
Motorrad-WM: Katar | 22.03.2014
Der Weltmeister zeigt Muskeln
Marc Marquez setzt sich beim Saisonauftakt in Katar in einem engen Qualifying gegen Alvaro Bautista und Bradley Smith durch und holt die Pole-Position.
Foto: MotoGP
Weltmeister Marc Marquez hat zugeschlagen als es zählte: Der Honda-Werksfahrer holte sich die Pole-Position für den Saisonauftakt in Katar. Unter Flutlicht ließ sich Marquez nichts von seiner Beinverletzung anmerken, fuhr souverän und stellte in 1:54,507 Minuten die Bestzeit auf. Die Factory-Bikes haben im Qualifying die Welt wieder zurechtgerückt, denn sie belegten die komplette erste Startreihe. Alvaro Bautista (Gresini-Honda) verfehlte die Marquez-Bestzeit um lediglich 0,057 Sekunden und wurde Zweiter.
Bradley Smith war ebenfalls nur um 94 Tausendstelsekunden langsamer als der Weltmeister und stellte die Tech-3-Yamaha auf den dritten Startplatz. Der Brite wird zum ersten Mal in seiner MotoGP-Karriere aus der ersten Reihe starten. "Gestern lief es gar nicht, ich hatte einen üblen Sturz, verletzte mich dabei aber zum Glück nicht", sagt Smith. "Heute fuhr ich im ersten Versuch zwei starke Runden. Im zweiten Versuch konnte ich Platz drei verteidigen. Ich bin sehr zufrieden."
Im Mittelpunkt stand wieder einmal der Weltmeister: "Ehrlich gesagt stimmt mich diese Pole-Position sehr glücklich", strahlt Marquez. "Nach meiner Verletzung war es schwierig, wieder den richtigen Rhythmus zu finden. Inzwischen fühle ich mich viel besser. Die 20 Runden morgen werden aber eine richtige Aufgabe. Lassen wir uns mal überraschen, wie es läuft. Ich werde auf jeden Fall alles geben."
In der Honda-Box herrschte nach der perfekten Runde Jubelstimmung. "Marc ist unglaublich", schwärmt Teammanager Livio Suppo. "Er saß knapp zwei Monate lang nicht auf dem Motorrad, dennoch ist er hier der Schnellste. Für Dani ist Startreihe zwei nicht schlecht. Er hat ein gutes Renntempo." Für ein positives Resultat sorgte Bautista als Zweiter: "Es ging eng zu. Für mich ist das wie eine Pole-Position. Das Wochenende macht Spaß. Ich freue mich auf morgen und will versuchen, an der Spitzengruppe dran zu bleiben und ums Podium zu kämpfen."
Der Topfavorit für die Pole-Position ist unter dem Erwartungsdruck zerbrochen: Aleix Espargaro stürzte gleich zweimal! Zunächst drehte der Spanier mit der Forward-Yamaha eine solide Runde und stürzte dann in seinem ersten richtigen Angriff. In Kurve zwei klappte ihm das Vorderrad ein. Aleix Espargaro eilte zurück an die Box, schnappte sich das Ersatzmotorrad und stürzte erneut. Die Pole wäre möglich gewesen, denn er hatte schnellste Zwischenzeiten, allerdings ging er erneut zu Boden. Somit landete Aleix Espargaro auf Startplatz neun.
Der weiche Open-Reifen stach auch bei Ducati nicht. Andrea Dovizioso galt im Vorfeld ebenfalls als ein Geheimtipp für die Pole-Position, doch mit 0,137 Sekunden Rückstand landete der Italiener an der vierten Stelle und führt damit die zweite Reihe an. Yamaha-Werksfahrer Jorge Lorenzo, der in den beiden vergangenen Jahren in Katar gewonnen hat, kam trotz seiner Reifenprobleme auf Startplatz fünf. Dani Pedrosa (Honda) wird sich am Sonntag daneben als Sechster aufstellen. Die Spitze lag dicht beisammen, denn Pedrosa war weniger als zwei Zehntelsekunden langsamer als sein Teamkollege Marquez.
Stefan Bradl konnte sein Ziel von Rang fünf nicht erreichen. Der Deutsche hatte schon in den Trainings Mühe, mit der weicheren Reifenmischung schnelle Rundenzeiten aus dem Ärmel zu zaubern. Schließlich qualifizierte sich Bradl mit knapp vier Zehntelsekunden Rückstand als Siebter. Cal Crutchlow (Ducati) und Aleix Espargaro belegten die Positionen acht und neun in der dritten Reihe.
Ein enttäuschendes Qualifying erlebte Superstar Valentino Rossi. Dem zweiten Yamaha-Werksfahrer fehlte so wie im Vorjahr das entscheidende Tempo im Qualifying. Rossi wurde klar von Smith und Lorenzo geschlagen und wurde nur Zehnter. Andrea Iannone (Pramac-Ducati), der im Training mit starken Rundenzeiten auf sich aufmerksam gemacht hat, konnte es im Qualifying nicht umsetzen und wurde Elfter. Moto2-Weltmeister und Rookie Pol Espargaro (Tech-3-Yamaha) wurde in Q2 Zwölfter und letzter. Die Top 12 lagen innerhalb von sieben Zehntelsekunden.
Q1: Pol Espargaro und Crutchlow kommen weiter
Im ersten Qualifying-Abschnitt setzten sich die beiden Favoriten durch. Pol Espargaro und Crutchlow fuhren nur einen Versuch und holten sich souverän die ersten beiden Plätze, die den Einzug ins Q2 bedeuteten. Pol Espargaro fuhr mit der Mischung medium, während Crutchlow auf die weichere Open-Mischung zurückgreifen durfte. Dennoch war Pol Espargaro um 0,097 Sekunden schneller als der Brite und stellte in Q1 in 1:55,406 Minuten die Bestzeit auf.
In den letzten Minuten starrte Crutchlow allerdings gespannt auf den Monitor, denn Nicky Hayden griff an. Der Weltmeister von 2006, der in diesem Jahr die neue Honda RCV1000R im Aspar-Team fährt, war aber nicht schnell genug und belegte Rang drei. Somit wird Hayden am Sonntag von Startplatz 13 angreifen. Routinier Colin Edwards (Forward-Yamaha) und Hiroshi Aoyama (Aspar) belegten die Positionen vier und fünf.
Rookie Scott Redding, der ebenfalls einen Honda Production-Racer im Gresini-Team fährt, hatte zunächst Schwierigkeiten mit der Elektronik. Schließlich fuhr er auf Startplatz 16. Daneben werden sich Yonny Hernandez (Pramac-Ducati) und Karel Abraham (Cardion-Honda) aufstellen. Die letzten Plätze gingen an Hector Barbera (Avintia), Danilo Petrucci (Ioda), Broc Parkes (PBM), Mike di Meglio (Avintia) und Michael Laverty (PBM). Für Schrott sorgten Hernandez und di Meglio, die stürzten, aber unverletzt blieben.
Moto2: Pole für Rabat
Im ersten Moto2-Qualifying der Saison entwickelte sich unter dem Flutlicht des Losail-Kurses in Katar die erwartet spannende Zeitenjagd. Mehrere Fahrer kamen für die Pole-Position in Frage, doch am Ende setzten sich die Favoriten durch. Esteve "Tito" Rabat (Kalex) fuhr in 2:00,081 Minuten die schnellste Moto2-Runde der Geschichte auf dieser Strecke und holte sich den besten Startplatz für den Saisonauftakt. Für Rabat war es die dritte Pole-Position seiner Karriere.Ein starkes Qualifying zeigte auch Sandro Cortese, der untermauerte, dass seine Trainingsleistungen keine Eintagsfliege waren. Der Deutsche katapultierte sich auf den zweiten Platz und wird erstmals in der mittleren Klasse aus der ersten Reihe starten. Auf Rabat fehlten Cortese lediglich 0,020 Sekunden. Allerdings endete das Qualifying mit einem brenzligen Moment: Nachdem die Zeit schon abgelaufen war, stürzte Cortese und wurde auf einer Trage weggebracht.
Seine gestrandete Kalex blieb in der Kurve mitten auf der Ideallinie liegen. Mika Kallio konnte nicht ausweichen und erwischte das Motorrad mit der Startnummer elf. Auch Kallios Bike wurde bei diesem Crash stark beschädigt. Statt der karierten Flagge wurde die rote Flagge geschwenkt. Die Zeitenjagd war vorbei. Die Unfälle gingen glimpflich aus. Schließlich komplettierte der Japaner Takaaki Nakagami (Kalex) als Dritter die erste Startreihe.
Der Schweizer Tom Lüthi (Suter) wird am Sonntag von Platz vier aus der zweiten Reihe starten. Neben ihm werden sich Supersport-Weltmeister Sam Lowes (Speed Up) und Kallio aufstellen. Lowes beeindruckte mit dem fünften Platz bei seinem Debüt. Die Plätze in Reihe drei gingen an Xavier Simeon (Suter), Alex de Angelis (Suter) und Johann Zarco (Caterham Suter). Die weiteren deutschsprachigen Fahrer waren im dichten Mittelfeld zu finden, denn 15 Fahrer befanden sich innerhalb einer Sekunde.
Dominique Aegerter (Suter) konnte an seine Trainingsleistungen nicht anknüpfen und landete mit einem Rückstand von acht Zehntelsekunden an der elften Stelle. Dagegen legte Marcel Schrötter zu und qualifizierte sich als 13. Das gesamte Wochenende versuchte der Deutsche die Abstimmung der Tech 3 auszusortieren. Moto2-Rookie Jonas Folger (Kalex) wird sein erstes Rennen in der mittleren Klasse von Startplatz 15 in Angriff nehmen.
Randy Krummenacher (Suter) klassierte sich als 22. Randy Mulhauser (Suter) wurde 35. und Letzter. Abgesehen von den turbulenten Momenten am Ende des Qualifyings gab es mehrere Zwischenfälle. So stürzten Simone Corsi und Ricky Cardus, der den verletzten Alex Marinelarena bei Tech 3 ersetzt. Das Aspar-Duo (Suter) hatte mit starkem Chattering zu kämpfen. Deshalb kamen Jordi Torres und Nico Terol nur auf die Plätze 16 und 21.
Moto3: Rins erobert Pole in Katar
Das erste Qualifying der Saison zeigte das neue Kräfteverhältnis zwischen KTM und Honda auf: Die Moto3 ist in diesem Jahr kein KTM-Markenpokal. Im Flutlicht des Losail-Kurses in Katar eroberte Alex Rins mit der neuen Honda NSF250RW die Pole-Position. Es entwickelte sich in den Schlussminuten ein Fernduell mit seinem Teamkollegen Alex Marquez. Schließlich war Rins in 2:05,973 Minuten der Schnellste und verwies Marquez um 0,152 Sekunden auf den zweiten Platz. Für Vizeweltmeister Rins war es die zehnte Pole-Position seiner Karriere.Bester KTM-Fahrer war Jack Miller als Dritter. Dem Australier fehlten knapp vier Zehntelsekunden auf Rins. Honda hatte mit geballter Kraft zugeschlagen. Miller wird am Sonntag zum ersten Mal in seiner Karriere aus der ersten Reihe starten. Die Verhältnisse waren für die Fahrer am Samstag deutlich schwieriger als an den beiden Trainingstagen. Nächtlicher Regen hatte den Grip weggewaschen. Zudem hatte starker Wind Sand auf den Asphalt geweht. Deswegen rutschten gleich in den ersten Minuten einige Fahrer aus.
Die beiden Calvo-KTM-Teamkollegen Jakub Kornfeil und Isaac Vinales holten die Startplätze vier und fünf in der zweiten Reihe. Danny Kent stellte die Husqvarna auf Position sechs. Das Racing-Team-Germany durfte sich über eine starke Leistung von John McPhee (Honda) freuen, denn der Brite fuhr konstant in den Top 10 mit und wurde schließlich Siebter. Sein Teamkollege Efren Vazquez enttäuschte dagegen als 15. Die dritte Reihe komplettierten Romano Fenati (KTM), der nicht an seine Trainingsleistungen anknüpfen konnte, und Niccolo Antonelli (KTM).
Auf die beiden Deutschen im Feld wartet im ersten Grand Prix des Jahres eine große Aufholjagd. Philipp Öttl (Kalex-KTM) konnte keine schnelle Runde aus dem Ärmel schütteln und hatte 2,5 Sekunden Rückstand. Somit wird das Nachwuchstalent von Position 22 starten. Kiefer-Pilot Luca Grünwald (Kalex-KTM) wurde mit drei Sekunden Rückstand 24. Sein Teamkollege Gabriel Ramos stürzte dagegen schon in der Aufwärmrunde.
Auch Alexis Masbou (Honda), Zulfahmi Khairuddin (Honda) und Karel Hanika (KTM) gingen im Laufe der 40 Minuten zu Boden. Rookies-Cup-Champion Hanika, der zum ersten Mal in Katar fährt, konnte noch nicht überzeugen und landete auf Startplatz 19. Bester Mahindra-Fahrer war Miguel Oliveira als Elfter. In der Moto3-Klasse gehen insgesamt 33 Fahrer an den Start.