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GP von Belgien: Rennbericht Kampf um den Sieg: Kimi Antonelli und Charles Leclerc
Getty Images Europe

Ferrari hofft dank VSC, doch dann kommt Antonelli!

Kimi Antonelli gewinnt das Formel-1-Rennen in Spa, bei dem das VSC Charles Leclerc in eine gute Position bringt - George Russell nach Kollision mit Lewis Hamilton raus

Einige Runden lang musste Kimi Antonelli um den Sieg beim Formel-1-Rennen in Belgien 2026 hier bangen, am Ende setzte sich der Mercedes-Pilot in Spa-Francorchamps aber doch gegen Ferrari-Pilot Charles Leclerc durch, der dank eines Boxenstopps unter dem Virtuellen Safety-Car vor den WM-Spitzenreiter gelangt war.

Damit baute Antonelli seine WM-Führung auch wieder aus und machte die vollen 25 Punkte auf seinen Teamkollegen George Russell gut, der nach einer Kollision mit Lewis Hamilton schon in der ersten Runde im Kiesbett gelandet und ausgeschieden war.

Hinter Antonelli und Leclerc landete Max Verstappen (Red Bull) auf dem dritten Platz. Vierter wurde Lewis Hamilton (Ferrari), der für seine Kollision mit Russell eine Fünf-Sekunden-Strafe erhalten hatte und fünf Runden vor Schluss außen vor Les Combes an Oscar Piastri (McLaren) vorbeigekommen war, der sich mit Platz fünf begnügen musste.

Aber: Gegen Hamilton läuft noch eine Untersuchung wegen Unsafe Release, da er seinen eigenen Mechaniker beim Boxenstopp angefahren hatte.

Isack Hadjar (Red Bull) wechselte unter dem frühen Safety-Car gleich zweimal die Reifen und kam so aus der letzten Reihe auf Rang sechs vor Lando Norris (7./McLaren) und Gabriel Bortoleto, der im Audi als "Best of the Rest" Rang acht holte. Die letzten Punkte gingen an Arvid Lindblad (9./Racing Bulls) und Franco Colapinto (10./Alpine).

Nico Hülkenberg (Audi) landete als 13. erneut außerhalb der Punkte.

Was passierte am Start?

Es war ein turbulenter Start, bei dem zunächst bis Kurve 1 wenig passierte, da sowohl Antonelli als auch Verstappen keinen schlechten Start erwischten. Überraschend wurde Antonelli aber vor Eau Rouge langsamer und ließ Verstappen passieren - ein taktisches Manöver?

Denn so konnte der Italiener auf der langen Kemmel-Gerade im Windschatten wieder am Red Bull vorbei in Führung gehen. Dahinter zog auch Leclerc an Verstappen vorbei und setzte sich vor Les Combes auf Rang zwei.

Dort kam es dahinter zu einer folgenschweren Kollision für George Russell. Der Mercedes-Pilot berührte Lewis Hamilton mit seinem rechten Hinterrad und drehte sich weg ins Kiesbett - Hamilton konnte weiterfahren, Russell schied aus. Für Hamilton gab es später noch eine 5-Sekunden-Strafe.

Ein paar Kurven später berührten sich ausgerechnet beide Haas-Piloten, was in einem Reifenschaden für Esteban Ocon resultierte. Der Franzose flog in Kurve 14 ins Kiesbett, konnte sich aber noch an die Box retten und neue Reifen holen. Nach der turbulenten Startphase musste erst einmal das Safety-Car ausrücken.

Wie lief der Kampf um den Sieg?

Im Grunde schien es eine klare Sache für Antonelli zu sein. Nach dem Safety-Car behielt der Mercedes-Pilot seine Führung vor Verstappen, konnte seinen Vorsprung aber nicht sonderlich ausbauen. Der Italiener blieb immer im Bereich von zwei bis drei Sekunden, bis in Runde 17 die Ansage seines Teams kam, dass seine Reifen gut aussehen und er sie nutzen kann.

Hatte er die Reifen einfach nur gemanagt? Zumindest kam Verstappen in jener Runde zum Boxenstopp rein, um sich die harten Reifen zu holen. Nur wenige Augenblicke später wurde plötzlich das Virtuelle Safety-Car ausgerufen, um ein Teil von der Strecke zu entfernen.

Mercedes holte Antonelli an die Box, um auf Verstappen zu reagieren, doch kurz vor der Einfahrt wurde das VSC wieder aufgehoben, sodass er letzten Endes keinen Zeitenvorteil daraus ziehen konnte.

Doch das Schicksal sollte sich wenden: Nur zwei Runden später kam erneut ein Virtuelles Safety-Car, das Ferrari zum Doppelstopp nutzte. Die Taktik ging auf: Weil die Konkurrenz langsam machen musste, kam Leclerc vor Antonelli und Verstappen wieder auf die Strecke.

Und dort gewann Leclerc zunächst Zeit auf den Mercedes, weil er relativ schnell an Norris vorbeikam, der noch nicht an der Box war, während Antonelli doch reichlich Mühe hatte, sich des McLaren zu entledigen. Als Antonelli in Runde 26 dann doch an Norris vorbei kam, hatte Leclerc bereits drei Sekunden Vorsprung.

Der Italiener konnte jedoch die Pace seines Mercedes nutzen und sich in den folgenden Runden immer näher an den Ferrari heranrobben. In Runde 34 war es dann um Leclerc geschehen: Auf der Kemmel-Geraden hatte der Ferrari keine Chance gegen seinen Verfolger und musste sich geschlagen geben.

Zwar versucht Leclerc noch mitzuhalten und zu kontern, allerdings war er nie nah genug dran, um wirklich noch einmal nach Rang eins greifen zu können.

Gab es Ausfälle?

Neben dem im Kiesbett gestrandeten George Russell sahen auch weitere Piloten nicht die Zielflagge. Recht früh stellte auch Sergio Perez seinen Cadillac mit einem technischen Problem an der Box ab.

In Runde 27 war dann auch das Rennen von Lance Stroll vorbei: Auch der Kanadier parkte in der Garage, weil an seinem Aston Martin ein Problem mit der Kupplung aufgetreten war. Für Stroll war es im zehnten Rennen bereits der sechste Ausfall der Saison.

Warum war George Russell so verärgert?

Als der Mercedes-Pilot in Les Combes im Kiesbett steckte, regte sich Russell mächtig auf - allerdings in erster Linie nicht über die Kollision mit Lewis Hamilton, die ihn ins Aus bugsiert hatte. Stattdessen war der Mercedes-Motor der Anlass für eine Schimpftirade: "Un-fucking-acceptable", schimpfte er bereits kurz nach dem Ausfall im Teamfunk.

"Ich hatte einen guten Start, kam hervorragend durch die erste Kurve und hing direkt hinter Verstappen. Aber aus irgendeinem Grund entschied sich die Batterie, in Kurve 1 nicht zu laden", erklärt Russell. Daher war er auf der Kemmel-Geraden zuvor von einigen Rivalen geschluckt worden und überhaupt erst in der Nähe von Hamilton.

Laut Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff soll das gleiche Software-Problem auch Antonelli heimgesucht haben, als der vor Eau Rouge Verstappen hatte passieren lassen müssen.

"Ich fuhr also durch die erste Kurve, die Batterie lud nicht, und ich kam mit einem Ladestand von nur 35 Prozent aus der Kurve." Deshalb hatte Russell dann auch Probleme mit dem Boost: "Der Turbo regelte nicht richtig, sodass mir die Leistung fehlte", sagt er.

"Ich erreichte den höchsten Punkt der Eau Rouge mit null Prozent Batterieladung. Ehrlich gesagt war das gefährlich. Ich wurde von drei Autos überholt", berichtet der 28-Jährige. Im Vergleich zur Konkurrenz fehlte ihm schlichtweg die Leistung, weshalb er auf der Kemmel-Geraden plötzlich langsamer wurde.

"Ich hatte das Gefühl, in einer guten Position zu sein und um die Führung zu kämpfen. Und dann plötzlich kein Strom mehr, und alles war weg", so Russell, der kurz danach mit Hamilton kollidierte. "In diese Situation hätte ich eigentlich gar nicht erst geraten dürfen. Das ist es, was mich am meisten ärgert."

Warum wurde Lewis Hamilton bestraft?

Weil er Russell in Kurve 5 ins Aus gedreht hatte, bekam Hamilton eine Zeitstrafe von fünf Sekunden aufgebrummt. Laut der Kommissare war der Ferrari-Pilot der Alleinschuldige an der Kollision. Normalerweise hätte dies eine 10-Sekunden-Strafe zur Folge, doch weil es die erste Runde war und Hamilton nicht in böser Absicht gehandelt habe, wurde die Strafe halbiert.

Hamilton habe Platz lassen wollen, verlor aber Grip an der Vorderachse und rutsche so durch das Untersteuern in Russell hinein. "Das Auto hat vor mir reingezogen. Ich war direkt hinter einem anderen Auto, hatte deshalb keinen Grip auf der Vorderachse", versuchte sich Hamilton im Funk noch zu rechtfertigen.

Den Zusammenstoß mit dem Ferrari-Piloten verbucht Russell letztlich als Rennunfall. "Vielleicht hätte ich etwas weiter rausfahren können, vielleicht hätte er etwas stärker bremsen können", sagt er. "Er hat es nicht mit Absicht getan. Er trug zwar mehr Schuld als ich, aber er hat nichts Rücksichtsloses getan."

Das sieht auch Hamilton so: "Ich denke, es war ein normaler Rennunfall, deshalb finde ich nicht, dass es dafür eine Strafe geben sollte."

Warum läuft noch eine Untersuchung gegen Hamilton?

Für Hamilton kam es noch dicker: Beim Absitzen seiner Fünf-Sekunden-Strafe fuhr Hamilton aus Versehen einen seiner Mechaniker an. Weil Ferrari damit aus Sicht der Kommissare eine unsichere Freigabe ("Unsafe Release") beging, muss sich das Team nach dem Rennen noch einmal vor ihnen verantworten.

An Hamiltons Auto wurden alle vier Reifen gewechselt, während der Mechaniker, der das Werkzeug für die Frontflügelverstellung bediente, erst in dem Moment versuchte, den Frontflügelwinkel anzupassen, als Hamilton bereits aus der Box freigegeben wurde.

Er wurde von der Fahrzeugfront Hamiltons erfasst und stürzte zu Boden, es wurden jedoch keine Verletzungen bei dem Vorfall gemeldet. "Es geht ihm gut", bestätigt auch Teamchef Frederic Vasseur nach dem Rennen bei Sky.

Hamilton blieb somit ohne die korrekten Anpassungen am Frontflügel zurück und hatte infolgedessen nach dem Wechsel von den Medium-Reifen auf die harte Mischung mit der Fahrzeugfront seines Autos zu kämpfen.

Da die Ampel grün zeigte, trifft Hamilton jedoch keine Schuld. "Ich schaue auf die Ampel und soll eigentlich losfahren, sobald das Auto heruntergelassen wird", schildert er. "Ich fuhr also los, sah ihn dann zu meiner Rechten und hielt an."

Was war zwischen Leclerc und Piastri?

Auch Leclerc geriet in das Visier der Kommissare, da es eine Berührung zwischen ihm und Oscar Piastri gab. Beide fuhren in Kemmel nebeneinander, als Leclerc beim Anbremsen von Les Combes etwas zu weit nach außen fuhr, wo der McLaren des Australiers war. Bei der Berührung flog sogar ein Teil des McLaren weg.

Trotz Untersuchung entschieden die Kommissare, keine Strafe zu vergeben. Sie waren der Ansicht, dass Piastri aus seiner Position auf der Außenseite von Leclerc "keine Möglichkeit" hatte, das Überholmanöver abzuschließen, und dass Leclerc seinen Rivalen nicht absichtlich von der Strecke gedrängt hatte, da er sich auf der Ideallinie befand.

Wenig später zeigte Leclerc ein ähnliches Manöver auch gegen Teamkollege Lewis Hamilton, der jedoch zurücksteckte, sodass es nicht zur teaminternen Kollision kam.

Wie war das Rennen von Nico Hülkenberg?

Der Deutsche wartet weiter auf den ersten Saisonpunkt. Während Teamkollege Gabriel Bortoleto mit Rang acht erneut vier Zähler holte, ging Hülkenberg als 13. leer aus. Der Audi-Pilot fuhr einen längeren ersten Medium-Stint und profitierte ein wenig vom Stopp unter dem Virtuellen Safety-Car. Trotzdem konnte er die Pace seiner frischeren Reifen am Ende nicht nutzen.

"Es fehlt so ein bisschen Mitte der Geraden", macht er bei Sky fehlenden Topspeed verantwortlich. Denn so war Überholen für ihn sehr schwer. "Wir verlieren immer zwei, drei Wagenlängen und die fehlen am Ende einfach. Das ist ein bisschen das Problem."

"Wenn wir davor sind, können wir wegfahren, aber wenn wir dahinter sind oder die Kollegen direkt hinter uns, dann wird die Luft dünn", sagt er. "Wir haben natürlich durch das Virtual Safety-Car ein bisschen profitiert, aber ich hätte ein paar Sekunden mehr gebraucht, um ein bisschen Puffer zu den Kollegen zu haben."

Motorsport-Total.com

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