RALLYE

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Wenig Aufwand, viel Erfolg

Für Christoph Weber und Stefan Langthaler im Mercedes 190 E 2.3-16 verlief die "Rallye im Ländle" zwar turbulent aber nicht unerfolgreich, Fortsetzung folgt.

Foto: Ralf Geßner

Ein Start bei der „Rallye im Ländle“, wie die schwäbischen Rallyeorganisatoren ihren DRS Lauf in Geislingen zwischen Ulm und Stuttgart nennen musste natürlich auf einem deutschen Produkt der Marke Mercedes Benz angegangen werden. Es war schon sehr lange geplant, dass Christoph Weber und Stefan Langthaler gemeinsam eine Rallye bestreiten, jetzt hat es endlich einmal gepasst.

Das Auto war rechtzeitig fertig und es wurde mit minimalstem Aufwand an die Teilnahme der Rallye in Schwaben gedacht. Den Benz auf den grossen Benz Sprinter geschnallt, Reifen auf und in das Rennauto, in Österreich den „billigeren“ Sprit getankt, ein Wagenheber, ein Werkzeugkoffer und ein Packerl Kabelbinder. So machten sich MSV Litschau Urgestein Christoph Weber und Car Chief Friedl Ohrfandl auf den 620 km langen Weg.

Nach der Besichtigung war klar, dass man mit dem Mercedes hier zwar nicht auf Gesamtsieg, jedoch auf ein respektables Ergebnis in der Gruppe H fahren könnte, sofern man eines Zielbogens ansichtig würde. Und das war auch die erklärte Vorgabe.

Reinhold Fricker und Hanspeter Brömmer, die Starpilot Uwe Nittel auf einem Auto des gleichen Fabrikats, jedoch mit einer Technik sprichwörtlich vom anderen „Stern“ einsetzten, hatten extra einen Serviceplatz organisiert, wo beide Benzen nebeneinander stehen konnten. Also musste man einfach den Wiener Mercedes über die Distanz bringen.

Die erste Prüfung zeigte einen voll motivierten Piloten, der in der Wiese bei einem Zuschauerpunkt aufgrund eines zelebrierten Drifts leicht ausserhalb der Fahrphysik, zur 180 Grad Wendung gezwungen wurde. Was man in der nassen Wiese mit dem Hecktriebler gleich einmal mit 30 Sekunden Zeitverlust bezahlte.

Nach kurzer teaminterner Besprechung und Zielvorgabekorrektur knallte Christoph jedoch auf der nächsten Prüfung eine Zeit hin, die dem Potential des Piloten und den immer noch vorhandenen Renngenen des Autos durchaus gerecht wurde.

Auf den weiteren Vormittagsprüfungen musste man dann noch auf einer Prüfung stehenbleiben und der Pilot konnte in sehr kurzer Zeit ein Zündproblem lösen, sodass die Weiterfahrt mit einem Verlust von ca. 1 Minute vollkonzentriert ermöglicht war. Eine sehr ordentliche Mechanikerleistung, Hut ab!

Die Rechnung ging dann am Nachmittag, wo die Prüfungen ein zweites Mal befahren wurden, voll auf. Ohne Zaubertricks, Herumstricken, oder „Start Pendeln bei Sicht Leute“ waren die Zeiten für das alte Auto wirklich sehenswert, sogar eine zehnte Gesamtzeit auf der Prüfung 7 konnte verbucht werden.

Auf der allerletzten Prüfung jedoch, ein 28 km Rundkurs, wäre fast der zweite Mercedes auch noch gebrochen, war doch Uwe Nittel bereits nach Fabelzeiten leider durch technische Unpässlichkeiten nicht mehr im Bewerb.

In der zweiten Runde des Rundkurses liess sich nach einem Abzweig kein Gangwechsel mehr vollziehen. Egal was die Besatzung auch an der Schaltung zu reparieren versuchte, der zweite Gang war eingelegt und nicht mehr herauszubringen.

Also entschloss man sich zur einzig richtigen Massnahme, nämlich mit dem verbliebenen Gang durchzufahren. Eine Peinigung des Motors. Einkuppeln, drehen bis 7000, auskuppeln, rollen ... und das immer und immer wieder.

Gott sei Dank ging der letzte Verbinder nach Geislingen zu 80% bergab und ausserdem war Christoph absolut ruhig und fokussiert. Er wollte wie sein Beifahrer nur Eines: das Ziel dieser Rallye sehen und ein Ergebnis einfahren.

Service, Rampe und Parc Ferme lagen in einem Gesamtbereich von 500 Metern, also wäre das auch ohne Motor und Getriebe kein Problem gewesen. Aber der Benz wollte das Ziel genauso, wie die Besatzung.

Abschliessend ist zu sagen, dass Christoph Weber mit diesem Podestplatz in der H und dem (trotz zahlreicher Probleme) 26. Gesamtrang, eines gezeigt hat: er ist ein hervorragender Autofahrer und ein Problemlöser, der unter Druck Ruhe bewahren und sehr gute Leistungen abliefern kann.

Und da seine Zielsetzung für die nächsten Jahre der Rallye- und Rundstreckensport mit historisch wertvollen Fahrzeugen (sportlich gesehen) ist, so wird man von dem MSV Litschau Gründungsmitglied und seinen Freunden und Teammitgliedern sicherlich noch einiges hören und lesen.

Die nächsten Rallyes mit einem ganz neu aufgebauten Fahrzeug, ebenfalls aus deutscher Produktion, stehen im Herbst auf den Plan. Soviel sei verraten – es werden wieder vier angetriebene Räder sein.

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