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Kommentar: Pro und Contra Carsharing

Gut gemacht statt gut gemeint

Carsharing ist in Großstädten an sich eine vernünftige Idee. Die aber nur dann boomen kann, wenn sie auch wirklich verlässlich funktioniert.

Konrad Winterstein/mid

Ungezählte Stunden pro Jahr steht der moderne Mensch dumm herum. Da er dazu wie die anderen vor, neben und hinter ihm sein Auto mitbringt, heißt diese Zeitverschwendung "Stau". Und hat er dann den Stau gemeistert, steht wenig später sein Auto allein dumm herum. Und blockiert Parkraum. Das tut es im Durchschnitt 23 Stunden pro Tag, hat die Unternehmensberatung Roland Berger ermittelt und prognostiziert Anbietern geteilter Mobilität für die Zukunft gute Geschäfte.

Um bis zu 35 Prozent pro Jahr sollten die Umsätze jener Unternehmen zulegen, die Mitfahrgelegenheiten oder Taxi-Dienste organisieren oder funktionierende Angebote zur gemeinsamen Nutzung von Autos anbieten, sprich: Carsharing. Das ist in Großstädten an sich eine vernünftige Idee.

Die Carsharing-Idee kann aber nur boomen, wenn sie verlässlich funktioniert. Das vorbestellte Auto muss also wirklich am Flughafen oder am Bahnhof stehen. Im Idealfall ist dann auch noch mehr als ein Rest-Schluck Sprit im Tank und es riecht drinnen nicht allzu streng.

Und später dann gibt es kein Gemecker, weil sich nicht feststellen lässt, ob die Beule vorn links nicht schon drin war. Denn weil der Flieger oder die Bahn Verspätung hatten, hat der Fahrer natürlich nicht vor dem Einsteigen das Auto umrundet und etwaige Beschädigungen notiert. Wird ja schon nix sein, der Mensch ist ja im Kern gut. Erst recht der, der Carsharing-Angebote nutzt.

Bleibt zu hoffen, dass die Berger-Berater ihren Kunden genau diese Probleme aufzeigen. Laienhaft umgesetzte Angebote schaden der guten Idee nämlich, weil gut gemeint in der Regel das Gegenteil von gut gemacht ist. Wer keinen Alltagswagen finanziert, muss Geld sparen. Und wer sein eigenes Auto mit anderen teilt, muss Geld verdienen. Der Verzicht auf ein Auto, das jederzeit verfügbar ist, muss sich eben lohnen. Denn so gut ist der Mensch eben doch nicht, zumindest nicht in der Mehrzahl, welche die Carsharing-Idee braucht.

Auto-Liebhaber müssen sich ja deswegen nicht von ihrem Old- oder Youngtimer trennen. Der steht länger als 23 Stunden pro Tag ungenutzt in der Garage, wo er keinen öffentlichen Parkraum blockiert. Aber er wärmt das Herz seines Besitzers, wenn der nur an genau dieses Auto denkt.

Hin und wieder dann kommt das gute Stück an die Sonne und darf sich austoben im Ländlichen. Dort, wo noch die schönen Straßen sind. Und wo es vorm Gasthof noch jede Menge freier Parkplätze gibt. Weil dort kaum noch einer wohnt, weil es eben alle in die großen Städte zieht.

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