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Das Rallye-Jahr 2002: Freud und Leid

Die Saison 2002 war ein Jahr voller Höhen und Tiefen, Freud und Leid lag oftmals eng beisammen. Wir machen Station bei den wichtigsten Ereignissen.

Manfred Wolf & Stefan Schmudermaier

ÖM: Int. Castrol Rallye

So sehr der schreckliche Unfall bei der Bosch Rallye die Rallye-Gemeinschaft auch schockte – beim nächsten Meisterschaftslauf, der Castrol Rallye im Raum St. Veit/Glan standen nahezu alle Teams wieder am Start.

Und wieder konnte Raphael Sperrer von Beginn an dominieren, Stohl schien – trotz großem Schotteranteil – chancenlos. Doch am zweiten Tag beging der mehrfache Staatsmeister aus Oberösterreich einen seltenen Fahrfehler, kam auf einem Schotterstück von der Straße ab und legte den Peugeot unsanft auf dem rechten Außenspiegel ab.

Sperrer konnte zwar die Fahrt noch einmal aufnehmen und wurde Achter, Manfred Stohl nahm das Geschenk aber dankend an und entschied die Rallye für sich. Den zweiten Rang konnte Mitropa-Cup Teilnehmer Pierlorenzo Zanchi holen, Ruben Zeltner wurde Dritter.

In der Gruppe N siegte in Abwesenheit von Beppo Harrach einmal mehr Hermann Gassner, der Bayer musste sich jedoch heftigen Attacken von Lokalmatador Alfred Kramer erwehren, der mit einer furiosen Fahrt Platz zwei holen konnte. Dritter wurde Martin Zellhofer.

Rupert Schachinger legte mit Platz vier eine neuerliche Talentprobe ab, leider gab es mit dem schweren Unfall von Walter Kovar wieder eine Schrecksekunde. Gattin Lamberta musste mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden, wo die Ärzte Brüche im Beckenbereich feststellten.

In der Dieselwertung siegte Andi Waldherr vor Gernot Zeiringer, Willi Stengg schied schon am ersten Tag aus, ebenso die großen Favoriten in der Stilo Trofeo, Gaststarter Michi Brandner und Karim Pichler, somit war die Bahn für Andy Hulak frei.

Bei den KitCars konnte Joachim Resch trotz Technik-Troubles endlich wieder siegen, bei Herwig Hüfinger war die Freude nach dem Formel 2-Triumph ebenfalls groß.

Und Manfred Stohl versprach im Ziel: „Mit diesem Sieg ist die Meisterschaft wieder offen, ich werde über die Sommerpause hart arbeiten, um den Speed von Sperrer fahren zu können.“

WM: Deutschland-Rallye

Erstmals mit WM-Status, ging Ende August der WM-Tross mit österreichischer Beteiligung bei unseren liebsten Nachbarn an den Start. Drei Teilnehmer hätten es sein sollen – Achim Mörtl im Werks-Subaru, Manfred Stohl mit seinem Ford Focus WRC und David Doppelreiter im Peugeot 206 Super 1600.

Doch nach Reifen-Querelen verzichtete Manfred Stohl auf einen Start. Im Nachhinein vielleicht eine kluge Entscheidung, denn sehr viel Glück hatten die verbliebenen zwei österreichischen Vertreter dann nicht.

Während Achim Mörtl schon in der ersten Kurve der ersten Sonderprüfung einen Fehler fabrizierte, bei dem er sich das Hinterrad, sein Selbstvertrauen und seinen Ruf beschädigte, flog David Doppelreiter etwas später in die berühmten Weinreben der Moselregion.

ÖM: Int. OMV Rallye

Schon nach dem ersten Tag der OMV Rallye und der absolvierten Super-Special in der Wiener Krieau war klar, dass sich Stohl an sein Versprechen hielt.

Sperrer hatte während der ersten beiden Tage keine Chance, am Finaltag kam er zwar etwas besser in Fahrt, wurde aber von einem Reifenschaden gebremst. So geriet Ford-Pilot Stohl nie unter Druck und fuhr den Sieg nach Hause.

Aus dem WRC-Duo wurde bei der OMV Rallye übrigens ein Trio. Lokalmatador David Doppelreiter, Österreichs dritter Mann in der WM, gab sein Debüt auf einem Seat Cordoba WRC.

In der Junior-WM hatte Doppelreiter mit Co Ola Floene und seinem 1600er Peugeot 206 KitCar bis dato wenig Glück. Nach einem tollen Auftritt bei der Monte Carlo Rallye, die (noch mit „altem“ Co Thomas Lettner) am sechsten Platz beendet wurde, gab es für den jungen Niederösterreicher keine nennenswerten Erfolge mehr.

Das Glück war ihm bei der Heimrallye dann doch hold, auch ein kaputter Turbolader konnte Doppelreiter eine Sonderprüfung vor Schluss nicht mehr stoppen. Mit teils ausgezeichneten SP-Zeiten schaffte er den dritten Platz bei seinem WRC-Debüt.

Ein Anderer feierte bei der OMV Rallye sein Comeback in der Rallye-ÖM: Nachdem Beppo Harrach bei seiner Heimveranstaltung, dem Rallyesprint, mit einem Sieg auf die Rallye-Bühne zurückgekehrt und im August auch bei der Finnland Rallye angetreten war, nahm er nun auch wieder an der österreichischen Meisterschaft teil.

Doch wie schon in Finnland – als Beppo nach wenigen Sonderprüfungen so unglücklich in einem Graben landete, dass es auch mit Zuschauer-Hilfe kein Entkommen gab – kam er auch im Wechselgebiet nicht weit. Auf SP 3 machte das Getriebe schlapp, es gewann – richtig – Hermann Gassner. Dem Sieg von Gassner ging aber ein beinhartes Zehntelsekunden-Duell mit Martin Zellhofer voraus, das mit einem wilden Abflug des Niederösterreichers auf der vorletzten SP endete.

So erbte ein junger Mann den zweiten Platz, der bei seinem letzten Saison-Auftritt im Gruppe N Mitsubishi noch einmal sein Können unter Beweis stellte: Rupert Schachinger fuhr mit Co Cathi Schmidt eine gute Rallye nach der anderen, Sponsor-Turbulenzen ließen weitere Auftritte des jungen Talents für 2002 aber fraglich erscheinen.

Nachdem dieses Mal Andi Waldherrs TDI den Geist aufgab, konnte Willi Stengg ungefährdet die Dieselwertung für sich entscheiden, bei den Stilos gewann ebenfalls der Favorit in Gestalt von Karim Pichler.

Joachim Resch musste mangels Einsatzfahrzeuges zusehen, wie Benno Benedict im Fiat Punto ein Comeback gab und lange Zeit wie der Sieger aussah. Dann warf er den 1600er aber noch weg, Gottfried Kogler wurde für seinen Einsatz mit dem Sieg belohnt.

Und in der Formel 2 war es einmal mehr Christian Lippitsch, dessen Sieg nach einer spektakulären Hüfinger-Einlage in der Krieau und daraus resultierenden Schäden nie in Gefahr war.

WM: San Remo Rallye

Nach den enttäuschenden Auftritten von Achim Mörtl und David Doppelreiter beim WM-Lauf in Deutschland war auch in Italien nicht viel zu holen.

Doppelreiter kämpfte mit dem Defektteufel, nach Stabi-Bruch und daraus resultierendem Ausrutscher kam schon am ersten Tag das Aus.

Achim Mörtl konnte sich ganz respektabel über den ersten Tag retten, am zweiten war es nach Dreher und anschließendem Unfall nicht nur mit dem San Remo-, sondern auch mit dem Werksauftritt vorbei.

WM: Neuseeland-Rallye

Unmittelbar vor der ARBÖ Steiermark Rallye waren Manfred Stohl und Beppo Harrach dann wieder im WM-Einsatz. Allerdings auf gleichen Autos, auch Manfred Stohl saß dieses Mal in einem Gruppe N Mitsubishi. Doch wie schon des öfteren waren beide bei ihrem neuerlichen WM-Auftritt nicht gerade vom Glück verfolgt.

Während am Auto von Stohl mysteriöse Elektronikprobleme massiven Zeitverlust verursachten – mehr als Rang acht im Gruppe N Klassement war nicht drinnen, rutschte Beppo Harrach nicht nur an gleicher Stelle wie Ford-Werkspilot Colin McRae von der Bahn, sondern traf zu allem Überfluss auch noch das Focus WRC des Schotten.

ÖM: Int. ARBÖ-Steiermark Rallye

Trotz solcher Rückschläge ging man äußerst motiviert an den Start der Rallye in der Steiermark, die heuer nach langer Zeit wieder an zwei Tagen, mit wunderschönen, neuen SP’s, ausgetragen wurde.

Manfred Stohl sah nach diesem ersten Tag wie der Sieger aus. Doch ausgerechnet bei Regen und äußerst schwierigen Fahrbahn-Bedingungen konnte Raphael Sperrer das Ergebnis am zweiten Tag mit einer Glanzleistung noch umdrehen und gewann nach der Neutralisation zweier Prüfungen aufgrund von Schneefall die ARBÖ Steiermark Rallye.

In der Gruppe N konnte sich Beppo Harrach nach einem spannenden Kampf mit Hermann Gassner und Walter Kovar durchsetzen. Der zweite Platz genügte Gassner, um sich seinen dritten Gruppe N-Meistertitel en suite zu sichern.

Die Dieselklasse wurde wieder einmal von einer Ausfallsserie ohne Beispiel geprägt, Andi Waldherr und sein Auto hielten durch und holten sich den Sieg. Michael Böhm konnte mit guter Leistung und nach einem dummen Ausfall von Karim Pichler die Stilo Trofeo für sich entscheiden

Unter den äußerst schwierigen Bedingungen fuhr Gottfried Kogler mit dem Peugeot 106 KitCar einmal mehr ein gutes Rennen und gewann seine Klasse.

Dem Pechvogel der Saison, Herwig Hüfinger, machte nach Fabelzeiten am ersten Tag auch bei seiner Heimrallye die Technik einen Strich durch die Rechnung, Heinz Jakobitsch holt sich so den Formel 2-Sieg.

Das „dicke Ende“ kam für das Peugeot-Team und Raphael Sperrer kurz nach der Rallye, als Manfred Stohl und Team einen Protest gegen den Sieger einbrachten. Der Protest wurde vor Ort abgelehnt, wogegen Manfred Stohl in Berufung ging.

Kurz vor der Waldviertel Rallye tagte somit das OSK-Berufungsgericht. Und das Ergebnis ist hinlänglich bekannt: Raphael Sperrer blieb Steiermark-Sieger. Damit waren die Ausgangspositionen relativ klar bezogen: Stohl musste gewinnen, um noch Meister werden zu können, dabei durfte Sperrer nur Dritter werden.

WM: Australien-Rallye

Vor dem kalten November im Waldviertel „flüchteten“ Manfred Stohl und Beppo Harrach in wärmere Gefilde, die Rallye Australien stand am Einsatzplan. Während Beppo sein Pech in der WM treu blieb – Ausfall mit Turbo-Schaden – konnte Manfred Stohl, dieses Mal auf einem Gruppe N Mitsubishi unterwegs, groß auftrumpfen.

Der Wiener gewann die Rallye gegen äußerst starke Gegner, unter denen auch viele Lokalmatadore waren souverän, am Ende gab es den sensationellen zehnten Gesamtrang im Gruppe N-Auto.

ÖM: Int. Waldviertel Rallye

Als die Nennliste veröffentlich wurde, durften die Stohl-Fans noch auf Franz Wittmann als „Jolly Joker“ hoffen – doch zuwenig Sponsorgelder ließen den Start des Altmeisters platzen, Stohl stand im Kampf gegen Sperrer wieder alleine da.

Denn obwohl viele ausländische WRC-Teams ihr Kommen angesagt hatten – die Experten waren sich einig, dass Raphel Sperrer von keinem dieser Teams ernsthaft gefährdet werden konnte. Und ein zweiter Platz würde zum Gewinn der Meisterschaft reichen.

In der Region um Waidhofen an der Thaya herrschte dann typisches Waldviertel-November-Wetter: Temperaturen unter 5 Grad, Regen, Nebel, dementsprechend katastrophal waren auch die Straßenverhältnisse.

Und so wurde im Waldviertel die wahrscheinlich schwierigste Rallye des Jahres absolviert. Manfred Stohl war unter diesen Verhältnissen der beste Mann und gewann, großer Sieger war aber Raphael Sperrer, der sich trotz Ausrutscher und Getriebewechsel am Peugeot den zweiten Platz und damit den verdienten Staatsmeistertitel holen konnte.

Im Kampf um den Gruppe N-Vizetitel blieb Martin Zellhofer siegreich, obwohl sich Beppo Harrach mit bravouröser Leistung und viel Glück bei zwei haarsträubenden Ausritten den Sieg bei der Waldviertel Rallye schnappte.

Nicht zu vergessen auch der Kampf um den OSK-Dieselpokal, drei VW-Golf TDi KitCars mit Willi Stengg, Andi Waldherr und Gernot Zeiringer sowie mehrere, leistungsmäßig unterlegene Fiat Stilo Trofeo-Piloten matchten sich um den Sieg in dieser besonderen Klasse.

Und am Schluss ging der Sieg an Andi Waldherr, in der Stilo Trofeo gewann Andy Hulak Waldviertel und Titel, nachdem man im Team von Karim Pichler im wahrsten Sinne des Wortes gepatzt hatte…

Und sonst?

Nicht nur der Kampf Sperrer gegen Stohl, oder das Rennen um den Gruppe N-Titel hat die Rallyefans im Jahr 2002 begeistert.

Bei den, zum Mitropa-Cup zählenden Läufen, konnte man Gaststarter wie Pierlorenzo Zanchi auf Toyota Corolla WRC oder Claudio de Cecco mit seinem Ford Focus WRC bewundern.

Kris Rosenberger und Co Sigi Schwarz erfreuten mit spektakulären Drifts ebenso, wie Stefan Reininger, der dieses Jahr – wie Adi Ramoser – einen A8 Mitsubishi bewegte und damit noch den dritten Gesamtrang in der Meisterschaft erkämpfte.

Neben Christian Lippitsch als Formel 2-Meister und Pechvogel Herwig Hüfinger lieferten auch einige andere Piloten Talentproben ab. Franz Sonnleitner (auf dem Ex-Zellhofer Proton Evo III) vermochte mit tollen Zeiten zu beeindrucken, die Citroen-Junioren Hannes Danzinger und vor allem Martin Ertl standen mit ihren N2 Citroen-Saxos um nichts nach.

Zum fixen Inventar der Rallye-ÖM zählten auch heuer wieder die Historischen, mit Ford Escort-Glüher Max Lampelmaier, Hans-Georg Lindner (Ford Escort) oder Leo Theuretsbacher (BMW 2002 ti) seien nur wenige erwähnt.

Und für alle gilt: Es bleibt nicht mehr viel Zeit, um sich für die kommende Saison zu rüsten: Am 2. und 3. Jänner 2003 geht es mit der Jänner-Rallye im Raum Freistadt wieder um Meisterschaftspunkte.

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Rallye-2002: Saisonrückblick 2. Teil

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