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Sport im SUV

Mercedes möchte sportlicher werden, ohne konservative Stammkunden zu vegraulen. Ein Spagat, der dem GLC Coupé gelingen muss.

Jürgen Zöllter/mid

Mittelfristig sollen alle Mercedes-Baureihen einen sportlichen Vertreter bekommen, der sich nicht zwangläufig über höhere Motorleistung definiert.

Nein, vielmehr muss es reichen, ein wenig dynamischer auszusehen und ein wenig agiler zu fahren als die Mainstream-Version. Ein eigenständiger Charakter sei Pflicht!

Wie exklusiv dieser im neuen Mercedes GLC Coupé ausfällt, ergründen wir auf einer Ausfahrt mit GLC-Baureihenleiter Michael Kelz in einem Vorserien-Fahrzeug.

Erster Eindruck: Das GLC Coupé baut mit 1.701 Millimeter deutliche 40 Millimeter niedriger als der "gewöhnliche" GLC SUV. In Folge sind die Seitenfenster (bei gleich hoher Gürtellinie) flacher, die Frontscheibe liegt etwas stärker geneigt, der Dachverlauf fällt nach hinten mehr ab, der Hecküberhang baut 75 Millimeter länger.

Das Heck mit eingezogenen C-Säulen, gewölbter Dachpartie und Scheibe darf als Schokoladenseite gelten. Doch die Schönheit hat ihren Preis. Sie führt zu 80 Litern weniger Kofferraumvolumen (hier 500 Liter) und zu dramatisch eingeschränkter Rücksicht. Aber auch zu geschmeidigen Rundungen.

Immerhin wird zur Verbesserung der Rücksicht serienmäßig eine Rückfahrkamera verbaut. Die gegenüber dem GLC SUV verschlankte Karosserie des GLC Coupé auf 20-Zoll-Mischbereifung (255/45 vorn, 285/40 hinten) verleiht dem Wagen eine erkennbar sportliche Note. Wenngleich die Klassifizierung des Viertürers als Coupé ein fragwürdiges Marketing-Idiom bleibt.

Wir steigen ein und nehmen 15 Millimeter weniger Kopffreiheit zur Kenntnis. Künftigen GLC Coupé Fahrern sei deshalb ein sportlicher Haarschnitt empfohlen. Hut-Träger sollten einen anderen Mercedes wählen.

Auch wer gern ein Sonnendach zum Himmel öffnet, wird mit dem GLC Coupé nicht glücklich werden. Seine nach hinten fliehendes, relativ stark gewölbtes Dach lässt dessen Einbau nicht zu. Damit auch Mitfahrer bis 180 Zentimeter Körpermass im Fond sitzen können, ohne dass ihnen das Dach auf den Kopf "fällt", sitzt man dort 10 Millimeter tiefer als im GLC SUV.

Hatte das Designteam um Gordon Wagener noch die Freiheit, viele Karosserieteile für die Eigenständigkeit des GLC Coupé neu zu gestalten, durften die Entwickler von Fahrwerk und Antriebsstrang nur mit gebremstem Schaum an den sportlichen Ableger des Mittelklasse SUV gehen.

Wie dieser baut das GLC Coupé auf die tragende Technik der Mercedes E-Klasse: Deren Vorderwagen, Bodengruppe und Fahrwerk bilden die sogenannte MRA (Mercedes Rearwheel Architecture). Die gesamte Elektrik mit Interieur-Baugruppen dagegen stammt aus der Mercedes C-Klasse. Somit ist auch das GLC Coupé für den Einbau des Hybrid-Antriebsstrangs vorbereitet, der schon heute im C 350 e arbeitet.

Wir sind unterwegs im GLC 300 Coupé, dessen aufgeladener 2,0-l-Vierzylinder 245 PS bereitstellt. Und Michael Kelz lässt es fliegen! Rasch wechselt das Neungang-Automatikgetriebe die Stufen und quittiert die Aktionen mit einem trockenen "Plopp". Unter Last macht das Triebwerk unüberhörbar Druck. Nicht laut, aber bemüht kernig.

Geht Kelz abrupt vom Gas, brabbelt es aus der Abgasanlage wie einst das "Backfire" von Sportmotoren. Ein Klappensystem intoniert die Sportlichkeit. Kelz ist gut gelaunt, zwingt das viertürige Coupé rasant in Kurven und weist auf die direkte, vollelektrische Lenkung hin. Sie sei schärfer justiert als im Mainstream-GLC, kommentiert er.

Auch die nur im Coupé angebotenen Sportsitze fallen auf. Sie geben guten Seitenhalt, sind vielfach verstellbar. "Als Dauerfahrprogramm für das GLC Coupé haben wir die Sport-Abstimmung gewählt", grenzt Kelz die Positionierung das Coupés gegenüber dem GLC SUV ab.

Wie in allen Mercedes Pkw (außer den AMG-Modellen) schickt der permanente Allradantrieb auch hier 45 Prozent der verfügbaren Motorleistung nach vorn und 55 Prozent zur Hinterachse.

Grundsätzlich bietet auch das GLC Coupé die aus dem SUV bekannten Fahrdynamik-Modi Comfort, Sport und Sport Plus. Wobei in Comfort das frühe Hochschalten der Automatik, die Integration des Start-Stopp-Systems und der "Segelfunktion" zu einer besonders Sprit sparenden Fahrweise verhelfen.

Andererseits sind die Kennlinien für Gasannahme, Schaltprogramm und Fahrwerksdämpfung in Sport Plus schärfer ausgelegt als im Schwestermodell. Übrigens wird nur in diesem die sportliche Fahrweise akustisch verstärkt untermalt.

Das etwas trockenere Einfedern des neuen GLC Coupé, das die Sportlichkeit stützt, geht aufs Konto des hier verbauten Dynamic Body Control Systems mit elektro-hydraulisch aktivierter Stahlfeder-Verstelldämpfung.

Das aus dem GLC SUV bekannte Luftfeder-Fahrwerk Air Body Control für komfortbetontes Fahren wird nicht angeboten. Somit kann auch das nur damit mögliche Offroad-Paket nicht bestellt werden.

Zur Markteinführung in wenigen Monaten bietet Mercedes das Coupé außerdem als GLC 250 (Benziner) und GLC 350 mit V6-Dieselaggregat an. Bis Ende 2016 werden ein 200er Benziner, die beiden Dieselvarianten GLC 200 und GLC 220 sowie der erwähnte GLC 350 e folgen.

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