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Neuer BMW 7er - erster Test

Fingerspitzengefühl

Trotz üppiger Maße lässt sich der neue 7er BMW leicht und präzise dirigieren. Dank Serien-Luftfederung und elektronischer Dämpferkontrolle.

mid/wal

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Wer im neuen 7er BMW unterwegs ist, sollte bei Gesprächen am Telefon oder mit dem Beifahrer möglichst nicht mit den Händen sprechen.

Andernfalls erlebt er, wie die Gestiksteuerung plötzlich die Lautstärke aufdreht oder den Sender wechselt. Das ist nicht die einzige Überraschung nach der ersten Ausfahrt im neuen Flaggschiff der weiß-blauen Marke, das im Oktober anrollt.

Schon der erste Rundgang ums Auto fällt auffallend unspektakulär aus. In zwei Ausführungen streckt sich die Karosse auf 5,10 oder 5,24 Meter. In beiden Fällen wirkt das Design zeitlos und geradlinig.

Am stärksten schiebt sich die Front mit vergrößertem Grill, erstmals mit aerodynamischer Luftklappensteuerung, angeschnittenen Doppelscheinwerfern als Voll-LED oder Laserlicht sowie der daran nahtlos angeschlossenen Motorhaube ins Bild.

Die nach außen gewölbten Seiten werden durch zwei markante Sicken konturiert, das Heck durch die L-förmigen Rückleuchten und einen Chromsteg in die Breite gezogen.

Überhaupt trägt der neue 7er reichlich Chrom auf. Fensterrahmen, Außenspiegel, hintere Radhäuser, selbst am Auspuff blinkt und strahlt es silbern. Je nach Modellvariante kommt die Limousine ab Werk mit 17 oder 18 Zoll großen Leichtmetallrädern, gegen Extra-Euros sind bis zu 21-Zoll-Räder möglich.

Im Innenraum erwartet die Passagiere eine Mischung aus vertraut sportlichem Ambiente und betont komfortablem Luxus.

Oberflächen, Schalter, Regler, Griffe, überhaupt alles, was man anfasst, strahlt schon in der Grundausstattung hochwertige Qualität und detailgenaue Verarbeitung aus.

"Wir haben bei der Gestaltung keine Fläche unberührt gelassen", sagt BMW-Chefdesigner Adrian van Hooydonk. "Sie werden hier keinen schwarzen Kunststoff finden."

Dafür gibt es jede Menge innovative Technologie wie etwa die Gestiksteuerung, die BMW als erster Hersteller überhaupt in einem Fahrzeug einsetzt. Ein Fingerkreiseln vor dem Monitor in der Mittelkonsole - und die Lautstärke geht rauf oder runter.

Streichen Zeige- und Mittelfinger imaginäre Anführungszeichen in die Luft, dann wechselt der Radiosender. Und bei den ankommenden Telefonaten reicht ein hin- und herwischen, um es anzunehmen oder abzulehnen.

Daneben gibt es noch die bewährte Sprachsteuerung, die nun auch komplexe Sätze und Anweisungen versteht. Und - nun schon fast ein Klassiker - die iDrive-Bedienung per Dreh-Drück-Schiebe-Knopf inklusive Trackpad oder nun auch direktes Antippen auf dem Bildschirm.

Ein Novum ist das "Touch Command" (Bild links oben), das aus einem herausnehmbaren Tablet besteht, das die Steuerung von Komfort-, Klima- und Kommunikation von allen Plätzen aus und auch außerhalb des Wagens ermöglicht.

Ohnehin ist der neue 7er ein rollender Computer mit WLAN-Hotspot für bis zu zehn Geräte und kabelloser Smartphone-Aufladung. Für weiteren Komfort sorgen je nach Ausstattung 4-Zonen-Klimatisierung, Komfortsitze mit Belüftung und Massagefunktion, Ambiente-Beleuchtung, ein Duftsystem sowie ein exklusiv für die Langversion, aber nicht nur für China, ausfahrbarer Lounge-Liege-Sessel hinter dem Beifahrersitz mit Massage und Fußstütze.

Großes Kino ist auch das ferngesteuerte Einparken, das im neuen BMW 7er ebenfalls seine Weltpremiere erlebt (Bild rechts). Dabei muss der Wagen mittig gerade vor der ausgewählten Parklücke positioniert werden.

Dann steigt der Fahrer aus, drückt auf den ebenfalls neuen Display-Schlüssel und der Wagen rollt mit angeklappten Spiegeln in die Parklücke - was tadellos funktioniert.

Der viele (Extra-)Luxus geht aber nicht nur ins Geld, sondern drückt auch aufs Gewicht. Was bei einem Hersteller, der sich dem sportlichen Fahren verpflichtet fühlt, zum Problem werden könnte.

Das Dilemma lösen die Bayern mit einem Carbon-Stahl-Materialmix, der gegenüber dem Vorgänger bis zu 130 Kilogramm einspart. Im Falle des Basisbenziners 740i mit 240 kW/326 PS bedeutet das gerade mal 1,8 Tonnen und auch beim entsprechenden Diesel 730d nur 30 Kilogramm mehr. Was auf der Straße unmittelbar zu spüren ist.

Denn trotz der üppigen Maße lässt sich selbst die Langversion überraschend leicht und präzise dirigieren. Serienmäßig verfügt der neue 7er über eine Zwei-Achs-Luftfederung und elektronische Dämpferkontrolle inklusive Fahrerlebnisschalter.

Je nach Modus betonen Lenkung, Gasannahme und Federung damit stärker den Fahrkomfort oder das sportlich agile Handling - auch wenn sich manch einer im Sportmodus noch eine straffere Trimmung und Lenkung wünschen würde.

Dabei ist es fast schon gleichgültig, welches Aggregat unter der mächtige Motorhaube arbeitet. Schon der Einstiegsdiesel 730d (Österreich-Preis: 96.000 Euro), ein seidenweich laufender Reihensechszylinder mit 195 kW/265 PS, entwickelt mit seinen 620 Nm Drehmoment ab 2.000 Touren genügend Schub, um die Fuhre mühelos und souverän voran zubringen.

Das Topmodell 750i xDrive mit 330 kW/450 PS starkem V8-Benziner beschleunigt zwar in 4,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h noch 1,5 Sekunden schneller, muss den Diesel mit seinem Fabel-Verbrauchswert von 4,5 Litern auf 100 Kilometer (119 g/km CO2) dafür an der Tankstelle ziehen lassen.

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