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WEC: Le Mans

Die Analyse von Yoshiaki Kinoshita

Toyota-Teampräsident Yoshiaki Kinoshita analysiert das Rennen von Le Mans und erklärt, wie es mit dem Team in der Langstrecken-WM weitergeht…

Toyota erlebte beim Le-Mans-Comeback nach 13 Jahren ein ereignisreiches Rennwochenende mit Höhen und Tiefen. Im Qualifying fuhren die beiden TS030-Hybrid auf die Startplätze drei und fünf und konnten sechs Stunden lang das Tempo der Audi mitgehen.

Nicolas Lapierre schnappte sich im Toyota mit der Startnummer 7 auf dramatische Weise die Führung, was in der Box der Japaner für große Begeisterung sorgte.

Wenig später jedoch schlug die Stimmung um: Anthony Davidson zeigte im Schwesterauto mit der Startnummer 8 einen wahren Horrorcrash und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Inzwischen befindet sich der Brite, der beim Unfall zwei gebrochene Rückenwirbel davontrug, wieder in Großbritannien und auf dem Weg der Besserung.

Für den verbliebenen Toyota im Rennen war kurz darauf ebenfalls Feierabend. Kazuki Nakajima kollidierte bei einem Restart mit dem außer Konkurrenz antretenden Nissan-DeltaWing und musste wenig später mit einem Defekt an der Lichtmaschine die Box aufsuchen. Nach zehn Stunden sorgte ein Motorschaden für den Totalausfall im Toyota-Lager.

Im Interview spricht Teampräsident Yoshiaki Kinoshita über das Wechselbad der Gefühle in Le Mans, das Duell mit Audi und die weitere Saisonplanung.

Herr Kinoshita, wie fällt Ihr Fazit des Toyota-Comebacks in Le Mans aus?

Es verlief sehr vielversprechend aber unterm Strich enttäuschend. Unser Traum war es, das Rennen anzuführen. Dass wir das tatsächlich geschafft haben, wenn auch nur kurz, war fantastisch. Der Unfall von Anthony war natürlich ein furchterregender Moment und ein Wendepunkt im Rennen. Wir alle wünschen ihm eine schnelle Genesung.

Nach dem Unfall war es schwierig, das Rennen zu genießen. Leider hatten wir am Auto mit der Startnummer 7 ein paar Probleme und mussten aufgeben. Das war keine Überraschung, denn unser Auto ist brandneu und wir konnten im Vorfeld nicht ausreichend testen.
Dennoch war es ein außerordentlich trauriger Moment für uns. Wir reisen mit dem Wissen aus Le Mans ab, dass wir uns in einigen Bereichen noch verbessern müssen. Gleichzeitig können wir stolz sein, denn das Team gab alles und ich möchte mich für die großen Anstrengungen bedanken.

Was können Sie rückblickend über das Hybridsystem berichten?

Zunächst einmal ist es eine erhebliche Leistung der Motorsportabteilung von Toyota, eine solche Technologie in Le Mans an den Start zu bringen. In Bezug auf die Performance sind wir zufrieden damit, wie das Hybridsystem unser Tempo positiv beeinflusste. Wir konnten meiner Meinung nach zeigen, dass unser Konzept vielversprechend ist und wir werden weiter intensiv an der Zuverlässigkeit arbeiten.

Trotz des Ausfalls des Werksteams erreichte ein Toyota-Motor eine gute Platzierung nach 24 Stunden. Wie beurteilen Sie die Leistung des Rebellion-Teams?

Rebellion hat mit dem Motor von TMG (Toyota Motorsport GmbH; Anm. d. Red.) einen großartigen Job abgeliefert und kam als 'best of the rest' auf Platz vier ins Ziel. Das war eine tolle Leistung, zu der ich dem Team gratulieren möchte. Bei TMG wurde intensiv gearbeitet, um einen standfesten und gleichzeitig starken Motor zu bauen. Sie haben dieses gute Ergebnis verdient.

Wie verlief der Wettbewerb mit Audi aus Ihrer Sicht?

Wir wussten im Vorfeld nicht, ob wir mit Audi würden mithalten können. Wir genossen das Duell so lange es dauerte. Gratulation an Audi zum wohlverdienten Sieg. Ein Sieg in Le Mans ist außerordentlich schwierig. Sie erledigten fantastische Arbeit.
Neben dem harten Konkurrenzkampf auf der Strecke erwies sich Audi als sehr angenehmer Gegner. Es war eine Freude, gegen sie anzutreten. Auch war es eine große Ehre für uns, an der Siegesfeier am Sonntag teilzunehmen und die lobenden Worte von Dr. Ullrich zu hören. Wir freuen uns auf weitere spannende Duelle in Le Mans und einige spaßige Momente zwischen uns.

Wie sieht der Plan des Toyota-Teams für den weiteren Saisonverlauf aus?

Wir werden die verbleibende Saison der Langstrecken-Weltmeisterschaft mit einem Auto bestreiten. Das bedeutet, wir haben noch fünf Rennen vor uns, bei denen wir Erfahrung sammeln und uns hoffentlich verbessern können. Unser Ziel ist nichts anderes als bei jedem Rennen die bestmögliche Leistung abzuliefern.

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