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Suzuki Jimny 1.5 VVT Allgrip - im Test Suzuki Jimny 2019

Försters Liebling

Suzki verpasste dem neuen Jimny und ein herziges Retro-Design. Heraus kam ein preisgünstig-robuster Offroad-Zwerg mit liebenswerten Eigenarten.

mid/me

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Autos vor der Haustür, bei denen Passanten stehenbleiben, miteinander diskutieren oder durch die Scheiben in den Innenraum schauen, sind in der Regel breit, flach, verfügen über viele 100 PS und kosten einen sechsstelligen Betrag. Wenn aber ein kurzes, schmales, hohes, knapp 18.000 Euro preiswertes Autochen mit rund 100 PS eine solche Reaktion hervorruft, muss es schon etwas sehr Spezielles sein.

Der neue Suzuki Jimny ist in der Tat speziell. Schon allein deshalb, weil er nahezu konkurrenzlos ist - einen echten Geländewagen mit den entsprechenden Zutaten wie Allrad-Antrieb und Getriebe-Untersetzung, klein, leicht und knuffig, den findet man sonst nicht so leicht. Kein Wunder, dass der Jimny schon immer ein beliebtes Dienstfahrzeug war. Der Helfer auf vereisten Wegen der Hausmeister und Gemeinde-Leute, die mit Schneepflug vornedran und Split-Kiste in Kofferraum ausrücken, um im Winter Hofeinfahrten und Spielstraßen zu räumen.

20 Jahre ruhte sich Suzuki auf diesem Erfolg des 1998 vorgestellten Klein-Allradlers aus. Erst Ende 2018 rollte nun die zweite Generation an. Eckiger und erwachsener als der eher rundliche Erstling, wirkt er fast wie eine zu heiß gewaschene Mercedes G-Klasse - kein Wunder, dass er die Blicke auf sich zieht.

Ein kleines Auto ist er indes geblieben, gerade mal 3,65 Meter misst er. Das ist vor allem am Kofferraum zu spüren, der nicht mehr als ein schmaler Streifen ist - viel zu klein für den Wochen-Einkauf im Supermarkt. Also Rückenlehnen der Fond-Plätze umklappen. Jetzt ist brauchbarer Platz da, auf robuster, doch recht rutschiger Fläche - Getränkekisten verstaut man da doch besser bei wieder hochgeklappter Lehne auf dem Rücksitz.

Aber eigentlich sind die beiden Plätze im Fond ja für Passagiere gedacht - für diesen Zweck indes nur eingeschränkt nutzbar. Zum einen gestaltet sich das Hineinklettern etwas schwierig, zumal lediglich der Beifahrersitz über eine entsprechende Vorklapp-Mechanik (ohne Einstellungs-Memory) verfügt. Für Kinder ist das kein Problem, denn die krabbeln fröhlich auf die Rückbank des lustigen Autos. Der Boden ist zum entspannten Sitzen etwas zu hoch geraten; Knieraum gibt es dafür ausreichend.

Trotzdem: Der Jimny ist, wer hätte es gedacht, nicht wirklich ein Familienauto. Eher eine extravagante Alternative zum Ford Fiesta für Singles und Paare. Etwas teurer, aber immerhin noch Tausende von Euro unterhalb eines, beispielsweise, Mini Countryman.

Dass der Innenraum nicht dessen durchgestylten Schick aufweist, sondern eher robusten Charme zeigt, stört da nicht im Geringsten - sondern passt sogar sehr gut zu dem Charakter dieses Autos. Suzuki betont sogar, dass sämtliche Schalter auch mit ARbeitshandschuhen bedienbar seien. Der Fahrer blickt auf eckige Analog-Instrumente im Old-School-Style, daneben prangt für die Generation iPhone das Mitteldisplay mit gut funktionierender CarPlay-Funktion.

Wenn es dann durch die Stadt oder über die Landstraße geht, dürfen sich die Insassen ein bisschen wie ein Jäger oder Farmer fühlen - auch, wenn es nur durch die City geht. Erstaunlich sanft gefedert rollt der Jimny auch mal über einen Bordstein, findet schnell einen Parkplatz, in den er sich dank seiner übersichtlichen Karosserie gut hineinmanövrieren lässt. Obwohl die indirekt-zähe Lenkung noch mehr Wendigkeit zu vereiteln weiß.

Hohe Kurventempi auf der Landstraße erwartet man von diesem Fahrzeug nicht, dafür bietet er zu wenig Fahrpräzision. Der Vierzylinder-Sauger wirkt angestrengt, müht sich beim Beschleunigen und an Steigungen hörbar ab und verleidet die Lust auf längere Touren. Dazu ist sein Testverbrauch von 7,9 Litern für diese Autogröße nicht angemessen. Schade, dass Suzuki seinem Erfolgsmodell kein modernes Turbo-Aggregat spendiert hat.

Dafür verfügt der kleine Suzi serienmäßig über eine echte Offroad-Ausstattung mit Allradantrieb und Gelände-Untersetzung, und das erhebt ihn in Sachen Geländetauglichkeit meilenweit über das Niveau der allermeisten schicken, soften Lifestyle-SUVs. Und was dem betagten Motor an Leistung fehlt, das macht der Jimny abseits des Asphalts mit seinem geringen Gewicht wett. Spielerisch wie ein Bergziegen-Kitz holpert er über Stock und Stein, verklemmt sich nicht in engen Waldweg-Kehren, wühlt sich durch Schnee und über Eis, brummt im ersten Geländegang steile Wege hoch und - Achtung, High Tech - mittels Bergabfahr-Hilfe easy auch wieder runter.

Die Anreise über verschneite Straßen ins Wintersportgebiet gerät zum Vergnügen - jedenfalls wenn der Fahrer weiß, wie er die Hebel der mechanisch zuschaltbaren Off-Road-Hilfen bedienen muss. Das nimmt ihm keine Automatik und keine Software ab; auch die Assistenz-Systeme auf Asphalt sind überschaubar. Immerhin warnt der Kleine in der Topausstattung vor dem Verlassen der Fahrspur und meldet Tempolimits ins Cockpit.

Insgesamt aber ist der Suzuki Jimny ein Automobil, das dem Fahrer noch das Gefühl gibt, ein Auto tatsächlich zu fahren. Wenn noch ein moderner Motor unter die Haube kommt, dann wird er zur klaren Empfehlung für alle, die ein originelles und preiswertes Fahrzeug suchen.

Dreitüriges, viersitziges SUV, Länge/Breite/Höhe/Radstand: 3.645/1.645/1.705/2.250 mm, Leergewicht: 1.165 kg, Zuladung: 345 kg, Anhängelast gebremst/ungebremst: 1.300/350 kg, Kofferraumvolumen: 85-830 l, Tankinhalt: 40 l.
Antrieb: 4-Zylinder-Benziner, Hubraum: 1.462 ccm, Leistung: 75 kW/102 PS bei 6.000 U/min, max. Drehmoment: 130 Nm bei 4.000 U/min, 5-Gang-Schaltgetriebe mit zuschaltbarer Gelände-Untersetzung, Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h, Zuschaltbarer Allradantrieb, Normverbrauch: 6,8 l/100 km, CO2-Emission: 154 g/km, Schadstoffklasse: Euro 6d-Temp.
Österreich-Preis: ab 17.990 Euro (Deutschland: ab 17.915 Euro).

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