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Zwergenhulk

Mit 207 PS geht der Opel Corsa OPC in die nächste Runde im Kampf um den sportlichsten Kleinwagen. Wir nehmen den Kraftzwerg unter die Test-Lupe.

Bernhard Reichel

Beharrliche Weiterentwicklung wird im Autobau gern gesehen, vor allem bei der Suche nach nachhaltigem Fahrspaß. Die Gene unseres giftgrünen Corsa OPC stammen noch vom 2007er Corsa D und vor allem dessen späteren OPC-Sondermodell "Nürburgring Edition".

Seine mechanische Differenzial-Lamellensperre als Alleinstellungsmerkmal ist nun auch für den normalen OPC zu haben. "Recaro", "Brembo", "Koni", "Drexer": an delikaten Ingredienzien und Geschmacksverstärkern spart Opel nicht. Damit wird der freche Bolide endgültig zur Geheimwaffe unter den kleinen Knallkörpern.

Sein 1,6 Liter großes Turbotriebwerk leistet nun 207 PS, die aber auch weiterhin auf stimulierendes 100 Oktan-Elixier abgestimmt sind. Vermutlich würde aber nur Walter Röhrl den Unterschied zum normalen 98 Super Plus spüren.

Die maximale Leistung steht zwar erst bei 5.800 Umdrehungen an, das maximale Drehmoment von 280 Nm dafür schon früh zwischen 1.900 und 5.800 U/min. Das niedrige Leergewicht von nur 1.203 Kilo spielt da wunderbar mit. Tempo 100 erreicht man schon nach 6,8 Sekunden und erst bei flotten 230 km/h ist Schluss mit Lustig.

Optisch fällt vor allem die angetäuschte Lufthutze auf der Motorhaube auf, sowie der Wegfall der Kiemen an Front- und Heckschürze. Das Heck mit zwei Auspuffenden rechts und links statt eines mittigen Elefantenrüssels kennen wir von der "Nürburgring Edition", das hilft der Breitenwirkung - beim Sound und bei der Optik.

Jammerschade ist jedoch der Wegfall der toll designten Rückspiegel im Carrera-GT-Look. Zu haben ist der Flitzer weiterhin nur als sportlicher Dreitürer.

Auch im Innenraum lebe der Sport: Sportsitze Sportlenkrad, Sportschaltknauf, Sportpedalerie. Zum Glück blieb es beim klassischen Zündschlüssel und auch einen manuellen Handbremshebel bekommt man im Jahr 2016 noch.

Die Gänge des manuellen Sechs-Gang-Getriebes lassen sich wunderbar einlegen und verwalten. Das Turbotriebwerk geht überaus druckvoll an die Arbeit, was die Vorderreifen schnell und gerne durchdrehen lässt - vor allem bei Nässe.

Das Fahrwerk liegt traumhaft straff auf der Straße, eine sehr mutige Abstimmung von Opel, den sportlichen Fahrer freut es umso mehr. Kurven lassen sich richtig durchfetzen, beim Rausbeschleunigen leistet die Differenzialsperre gute Arbeit.

Das dick gefütterte Lenkrad liegt prima in der Hand. Die optionalen Brembo-Bremsen sind sehr bissig und verzögern ordentlich. Gut, dass die Recaro-Sitze in allen Lagen perfekten Halt bieten und auch auf längeren Strecken angenehm sind.

Nur zwei, leider wesentliche, Befunde stören das ideale Fahrvergnügen. Die Vorderachse hat oft Probleme, die viele Leistung auf die Straße zu bringen. Heftiges Zerren im Lenkrad nervt.

Ein rein emotionales "Problem" ist dagegen der weitgehend fehlende Motorsound. Auf der gepflasterten Wiener Höhenstraße etwa überwiegt beinahe schon das Abrollgeräusch.

7,5 Liter Verbrauch verspricht das Datenblatt im Schnitt. Mit acht Litern kommt man erstaunlich nahe an diesen ehrlichen Wert. Aber auch mit sehr sportlicher Fahrweise kratzt man nicht oft an der Zehnliter-Marke.

Vom sportlichen Charakter unberührt, bleiben die bekannten Kleinigkeiten verbesserungswürdig. So bekommt man etwa ein Navi immer nur noch als App und ist stets auf sein Smartphone angewiesen. Auch mit einem Drehknopf für die Lautstärke wäre es bequemer. Die Einparkhilfe spricht spät an, am besten mit viel Ruhe ausparken.

Trotz üppigen 17 Prozent Nova ist der kleinste OPC mit 24.530 Euro ein attraktives Angebot. Die Serienausstattung ist bereits gut angereichert, etwa mit Bi-Xenon-Scheinwerfern, LED-Tagfahrlicht, Koni-Sportfahrwerk, Recaro-Sportsitzen, Tempomat und natürlich allen Anbauteilen.

Unbedingt dazu bestellen sollte man das OPC Performance Paket für 2.400 Euro. Darin enthalten sind die Brembo Bremsanlage mit auf 330 mm vergrößerten Scheiben, Drexler-Sperrdifferenzial vorne, verschärfte Fahrwerksabstimmung sowie 18-Zöller. Im 785 Euro teuren OPC Leder Paket gibt es entsprechende Bezüge, sowie beheizte Sitzflächen und Lenkrad. Die Rückfahrkamera kostet 387 Euro.

Plus
+ kräftiger Motor
+ straffes Fahrwerk
+ tolle Sitze
+ bissige Bremsen
+ große Kurvengierigkeit
+ jede Menge Fahrspaß

Minus
- Lenkradzerren
- Traktionsprobleme

Resümee
Der Opel Corsa OPC ist eine kleine und reine Fahrmaschine, hoher Alltagsnutzen stand bei der Entwicklung nicht an erster Stelle. Mit dezentem Motorsound und lästigem Lenkradzerren macht sich der kleine allerdings selbst auch Konkurrenz im eigenen Haus, denn der 150 PS starke Adam S steht in Sachen Fahrspaß kaum nach, bei ihm stimmt aber der Sound und die Vorderachse ist nicht überfordert.

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