, noch die große Analyse des Grand Prix von Saudi-Arabien auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de auf dem Programm. Kevin Scheuren und Christian Nimmervoll sprechen in ihrer F1-Show über die Highlights des Renntags und beantworten Fragen aus dem Kanalmitglieder-Livechat.

Nach den beiden Auftaktrennen in Bahrain und Saudi-Arabien steht dem Formel-1-Tross erstmals ein freies Wochenende bevor. Danach geht's von 22. bis 24. März in Melbourne mit dem Grand Prix von Australien weiter. In Melbourne wird ein klassischer Grand Prix mit Qualifying am Samstag und Rennen am Sonntag gefahren, und kein F1-Sprint.

Motorsport-Total.com

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