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Groß unter den Kleinsten

Der kleine Kia Picanto kommt in seiner neuesten Generation auch als sportlich angehauchter GT-Line mit 84 PS. Wir testen den flotten Zwerg.

mid/rhu; Fotos: Kia, Sabine Sommer

Warme Hände beim Autofahren - das ist kein Privileg für Reiche und Superreiche. Kia hat den Luxus des beheizten Lenkrads demokratisiert und bis in seine allerkleinste Baureihe durchgereicht. Und auch sonst hat der aktuelle Picanto einiges zu bieten. Bei 9.890 Euro beginnt die Preisliste - und bei 15.990 Euro endet sie bereits wieder.

Für dieser Summe wird nämlich das Topmodell Kia Picanto GT-Line angeboten. Es verfügt über eben dieses heizbare Lenkrad und eine Sitzheizung vorne - ein echtes Argument für zum Frieren neigende Zeitgenossen.

Klimaautomatik ist ebenso inklusive wie Lederpolsterung (!). Und so sinnvolle Zutaten wie City-Notbrems-Assistent, Fahrer-Knieairbag, Lichtsensor, elektrische Fensterheber hinten, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Freisprecheinrichtung, Privacy-Verglasung, Parksensoren hinten, Tempomat und anklappbare Rückspiegel.

Optisch am auffälligsten sind aber - neben den großen Rädern - Kühlergrill, Front- und Heckschürze sowie der Doppelrohr-Auspuff des sportlichen GT-Line-Designs.

Generell wurde der Picanto im Frühjahr 2017 komplett erneuert - und das sieht und spürt man. Abseits des neuen Karosseriedesigns wirkt auch das Innere hochwertiger, appetitlicher und übersichtlicher. Mit der Bedienung der Schalter und des Touchscreens kommt eigentlich jeder Fahrer oder jede Fahrerin auf Anhieb klar.

Die nicht besonders großen Sitze vorn geben guten Seitenhalt, das Multifunktions-Lederlenkrad lässt sich in der Höhe auf den jeweiligen Piloten einstellen.

Dass Kia beim Generationenwechsel kräftig am Gesamtauftritt gearbeitet hat, ist deutlich zu spüren: Vorn geht es auffallend geräumig zu - auffallend, weil der Picanto ja nur bescheidene 3,60 Meter in seiner Länge misst.

Der Platz im Fond geht in Ordnung, zur Not auch mal für drei nicht zu kräftige Hinterbänkler, die sich über die serienmäßigen Fond-Türen freuen. Der Kofferraum ist mit einem Volumen von 255 bis 1.010 Liter bei den Kleinstwagen einer der Größten.

Die Koffer und Taschen müssen bei voller Ausnutzung des Gepäckabteils, also nach Herausnehmen des doppelten Ladebodens, allerdings ziemlich weit hochgehoben werden. Bleibt der Ladeboden drin, ergibt sich nach dem Umklappen der Rücksitzbank eine annähernd ebene Fläche.

Der 1,2-Liter-Vierzylinder des GT-Line muss ohne Turbo-Aufladung auskommen, weshalb der Zwerg auch mit 84 PS nicht zum Giftzwerg mutiert. Sportliche Ambitionen sind definitiv kein Thema. Aber das lediglich auf der Autobahn laute Aggregat ist immerhin gut für einen 0-100-Sprint von zwölf Sekunden.

Generell gilt: Schub gibt es nur, wenn der Sauger ordentlich auf Drehzahl gehalten wird, was mit dem äußerst exakten Schaltgetriebe zur durchaus vergnüglichen Tätigkeit wird. Bei 4,5 Liter liegt der Normverbrauch, in der Praxis sind Werte knapp unter sechs Litern auf 100 Kilometern realistisch.

Dank des kleinen Wendekreises von 9,4 Metern wuselt der Koreaner flink durch die Stadt und macht sich als Parkplatz-König beliebt. Über Land erweist er sich als erwachsen wirkendes Auto mit überraschend gutem Federungskomfort und einem narrensicheren Fahrwerk bei zu flott angegangenen Kurven.

Abseits der üppigen Serienausstattung gibt es noch ein Technikpaket um 1300 Euro, das inkludiert ein Navigationssystem mit 7-Zoll-Bildschirm, Vernetzungsmöglichkeit fürs Smartphone, induktives Handy-Laden, Rückfahrkamera und schlüssellosen Zugang. Als weitere Extras bleiben noch Glasschiebedach (500 Euro) und Metallic-Lack (400 Euro).

Ganz schön viel Auto auf 3,60 Metern - der Kia Picanto GT-Line zeigt einmal mehr, dass die aktuellen Kleinstwagen gar nichts mehr mit rollenden Verzichtserklärungen zu tun haben. Er ist ein braver Begleiter im Alltag, der optisch auf sportlich macht, in Wahrheit aber mehr der luxuriösen Neigungsgruppe angehört. Und die 7-Jahres-Garantie von Kia gilt natürlich auch für ihn.

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