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Histo Cup: Slovakiaring

TCM: Actionreiches Rennwochenende

Ernst Kirchmayr und Clemens Stadler hießen die Sprintsieger beim fünften TCM-Rennwochenende auf dem bei den Piloten äußerst beliebten Slovakiaring.

Fotos: Peter Tomschi

Auf dem rund 35 Kilometer von Bratislava entfernten Slovakiaring wurde am 8. und 9. August im Rahmen des Histo Cup Austria das fünfte von sieben Rennwochenenden der noch jungen Touring Car Masters (TCM, seit 2018, Nachfolgeserie der Artbauer Race Days ) abgehalten. Wie bereits auf dem ungarischen Pannoniaring fanden die beiden Renntage inmitten einer der heuer zahlreich vertretenen Hitzewellen statt. Trotz der zu erwartenden Cockpit-Temperaturen bis zu 80 Grad Celsius waren die Touring Car Masters mit 17 Startern stark vertreten.

Was auch daran liegen könnte, dass auf dem Slovakiaring das Einstundenrennen als Nightrace gefahren wird: Der Start erfolgt bei Tageslicht, ins Ziel kommen die Piloten bei Dunkelheit. Und zwar ohne Flutlicht - eine ganz besondere Herausforderung für die Fahrer, die an diesem Tag bereits das erste Sprintrennen absolviert haben. Bei "gefühlten 60 bis 65 Grad im Cockpit", wie Georg Karner erzählte. Wissend, dass es am Samstag im zweiten Sprintrennen, in der prallen Mittagssonne angesetzt, dann "noch auf 80 Grad steigen" wird...

Gestiegen ist auch die Anzahl der Autos im Team von Klaus Klaffenböck - in der Slowakei waren sowohl der frühere Seitenwagen-Weltmeister als auch sein Pilot Clemens Stadler am Start - und das mit ziemlich großem Erfolg.

Immer mehr fühlt sich Rudi Happl zum KTM X-Bow hingezogen - mit Ausnahme des Einstundenrennens, das er mit seinem deutschen Kollegen Heiko Köppe absolvierte, war Happl auf dem Slovakiaring nur noch im offenen Boliden anzutreffen.

Endgültig klar ist die Tatsache, dass der amtierende und bislang einzige TCM-Champion, Oliver Michael seinen Titel nicht verteidigen kann - nachdem er bereits auf dem Pannoniaring nicht vor Ort war, fehlte er auch in der Slowakei. Sein Nachfolger als TCM-Champion dürfte Ernst Kirchmayr werden, der in der Tabelle bereits über 52 Punkte Vorsprung verfügt - aber noch ist nichts in "trockenen Tüchern"...

Sprint Race 1: Kirchmayr siegt und baut Tabellenvorsprung aus

Für die Polepostion im ersten Sprintrennen konnte sich "Heimkehrer" Ernst Kirchmayr (war in Ungarn nicht am Start) knapp vor dem aufstrebenden Clemens Stadler qualifizieren (lediglich 0,144 Sekunden trennten die beiden voneinander). In der zweiten Startreihe lauerten Bob Bau und Georg Karner.

Der Start verlief spannend: Seite an Seite stürmten Kirchmayr und Stadler auf die erste Kurve zu. Doch letztendlich konnte sich Kirchmayr behaupten, behielt die Führung und gab sie auch während des gesamten Rennens nicht mehr ab. Dennoch hatte auch er zu kämpfen - mit der Hitze im Cockpit: "Es war ein schönes Rennen - aber man stößt schon an die Grenzen, im Cockpit hatte es um die 70 Grad. " Obwohl Ernst Kirchmayr auf dem Pannoniaring fehlte, verfügt er in der Gesamttabelle der TCM bereits über einen komfortablen Punktevorsprung...

Clemens Stadler gab nach dem Rennen ganz offen zu: "Ernst war einfach schneller." Während Kirchmayr die runden zehn Sekunden Vorsprung herausarbeitete, mit welchen er letztendlich das Rennen gewonnen hat, musste sich Stadler bis zum Schluss mit dem top motivierten Bob Bau "herumschlagen", der am Ende lediglich vier Zehntelsekunden hinter Stadler den dritten Platz eroberte.

Gleich in der ersten Runde konnte Bau auch an Stadler vorbeiziehen, doch auf der Geraden schlug der Porsche-Youngster zurück. Bau zuckt mit den Achseln: "Da hat der Porsche einfach mehr Topspeed als der X-Bow." Dafür wiederum ächzte Stadler: "Bob war im Infield unhemlich schnell - er fährt dort mit dem X-Bow eine ganz andere Linie." Bau wurde letztendlich Dritter und feierte in seiner Klasse TCM6 einen deutlichen Sieg.

Hinter Kirchmayr, Stadler und Bau bildete sich eine weitere Dreiergruppe - auch dort wurde herzhaft gekämpft. Sehenswert war etwa der Angriff von Josef Meyer auf John Ford in Runde sieben.

Von seinem vierten Startplatz aus erlebte Georg Karner gleich in der ersten Kurve eine Art "persönliches Waterloo": "Ich habe gleich einmal massiv Positionen verloren, weil ich zurückgesteckt habe. Ich wollte mich nicht als fünftes Auto parallel in die erste Kurve stellen - daher bin ich gleich einmal auf Position zwölf zurückgefallen. Dann aber hatte ich eine schöne Aufholjagd und wurde Gesamt-Achter."

Überhaupt gab es in dem ersten Sprintrennen zahlreiche Infights zu sehen. So erlebte auch Franz Lahmer eine aufregende Aufholjagd: "Ich konnte mich wegen eines Benzinpumpenproblems nur für den letzten Startplatz qualifizieren - im Rennen aber fuhr ich bis auf Platz sechs vor." Allein Lahmer hat also runde zehn Überholmanöver beigesteuert - die Fans vor Ort kamen solchermaßen auf ihre Rechnung - da sitzt man auch bei Gluthitze gerne auf der Tribüne...

Erfrischend war auch das Duell der beiden KM X-Bow von Rudi Happl und Otmar Hacker, welches Happl als Gesamt-Elfter für sich entscheiden konnte. Statt dem Mitsubishi Colt aus dem Hause Race Rent Austria pilotierte Christian Müller erstmal einen Porsche im nicht minder steilen neuen RRA-Design. In der TCM4 wurde er damit hinter John Ford, Georg Karner, Klaus Klaffenböck und Heinz Bayer Fünfter. Ganz ohne Gegner fuhr Manuel Meisinger in der PS-schwächsten Klasse TCM2 am Ende des Feldes als Sieger ein.

Ravenol 1h Race: Sekundenduell im Stundenrennen

Das Ravenol 1h Rennen wurde als stimmungsvolles Nightrace abgehalten und wurde geprägt von einem mitreissenden Duell zwischen den Teams von Plus City Racing mit Ernst Kirchmayr und Philipp Baron sowie dem Team von Koglbauer Motorsport.

Nach einer Stunde trennten die beiden Autos gerade einmal eine Sekunde, Kirchmayr/Baron hatten die Nase ihres Ferrari vorne.

Weil sie jedoch wegen Überholens unter gelber Flagge eine Zeitstrafe von 30 Sekunden erhielten, erging der Sieg an Kogelbauer Motorsport. Für das Plus City Racing Team ging sich trotz Strafe noch Platz zwei aus, auf Platz drei landeten Stadler/Meyer.

Sprint Race 2: Clemens Stadler triumphiert

Die Startaufstellung für das zweite Sprintrennen versprach abermals Hochspannung. Im Qualifyuing am Samstagvormittag konnte sich Clemens Stadler die Poleposition sichern - neben ihm stand Bob Bau im KTM, dahinter starteten Ernst Kirchmayr und John Ford.

Kirchmayr zeigte sich höchst motiviert und wollte offenbar gleich am Start seine Position gehörig verbessern. Doch dabei traf er das Heck des Porsche von Clemens Stadler, welches den Aufprall locker verkraften konnte - allerdings traf Kirchmayr dabei quasi punktgenau den Schwachpunkt seines Ferrari, den Kühler - womit das Rennen für den Tabellenleader auch schon wieder "Geschichte" war. Offen gab der Sportsmann zu: "Es war mein Fehler, ich wollte zu viel. Ich bin heilfroh, dass Clemens weiterfahren konnte."

Nicht nur weiterfahren konnte Clemens Stadler - vielmehr feierte er einen deutlichen Sieg. Der Vorsprung des Porsche-Piloten wäre wohl noch größer als die letztendlich verbuchten

fünf Sekunden ausgefallen, wenn nicht in der sechsten Runde das Rennen mittels roter Flagge unterbrochen worden wäre. Nach einem kapitalen Motorschaden von Josef Stadtegger musste nämlich die Fahrbahn gesäubert werden.

Nach dem Restart konnte Clemens Stadler erneut das Feld kontrollieren und so dem verdienten Sieg entgegenfahren. Überglücklich erklärte Stadler: "Ein unfassbar schönes Gefühl, ich hatte ein super Auto und obwohl ich einen Abdruck vom Kirchmayr-Ferari am Heck habe, blieb mein Auto glücklicherweise komplett unbeschädigt."

Auf Platz zwei landete John Ford, der damit zugleich den Sieg in der Klasse TCM4 einfuhr. 2,4 Sekunden dahinter beendete Bob Bau als Dritter (Sieg in der TCM6) ein für ihn aufregendes Rennen, quasi eine "Hochschaubahn der Gefühle". Denn in der ersten Rennhälfte wurde plötzlich der Motor des X-Bow von einer Art "Schwächeanfall" heimgesucht, weshalb Bau zunächst durchgereicht wurde. In der "Zwangspause" nach dem Rennabbruch startete Bau den Motor neu: "Plötzlich lief er wieder ganz normal. " Für die Fans auf den Tribünen ein Glücksfall: Denn so kamen sie in den Genuss einiger gekonnter Überholmanöver des Bauunternehmers, der sich auch durch die eng beieinanderliegende Dreiergruppe mit Franz Lahmer, Georg Karner und Josef Meyer kämpfen konnte.

Übrigens als einziger X-Bow: Denn Otmar Hacker war im zweiten Sprintrennen nicht am Start und Rudi Happl kämpft bei dem für ihn noch neuen Renngerät mit "Kinderkrankheiten". So musste er nach acht Runden wegen eines Spritversorgungsproblems den Boliden abstellen.

Die Punktestände

Sprint gesamt:
1. Ernst KIRCHMAYR 160 Punkte
2. John FORD 108 Punkte
3. Franz LAHMER 104 Punkte

Sprint Klassen-Leader:
TCM2: Manuel MEISINGER
TCM4: John FORD
TCM5: Ernst KIRCHMAYR
TCM6: Bob BAU

Endurance gesamt:
1. John FORD 83 Punkte
=. Dieter SVEPEC 83 Punkte
3. Josef MEYER 76 Punkte

4. Ernst KIRCHMAYR 66 Punkte
=. Philipp BARON 66 Punkte
6. Luca RETTENBACHER 61 Punkte

Endurance Klassen-Leader:
TCM2: Rudolf HAPPL
TCM4: John FORD & Dieter SVEPEC
TCM5: Josef MEYER
TCM6: Bob BAU

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