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Langstrecken-Express

Mit dem Golf GTD Variant haucht VW nun auch einem Diesel-Kombi Herz und Seele ein. Ob Diesel richtig Spaß machen kann, haben wir erprobt.

Fabian Bonora

Ein bisschen Skepsis war beim ersten Einsteigen in den VW Golf GTD schon dabei. Diesel-typischer Drehzahlmesser, grauer Innenraum, kein Race-Modus.

Doch bei genauerem Hinsehen sieht die Welt schon anders aus: große Bremsanlage mit eindrucksvollen, roten Bremssätteln, das obligatorische Karo-Muster und noch ein abgeflachtes Sportlenkrad. Spätestens beim Starten des Triebwerks waren dann alle Zweifel weg, der GTD Variant macht nicht nur auf sportlich, er ist es.

Der GTD Variant vereint optisch wohl den besten Kompromiss aus Dynamik und Schlichtheit von den sportlichen Wolfsburgern. Was wäre ein GTI ohne die Karo-Sitze? Obwohl: Im GTD kommt das charakteristische Muster der Sitze in schlichtem Grau. Im Innenraum ganz typisch VW: gute Übersicht, großes Display und klare Instrumente. Ein Sportlenkrad aus Leder mit 18 Knöpfen warten auf den Einsatz. Aber ansonsten alles kühl und elegant.

Dynamisches Understatement auch außen: Mit der Wabenstruktur im Grill und einer markante GTI-Frontstoßstange macht der GTD auf subtil, aber doch augenfällig. Deutlich sticht zwar die GTI-Front hervor, doch wirkt sie unauffälliger, da die „Flaps“ in der Schürze in dunklem Schwarz gehalten werden.

für den Stammtisch: Der Diesel-Sportler ist, genau wie sein Ikonen-Bruder GTI, um 15 Millimeter tiefer gelegt am Heck gibt es zwei verchromte Endrohre.

In Wolfsburg nimmt man das Sportpotenzial der diesel-befeuerten Sportlers sehr ernst. Die Diesel-Top-Motorisierung, intern „EA-288“ genannt, auch bekannt als der stärkste Golf-Diesel aller Zeiten, findet nun auch im GTD Variant ihr zuhause.

Mit 184 PS und 380 Nm steht die Tachonadel nach 7,9 Sekunden auf 100 km/h und wandert dann munter weiter bis Tempo 231.

Besonders im unteren Drehzahlbereich hat man durchgehend Druck, Turboloch Fehlanzeige. Durchzug und Elastizität sind souverän, auch bei Autobahntempo will der GTD Variant stets nach vorne. Nicht zuletzt wegen des grandiosen, zugkraftunterbrechungsfreien DSG-Getriebes, für Puristen gibt es trotzdem noch einen Handschalter.

Besonders erwähnenswert ist der Sound. Richtig gelesen. Der GTD lässt ab 3.000 Umdrehungen alle Hemmungen fallen und der Wolfsburger beginnt zu böllern. Am Anfang ist man noch ganz überrascht von soviel Soundkulisse, gewöhnt sich jedoch sehr schnell daran und erwischt sich beim munteren Zurückschalten. VW hat beim Sounddesign ganze Arbeit geleistet, denn bei Spritspardrehzahlen ist das Aggregat ruhig und zivilisiert, nur wenn man will, faucht der GTD heiser und dumpf.

Ähnlich sportlich angehaucht ist das Fahrwerk. Sollte ein engagierter Hobbyrennfahrer am Steuer sitzen und etwas motiviert beim Anbremsen sein, kommt sogar dem sonst so sicher abgestimmten VW ein klein wenig das Heck. Bis zum letzten Grad Schräglaufwinkel bleibt das Fahrverhalten des GTD neutral, im allerschlimmsten Fall schiebt er dann, konstruktionsbedingt, über die Vorderachse.

Was da fehlt? Allrad! Den gibt’s beim GTD Variant leider nicht. Die Traktion bleibt allerdings immer noch blendend, obwohl das elektronische Sperrdifferential gerade aus engen Kurven mit dem hohen Drehmoment alle Hände voll zu tun hat. Trotzdem: das Zusammenspiel der kompletten Einheit garantiert ein sehr breites Grinsen. Auch Diesel kann Spaß machen!

Dennoch bleibt auch der Verbrauch ein Thema: VW lobpreist einen 4,4-Liter-Schnitt nach ECE-Norm. Uns fehlten die Testkilometer, aber bei zurückhaltender Autobahnfahrt ohne Überholorgien sollte ein mittlerer Fünfliter-Schnitt realistisch sein. Bei motivierter Fahrweise kann der Bordcomputer aber auch eine Acht vors Komma schreiben.

Spritknauserer-Image hin oder her, den GTD Variant gibt’s um 33.480 Euro als Handschalter (mit DSG: 35.980 Euro). Beim Händler steht der Langstrecken-Express ab Juni 2015.

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