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WRC Rallye Polen 2024 Keine Vorbereitung - kein Problem! Kalle Rovanperä siegt in Polen
Motorsport Images

WRC Rallye Polen 2024: Kalle Rovanperä fährt aus dem Stand zum Sieg!

Fast ohne Vorbereitung fährt Ersatzmann Kalle Rovanperä bei der Rallye Polen zum Sieg: Mikkelsen mit Pech am Schlusstag, Sesks mit starkem Debüt

Toyota-Pilot Kalle Rovanperä hat am Sonntag die Rallye Polen, den siebten Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) 2024, gewonnen und damit seinen zweiten Saisonsieg gefeiert. Im Ziel hatte der amtierende Weltmeister einen Vorsprung von 28,3 Sekunden auf seinen Teamkollegen Elfyn Evans. Mit einer erneut konstanten Leistung fuhr Adrien Fourmaux (Ford, + 42,7 Sekunden) auf Rang drei.

Vierter wurde nach einem verhaltenen Start Thierry Neuville (Hyundai). Der Belgier verteidigte damit seine Führung in der WM-Wertung - auch dank das Siegs auf der Powerstage. Martin Sesks (Ford) belegte bei seinem Debüt in der Königsklasse der Rallye-WM einen starken fünften Platz. Andreas Mikkelsen (Hyundai), der lange um den Sieg gekämpft hatte, musste sich nach einem Reifenschaden am Schlusstag mit Rang sechs begnügen.

Gergoire Munster (Ford) und Takamoto Katsuta (Toyota) belegten die Plätze sieben und acht. Gesamtneunter und Sieger der WRC2-Wertung wurde Sami Pajari (Toyota). Mit Oliver Solberg (Skoda) komplettierte ein weiterer WRC2-Pilot die Top 10.

Rovanperä springt kruzfristig

Nach einem frühen Ausfall am Freitag und einem teamintern umstrittenen Rückzug am Samstagnachmittag betrieb Ott Tänak (Hyundai) mit dem Sieg in der Super-Sunday-Wertung, Platz zwei auf der Powerstage und somit insgesamt elf WM-Punkten erfolgreich Schadensbegrenzung.

Rovanperäs 13. WRC-Sieg kam unter außergewöhnlichen Umständen zustande: Ursprünglich hätte der Finne, der in diesem Jahr nur ein Teilzeitprogramm absolviert, in Polen gar nicht fahren sollen. Deshalb hatte er auch nicht am obligatorischen Test teilgenommen und gemeinsam mit Beifahrer Jonne Halttunen auch kein Videostudium der Prüfungen betrieben.

Doch dann wurde Teamkollege Sebastien Ogier bei der Recce im Vorfeld der Rallye in einen Verkehrsunfall verwickelt und musste auf den Start verzichten. Toyota beorderte Rovanperä eilig als Ersatzmann nach Polen, wo er kurz vor dem Start der Rallye die Wertungsprüfungen nur einmal statt wie üblich zweimal im Straßenauto erkunden konnte.

Reifenschäden von Evans und Mikkelsen spielen Rovanperä in die Karten

Erschwerend kam hinzu, dass Rovanperä nicht auf Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückgreifen konnte. Denn als die Rallye Polen 2017 letztmals im Rahmen der Rallye-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde, war der damals 16-jährige Rovanperä noch kein WRC-Pilot.

Rovanperä kompensierte diesen klaren Nachteil aber gut und kämpfte auf den für ihn kaum bekannten Strecken von Beginn an in der Spitzengruppe mit. Auf der fünften Wertungsprüfung übernahm er erstmals die Gesamtführung, ab der zwölften Wertungsprüfung lag er immer in Führung.

Ein langer und spannender Kampf um die Spitze wurde dann durch eine Reihe von Bestzeiten von Rovanperä, aber auch durch das Pech seiner beiden ärgsten Rivalen entschieden. Evans, der zwischenzeitlich bis auf 0,4 Sekunden an den amtierenden Weltmeister herangekommen war, verlor am Samstag auf der 13. Wertungsprüfung durch einen Reifenschaden 8,9 Sekunden.

Sesks beeindruckt im Ford Puma ohne Hybridantrieb

Am Sonntag erlitt Mikkelsen, der die Rallye am Freitag angeführt hatte, auf Platz zwei liegend ebenfalls einen Reifenschaden und verlor rund eine Minute. Damit war der Weg zum Sieg für Rovanperä frei. "Das war eine außergewöhnliche Woche, definitv keine normale. Es war ein hartes Stück Arbeit. Mit dieser Vorbereitung war es sehr schwierig, aber es hat sich gelohnt", sagt der Finne.

Mit Rang zwei, seinem vierten Podiumsplatz in der Saison 2024, wahrte Evans seine Chancen im Titelkampf. Allerdings fährt der Waliser weiter seinem ersten Saisonsieg hinterher und verpasste die Chance, ein Ausrufezeichen zu setzen. Zudem verpasste er Punkte auf der Powerstage, bei der sich Neuville fünf Zähler sicherte. Somit verkürzte Evans den Rückstand nur um drei Punkte.

Ein Ausrufezeichen setzte hingegen Debütant Sesks. Der 24-jährige Lette startet in Polen zum ersten Mal in der Königsklasse der Rallye-Weltmeisterschaft und zum ersten Mal in der Geschichte der Rallye-Weltmeisterschaft in einem Rally1-Auto ohne Hybridantrieb. Der Einsatz solcher Fahrzeuge wurde vor der Saison 2025 erlaubt, allerdings muss das fehlende Gewicht der Hybrid-Einheit durch Ballast ausgeglichen werden.

Doch von mangelnder Erfahrung und fehlender Zusatzleistung durch den Elektromotor war bei Sesks wenig zu spüren. Am Freitag kämpfte er munter in der Spitzengruppe mit und zeigte insgesamt eine routinierte und fehlerfreie Leistung.

Die (nach heutigem Stand) einmalige Rückkehr der Rallye Polen wurde von Zwischenfällen mit Zuschauern überschattet, die sich an unsicheren Stellen aufhielten. Deshalb mussten zwei Wertungsprüfungen abgesagt und zwei weitere zeitweilig unterbrochen werden.

In der Fahrerwertung führt nach sieben von 13 WM-Läufen weiter Neuville mit 136 Punkten vor Evans (121) und Tänak (115). In der Herstellerwertung behauptet Hyundai mit 311 Punkten die Spitze vor Toyota (301) und M-Sport (156).

Weiter geht es in der WRC-Saison 2024 vom 18. bis 21. Juli mit der Rallye Lettland, die erstmals Teil der Rallye-Weltmeisterschaft ist.

Motorsport-Total.com

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