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ORM: Schneebergland-Rallye

„Hier wurde der Sport mit den Füßen getreten!“

Jaga Motorsport-Teamchef Hannes Jagarinec kann sich über den 2WD-Sieg von Peter Ebner nicht wirklich freuen und denkt sogar an einen Rückzug.

Rund um den zweiten Platz des direkten Konkurrenten Michael Böhm ist laut Jagarinec einiges nicht mit rechten Dingen verlaufen. Jetzt droht Jagarinec mit dem Rückzug aus der ORM!

Während einige der ORM-Protagonisten die selektiven Schotter-Sonderprüfungen ausließen, war das Jaga Motorsport Team war bei der Schneebergland-Rallye, dem fünften Lauf zur Österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft, mit zwei Boliden am Start: Peter Ebner und Gerald Winter pilotierten den hauseigenen Citroen DS3 R3, Klemens Haingartner fuhr noch einmal mit seinem eigenen Suzuki Swift Sport, als Co-Pilot fungierte Klaus Ostermann.

Für Peter Ebner, der im Vorjahr im Schneebergland recht bald von der Piste flog, ging es heuer vorrangig um eine Zielankunft, wie er im Vorfeld der Rallye erklärte: „Weil ich im Vorjahr so früh ausgefallen bin, ist es eigentlich erst meine erste Schneebergland-Rallye und somit auch meine erste echte Schotter-Rallye – daher möchte ich Erfahrungen sammeln, daher ist das Ziel mein Ziel.“

Teamchef Hannes Jagarinec konnte da nur zustimmen und ergänzte: „Wir haben uns aus Kostengründen auch dazu entschlossen, hier nicht mit der maximalen Power zu fahren und haben ein entsprechendes Motor-Mapping ausgewählt.“

Kein Grip am Vormittag

Auf den sieben Prüfungen am Vormittag, die zu einem großen Teil aus Asphalt-Strecken bestanden, wollte Ebner seine Erfahrung auf dem festen Untergrund ins Spiel bringen, entsprechend höher waren auch die Erwartungen.

Doch der Wolfsberger Fahr-Instruktor stand vor einem Rätsel: „Wir hatten keinen Grip und konnten daher nicht so schnell fahren, wie es möglich gewesen wäre.“ Jagarinec sagt: „Wir müssen das noch analysieren, aber wir haben die Reifen nicht auf die nötige Temperatur gebracht.“ Ebner lag vor dem Mittagsservice auf Gesamtrang acht – in der 2WD-Staatsmeisterschaft lag er rund eine Minute hinter Michael Böhm auf Platz zwei.

Im Mittagsservice wurden die Boliden auf Schotter umgerüstet, ein entsprechendes Schotter-Fahrwerk wurde installiert. Während sich Peter Ebner auf das Sammeln von Schotter-Kilometern konzentrierte, passierte seinem Gegenspieler Michael Böhm ein Malheur…

Auf dem Rundkurs Biegelhof musste Böhm nach einer Runde die Prüfung verlassen – so rückte Peter Ebner vor, der Wolfsberger konnte als Gesamt-Achter den Sieg in der 2WD-Wertung erringen und damit auch in der 2WD-Staatsmeisterschaft die Führung übernehmen…

„Böhm mit illegalem Service“

Allerdings muss sich Ebner diese Position mit Michael Böhm teilen – die Umstände, wie Böhm dann noch Platz zwei der 2WD belegen konnte, ärgern Hannes Jagarinec sehr. „Ich vergönne ihm seine Erfolge, aber wir alle investieren sehr viel Geld in diesen Sport und daher muss es auch fair verlaufen“, sagt der Teamchef.

Genau das ist aber, so empfindet es Hannes Jagarinec, im Schneebergland nicht passiert. Angeblich musste am Wagen von Böhm ein Problem mit der Kupplung behoben werden. Jagarinec jedoch hat eine andere Theorie: „Meine Mechaniker haben gerade noch gesehen, wie das Team von Böhm mit einer Antriebswelle rausfuhr – wir waren leider zu spät, sonst wären wir nachgefahren. Hier wurde also ein illegales Service vorgenommen. Als ich Michael darauf angesprochen habe, sagte er: ‚Hannes, das würdest du auch nicht anders machen!‘ Es hat es also indirekt zugegeben. Da wir es aber nicht beweisen konnten, haben wir auf einen Protest verzichtet.“

Ohne dieses Service wäre Michael Böhm ausgefallen, Ebner würde somit in der 2WD-Meisterschaft einen Vorsprung von 18 Punkten aufweisen und nicht gleichauf mit Böhm liegen.

„Willkür bei den Regeln“

Auch der zweite Platz von Michael Böhm ist für Jagarinec nicht nachvollziehbar: Laut Reglement erhält ein Pilot, der eine Prüfung nicht absolvieren konnte, die Zeit des letzten Piloten zugewiesen, der die SP unter normalen Umständen gefahren ist. Jagarinec sagt: „Das wäre Kurt Adam gewesen. Somit hätte Böhm eine Zeit von 11:30.4 Minuten zugeschrieben werden müssen – dann jedoch hätte er in der 2WD nur Platz vier belegen können und nicht Platz zwei.“

Doch die Rallyeleitung entschied in diesem Fall anders, wie Jagarinec erzählt: „Der stellvertretende Rallyeleiter kam zu mir und erklärte mir, man habe nicht die Zeit von Kurt Adam als Richtzeit herangezogen, weil der schon so alt ist und er langsamer als Daniel Wollinger mit einem Plattfuß gefahren ist. Außerdem würde man neuerdings die Richtzeit des Letzten aus der jeweiligen Klasse heranziehen. Wir haben im Reglement nachgesehen – von all dem ist dort nichts zu finden.“

ORM-Rückzug möglich

Jagarinec ist ob dieser Willkür in höchstem Maße verärgert und überlegt auch einen Rückzug aus der ORM: „Wenn es nicht fair zugeht, müssen wir eben woanders starten – es kann doch nicht sein, dass die Regeln willkürlich ausgelegt werden. Hätte Böhm die Adam-Zeit zugesprochen bekommen, wäre er Vierter in der 2WD geworden und hätte jetzt vier Punkte Rückstand auf Ebner.“

Klemens Haingartner sah übrigens ebenfalls die Zielflagge und belegte in seiner Klasse auch den ersten Platz. Jagarinec lobt: „Er hat es gerade noch ins Ziel geschafft, denn sein Auto war schon ziemlich ramponiert. Aber er ist sehr gut gefahren, wie auch Peter Ebner – prinzipiell bin ich mit der Rallye sehr zufrieden, was unsere Leistung anbelangt. Sport-politisch jedoch ist das Ganze nur noch ärgerlich.“

Motorline.cc wird den Vorwürfen nachgehen und die Verantwortlichen um eine Stellungnahme bitten.

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