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Individualisten-Express

Höhergelegte Allrad-Kombis sind zahlreich, aber nur Volvo bietet mit dem S60 Cross Country eine Crossover-Limousine an. 190-PS-Diesel im Test.

Georg Koman

Schweden sind gern ein wenig anders und betonen ihren Individualismus. Da macht Volvo keine Ausnahme, zum Glück auch nicht unter chinesischer Oberhoheit.

Der schlaue Li Shu Fu spielt nämlich nicht den Diktator, sondern lässt den wilden Nordmännern ihren Spielraum - und verwendet die moderne Schweden-Technik auch für seine Hauptmarke Geely.

Stichwort Individualismus: Der Volvo S60 Cross Country ist nicht nur die einzige höhergelegte Allrad-Limousine im Heer der Kombis namens "Allroad", "Country Tourer", "Forester" etc., sondern bietet dazu auch noch einen Fünfzylinder-Motor an.

Ein solcher geht mit seinem charakteristisch blubbernden Sound locker als "Volks-Achtzylinder" durch, auch beim Diesel ist diese Klangnote unüberhörbar. In Zeiten des Downsizings und scharfer Abgas-Gesetzgebungen wurde er von vielen Herstellern aber gestrichen.

Künftig auch bei Volvo, wo man sich komplett dem Vierzylinder verschrieben hat. Vorerst gibt es ihn aber noch, den Reihenfünfer, auch wenn er bei Volvo D4 heißt. Denn die Zahl nach dem Buchstaben, der für Turbo-Benziner (T) oder Diesel (D) steht, verstehen die Schweden mehr als Leistungshinweis, quer durch die Modellpalette reicht er zylinderunabhängig von drei bis acht.

Autos höher zu legen hat bei Volvo - abseits der SUV-Palette - sowieso Tradition. Im Jahr 1997 war der V70 XC das erste diesbezügliche Modell, damals natürlich ein Kombi. Bis heute vertrauen Leute, denen SUV schlicht unnötig erscheinen, auf solche höhergelegten Normal-Allradler. Aber warum eine Limousine? "Warum nicht?", kontert man wohl augenzwinkernd bei Volvo.

Zwei objektive Vorteile hat der S60 Cross Country gegenüber seinem ebenfalls erhältlichen Kombi-Bruder V60 Cross Country: Die Limousine ist um rund 2.000 Euro preisgünstiger und ihre Karosserie ist bauartbedingt steifer - das erhöht die Handling-Präzision und senkt die Vibrationen.

Zwar ist die Seitenneigung aufgrund der satten Höherlegung um 6,5 Zentimeter etwas ausgeprägter als beim Normal-Modell, aber in Sachen Fahrdynamik hält der Cross Country absolut mit. Die Komfort-Abstimmung ist ebenfalls gut gelungen.

Die Bremsen sind sehr wirksam, die Lenkung kann man mit Fug und Recht als präzise bezeichnen. Einziger Nachteil des quer eingebauten Fünfzylinders: Er sorgt für einen recht großen Wendekreis.

Der Einstieg gelingt aufgrund der Höherlegung auch weniger geschmeidigen Personen leicht, Raum-Riese ist der S60 aber keiner. Vorn geht es noch ganz gemütlich auf dem üppig dimensionierten Gestühl zu, hinten heißt es hingegen zusammenrücken. Die Kopffreiheit ist recht gering, die Sicht nach hinten und schräg hinten eher bescheiden.

Das Ladeabteil liegt mit 380 Litern auf Kompaktklassennievau, für ein 4,54 Meter langes Auto ziemlich mau. Auch ist die Ladeöffnug klein geraten. Immerhin kann man die Fondlehnen umlegen und die dann entstehende, vernünftig dimensionierte Durchlade-Möglichkeit nützen. Gegen Aufpreis lässt sich auch die Beifahrersitzehne umlegen.

Der 190-PS-Diesel geht vibrationsarm, bullig (420 Nm Drehmoment schon ab 1.500 Touren) und mit ureigenem Fünfzylinder-Sound ans Werk, die Automatik konterkariert seine Bemühungen ein wenig durch ihre trägen Reaktionszeiten.

Dennoch geht es in zügigen 8,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, das eine oder andere Schlückchen gönnt sich der Fünfzylinder dabei durchaus: 6,6 Liter im Test sind natürlich akzeptabel, im Vergleich zu einem gleich starken Vierzylinder aber doch ein guter halber Liter mehr.

Der Volvo S60 Cross Country ist ausschließlich in der Topausstattung "Summum" erhältlich. Diese umfasst unter anderem Lederpolsterung mit feinen Kontrastnähten, E-Fahrersitz, 18-Zoll-Alufelgen, ein digitalisiertes Instrumentenpanel in drei verschiedenen Designs, eine sehr ordentliche Soundanlage und einen City-Notbremsassistent.

Weitere Assistenzsysteme und viel Luxus finden sich in der Extraliste. Immer wieder Freude macht die Leuchtkraft der Volvo-Scheinwerfer. Egal, welches Modell, mächtig viel Licht verbreiten sie alle.

Der S60 Cross Country ist zwar um rund 2.000 Euro günstiger als sein Kombi-Bruder, insgesamt ist das Crossover-Vergnügen aber kein billiges: 3.200 Euro beträgt der Aufpreis zum vergleichbaren Normal-S60, absolut gesehen sind - feine Ausstattung inklusive - 47.490 Euro fällig.

Plus:
+ laufruhiger Motor mit einzigartigem Fünfzylinder-Sound
+ ordentliche Bodenfreiheit, souveräner Allradantrieb
+ gute Verarbeitung, feine Materialien
+ komplette "Summum"-Ausstattung
+ individualistisch-fesches Design

Minus:
- kleiner Kofferraum
- wenig Sicht nach hinten

Resümee:
Der Volvo S60 Cross Country ist eine nette Crossover-Alternative für Individualisten, die keine Mountainbikes oder ähnlich raumintensive Hobbygeräte spazieren führen. Für leichte Offroad-Ausflüge brauchbare Karosserie-Höherlegung, cool klingender Fünfzylinder-Diesel.

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