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Was sich jetzt ändern soll Blick in das neue FIA-Kontrollzentrum für die Formel 1 in Biggin Hill in England
FIA

FIA eröffnet neue F1-Kommandozentrale: Was sich jetzt ändern soll

Kann künstliche Intelligenz für einheitlichere Entscheidungen in der Formel 1 sorgen? Die FIA setzt auf ein neues Kontrollzentrum mit moderner Technik

Der Automobil-Weltverband (FIA) hat den Formel-1-Standort Biggin Hill in Großbritannien um ein neues Remote Operations Centre (ROC) erweitert. Die hochmoderne Einrichtung soll die Rennleitung und die Sportkommissare an Formel-1-Rennwochenenden unterstützen und durch den Einsatz neuer Technologien für schnellere, präzisere und einheitlichere Entscheidungen sorgen.

Für den Umzug in das Medien- und Technologiezentrum der Formel 1 - wo unter anderem das weltweite TV-Signal produziert wird - hat die FIA nach eigenen Angaben mehrere Millionen Euro investiert. Das neue Kontrollzentrum ist allerdings nicht erst seit der offiziellen Eröffnung im Einsatz: Bereits seit dem Niederlande-Grand-Prix 2026 im August arbeitet die FIA von dort aus.

Das neue ROC ist eine von vier zentralen Säulen der FIA-Rennorganisation. Neben der Rennleitung, den technischen Systemen und den Sportkommissaren übernimmt es die Aufgabe, große Datenmengen auszuwerten und mögliche Regelverstöße zu identifizieren.

Mehr als 140 Datenquellen: So arbeitet das neue Kontrollzentrum

Während eines Grand-Prix-Wochenendes können bis zu 16 Mitarbeiter im neuen Kontrollzentrum tätig sein. Sie analysieren unter anderem mehr als 140 Audio- und Videodatenströme, Positionsdaten der Fahrzeuge sowie den Funkverkehr zwischen Fahrern und Teams.

Dabei geht es insbesondere um Situationen, die eine genauere Untersuchung durch die Rennleitung oder die Sportkommissare erforderlich machen könnten. Dazu zählen beispielsweise Frühstarts, falsch positionierte Fahrzeuge in der Startaufstellung, Tracklimits-Verstöße oder Regelverletzungen in der Boxengasse. Auch die korrekte Durchführung von Stop-and-Go-Strafen kann das Kontrollzentrum überwachen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei künstliche Intelligenz: Die FIA setzt unter anderem auf automatisierte Bilderkennung und sogenannte Computer Vision. Diese Technologie ermöglicht es Computersystemen, Bild- und Videomaterial auszuwerten und bestimmte Muster oder Auffälligkeiten zu erkennen. Hinzu kommt eine automatisierte Transkription von Funksprüchen, die es den Mitarbeitern erleichtern soll, relevante Kommunikation schneller zu finden und auszuwerten.

Die Technik soll mögliche Vorfälle frühzeitig sichtbar machen und die zuständigen Offiziellen mit zusätzlichen Informationen versorgen. Die eigentlichen sportlichen Entscheidungen bleiben jedoch Aufgabe der Rennleitung beziehungsweise der Sportkommissare.

FIA verspricht schnellere und einheitlichere Entscheidungen

FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem bezeichnet die Eröffnung als wichtigen Meilenstein für die Weiterentwicklung der Formel 1: "Da die Weltmeisterschaft weltweit wächst, ist es entscheidend, dass wir weiterhin in die Menschen, die Technologie und die Infrastruktur investieren, die einen erstklassigen Rennbetrieb ermöglichen." Das neue Zentrum werde die FIA dabei unterstützen, "präzise, einheitliche und effiziente Entscheidungen" zu treffen.

Damit adressiert der Weltverband einen zentralen Anspruch an die sportliche Entscheidungsfindung der Formel 1: Vergleichbare Vorfälle sollen möglichst nach denselben Maßstäben beurteilt werden. Die technische Unterstützung aus Biggin Hill soll dafür eine verbesserte Datengrundlage schaffen.

Enge Zusammenarbeit zwischen FIA und Formel 1

Das neue Kontrollzentrum ist zugleich ein gemeinsames Projekt von FIA und Formel 1. Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali sieht darin einen wichtigen Fortschritt: "Es zeigt, was wir erreichen können, wenn die Formel 1 und die FIA mit einem gemeinsamen Ziel eng zusammenarbeiten."

Die Einrichtung werde die Arbeit der FIA an den Rennstrecken in der Formel 1, Formel 2 und Formel 3 unterstützen und damit jene Abläufe stärken, "die für einen fairen und einheitlichen Wettbewerb entscheidend sind", sagte Domenicali.

Neues Kontrollzentrum dient auch der Ausbildung

Die FIA verfolgt mit der Investition nicht ausschließlich technische Ziele: Das Kontrollzentrum soll außerdem eine wichtige Rolle bei der Ausbildung zukünftiger Motorsport-Offizieller übernehmen. Dazu wird es in das sogenannte High Performance Programme for Officials (HPP) eingebunden.

Dieses Ausbildungsprogramm existiert seit 2023 und richtet sich an Funktionäre aus unterschiedlichen Motorsportserien und Ländern. Es soll ihnen durch gezielte Schulungen den Weg bis zu Einsätzen auf Weltmeisterschaftsniveau ermöglichen.

Darüber hinaus will die FIA das ROC für die Nachbereitung von Rennwochenenden nutzen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Weiterentwicklung sportlicher Regeln und in die Schulung der Verantwortlichen einfließen.

Motorsport-Total.com

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