RALLYE

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
Rallye: Kommentar

„Quo Vadis Veritas“-Theorie & Praxis: Nichts als die reine Wahrheit?

Herr Mateschitz möchte uns mit seinem Projekt „Quo Vadis Veritas“ näher an die Wahrheit bringen. Doch was geschieht, wenn diese unerwünscht ist?

Kommentar von Michael Noir Trawniczek

„Quo Vadis Veritas“ („Wo gehst du hin, Wahrheit?“) heißt eine internationale publizistische Mulimedia-Rechercheplattform, die von Dietrich Mateschitz über eine gemeinnützige Privatstiftung ins Leben gerufen wurde. Auf dieser soll ein „vollständigeres Bild der Wirklichkeit“ geschaffen werden. Den Konsumenten dieser Plattform soll „eine zusätzliche Möglichkeit geboten werden, näher an die Wahrheit heranzukommen, indem Informationen geliefert, aber keine Meinungen ausgebreitet werden“, hieß es in einer Presseaussendung. Im Zuge eines Interviews mit der Kleinen Zeitung erklärte Mateschitz: „Es scheint schon so, dass sich niemand mehr die Wahrheit zu sagen traut auch wenn jeder weiß, dass es die Wahrheit ist.“

In dem sechsseitigen Gespräch übt Mateschitz Kritik an einem „Meinungsdiktat des politisch Korrekten“ und an „politischen Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen bei der Nichtbewältigung der Flüchtlingswelle“. Eine „selbst ernannte sogenannte intellektuelle Elite“ wolle „den unmündigen, kritiklosen und verängstigten Staatsbürger. Metternich war ein Lehrbub gegen das, was heute passiert. Das ureigenste aller Menschenrechte ist das auf Eigenverantwortung, und das nehmen sie dir. Sie manipulieren, reglementieren, überwachen, kontrollieren“. Seine Gesprächspartner, Kleine Zeitung-Chefredakteur Hubert Patterer und Gerhard Nöhrer konstatieren prompt: „Sie reden wie ein Wutbürger!“

Und fragen den reichsten Österreicher, ob er seine Eckpfeiler „Individualismus und Nonkomformismus“ auch in seinem Unternehmen zulassen und wie er mit Widerspruch von Mitarbeitern umgehen würde. Mateschitz antwortet: „Im Berufsleben allgemein, so auch bei uns, geht es primär um Fakten, um Analysen, Planung, Umsetzung. Also um richtig oder nicht richtig, da bleibt für Meinung und Befindlichkeit wenig Platz.“ Vor nicht allzu langer Zeit hat Mateschitz seinen TV-Sender als „wirtschaftlich untragbar“ bezeichnet und kurzfristig aufgelöst, weil Mitarbeiter einen Betriebsrat installieren wollten – erst nach einem offenen Brief der Belegschaft, wonach man keinen Betriebsrat wünsche, nahm der Salzburger seinen Beschluss zurück…

Ist also jene „Wahrheit“, die Herr Mateschitz uns näherbringen möchte, dann doch wieder nur eine von vielen? Weil es dann doch eine „Wahrheit“ sein muss, die ins Konzept des Energy Drink-Konzerns passt? Mateschitz möchte mit seinem Projekt auch andere Medien ermutigen, „näher an die Wahrheit“ zu gelangen. Was aber, wenn diese Wahrheit in Fuschl so gar nicht ins Konzept passt, weil die hauseigene Inszenierung darunter leiden könnte?

Die heimische Rallyeszene hat in den letzten Tagen und Wochen quasi ein „Meisterstück“ erleben dürfen, wie man in Fuschl mit der Wahrheit umzugehen bereit ist, wenn diese gerade unerwünscht ist, weil sie im hauseigenen Fernsehsender punktgenau und mit möglichst großem „Wow“-Effekt präsentiert werden soll...

Hat man in den letzten Tagen und Wochen jemanden aus der Rallyeszene gefragt, ob es wirklich stimmt, dass Raimund Baumschlager bald schon, im Rahmen der Wechselland-Rallye ein VW Polo World Rally Car zünden werde, wurde man ausgelacht, denn das sei schon lange bekannt. Mittlerweile weiß praktisch jeder, dass am Montag im Hangar 7 das neue Projekt vorgestellt wird – den Medien jedoch wurde unterstellt, sie würden mit der Veröffentlichung dieser Fakten „das Projekt gefährden“. Das will freilich keiner…

„Es scheint schon so, dass sich niemand mehr die Wahrheit zu sagen traut auch wenn jeder weiß, dass es die Wahrheit ist“ – die eingangs zitierten Worte von Dietrich Mateschitz wirken in diesem Zusammenhang schal und bitter. Doch wir trauen uns – zumal es schwer vorstellbar ist, dass wegen des vorliegenden Artikels noch übers Wochenende dieses an sich großartige Projekt „gestanzt“ wird…

Ähnliche Themen:

News aus anderen Motorline-Channels:

Weitere Artikel:

ARC Rallye Triestingtal: Youngsters am Start

Österreichs schnellste Jungpiloten beim ARC-Auftakt im Triestingtal

Mit Marcel Neulinger und Maximilian Lichtenegger starten die zurzeit schnellsten Jungpiloten des Landes beim Saisonauftakt der Austrian Rallye Challenge. Das große Comeback des Rallyesports im Triestingtal wird auf Asphalt-Sonderprüfungen mit Flair und Geschichte abgehalten.

ARC Rallye Triestingtal: Kompakter Zeitplan

Kompakte Eintages-Rallye als ARC-Opener

Neun Sonderprüfungen in einem kompakten Zeitplan warten auf die Teams der ARC Rallye Triestingtal (27. & 28. Februar). Die Fans können sich auf sechs attraktive Zuschauerpunkte freuen…

Dämpfer, Federn & Rätsel

Hyundai verzweifelt in Schweden

Hyundais Rallye-Team steht in Schweden vor einem Rätsel - Kein Speed trotz intensiver Vorbereitung - Selbst radikale Änderungen beim Set-up helfen kaum

Sepp Pointinger im Interview

„Hätten 10-15 Historische mehr!“

Rallye-„Urgestein“ Sepp Pointinger erzählt von seinem Start bei der Monte Historique, erklärt warum er seit 2011 nicht mehr in Österreich startet und bringt einen Vorschlag zur Bewertung von Sitzen, Gurten und dergleichen ein.

Erstmals seit 2012 startet Manfred Stohl wieder bei einer heimischen Rallye - Noir Trawniczek blickt zurück auf seine erste Begegnung mit einem der großen Charakterköpfe dieses Sports.

WRC Rallye Schweden: Nach Tag 2 (SP8)

Katsuta führt knapp vor Evans im Toyota-Duell

Toyota-Dreifachführung am Freitag in Schweden: Takamoto Katsuta liegt knapp vor Elfyn Evans - Oliver Solberg unterschätzt die schwierige erste Startposition