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Renault ZOE Z.E.40 R90 Bose - im Test Renault ZOE Z.E 40 2017

Elektro-Liebling

Der Renault Zoe ist in Europa das meistverkaufte Elektroauto. Was der Franzose mit neuer, größerer 41-kWh-Batterie drauf hat, prüfen wir im Test.

Text: Thomas Schneider/mid; Georg Koman
Fotos: Sabine Sommer

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Was haben der Renault ZOE und der VW Golf gemeinsam? Beide sind Bestseller in ihrer Klasse - der ZOE als meistverkaufter Elektro-Pkw in Europa, der Golf führt seit Jahren die EU-Zulassungs-Charts bei den Kompakten und auch insgesamt an - in Österreich seit 40 Jahren.

Der Wolfsburger hat sich diesen Status über Jahrzehnte erarbeitet, der französische Kleinwagen ist dagegen ein regelrechter Senkrechtstarter. Woran das liegen könnte, finden wir im Test heraus.

Vorweg: Der ZOE ist mit vier Türen, seinem angesichts des Kleinwagen-Maßes von 4,09 Metern guten Platzangebotes für Mensch und Gepäck (338-1.225 Liter Kofferraumvolumen) und den mit neuer 41-kWh-Batterie 400 Kilometern Normreichweite - in der Praxis sind es etwa 280 Kilometer - ein alltagstaugliches Auto für die allermeisten Bedürfnisse.

Die Spitzenleistung des E-Motors von 92 PS klingt angesichts so mancher Tesla-Zahlen mittelprächtig, ist es in der Stadt und auf der Landstraße aber keinesfalls. Der Grund für das gefühlt viel größere Temperament ist das Drehmoment von 250 Newtonmetern, das praktisch von der ersten Motor-Umdrehung weg ansteht.

Aus dem Stand beschleunigt der rundlich-knuffige Franzose in vier Sekunden auf Tempo 50 - das ist richtig zügig. Danach wird es etwas zäher, bis die Tachonadel die 100er-Marke erreicht, vergehen 13,2 Sekunden. Das war aber vor wenigen Jahren noch ein völlig normaler Wert für einen Kleinwagen.

Und die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn erreicht der bei 135 km/h abgeregelte Stromer auch. Dank seines hohen Drehmoments selbst bei maximalen Steigungen.

Das Fahrwerk und die Lenkung des Zoe geben keinen Anlass zur Kritik. Er ist vergleichsweise straff, aber keineswegs zu hart gefedert und nimmt Kurven dank des - wegen der rund 300 Kilo schweren Batterie im Unterboden - niedrigen Schwerpunkts mit Leichtigkeit.

Das Interieur wirkt mit digitalen Fahranzeigen, mittigem Touchscreen und stark reduzierten Knöpfen und Schaltern modern, in Anbetracht der harten Kunststoffe aber auch sehr zweckmäßig und nicht gerade anheimelnd.

Die Ergonomie ist gut, die Sitze sind straff, aber durchaus bequem, die integrierten Kopfstützen reichen auch für Großgewachsene hoch genug, das an den Seiten perforierte Lederlenkrad liegt gut in der Hand. Die serienmäßige Navigation mithilfe von TomTom live erfolgt über das Infotainment-System R-Link Evolution und funktioniert problemlos.

Zum Standard-Equipment zählen unter anderem Klimaautomatik, Berganfahrhilfe und ein Tempomat mit Limiter. In der getesteten Topausstattung "Bose" kommen etwa Lederpolsterung, Einparkhilfe, Keyless-Go, Licht- und Regensensor, Rückfahrkamera, Sitzheizung vorne, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen und natürlich ein Premium-Soundsystem von Bose hinzu.

Kommen wir zum Laden: Wer das Auto täglich nutzen möchte, dem sei eine Wallbox ans Herz gelegt, die ab ca. 1.000 Euro zu haben ist - das entsprechende Ladekabel ist serienmäßig an Bord.

Denn über die Haushaltssteckdose dauert das Laden der großen 41-kWh-Batterie selbst mit maximal möglichen 16 Ampere und 3,7 kWh rund zwölf Stunden. Viel schneller geht es mit 400 Volt Drehstrom und elf Kilowattstunden Ladeleistung, wodurch ein Ladevorgang in vier Stunden drin ist.

Nochmals schneller geht es - entsprechende Heim-Infrastruktur vorausgesetzt - mit der Top-Wallbox und 22 kW Ladeleistung, womit der Zoe in rund zwei Stunden wieder aufgeladen wird.

Und richtig zügig wird der Ladevorgang, wenn man nicht zur Variante R90, sondern zum Q90 (Aufpreis: 500 Euro) greift, der hat eine Schnelllademöglichkeit bis 37 kWh verbaut. Dann ist der Zoe in einer Stunde an der Schnellladesäule komplett voll.

Um die Sache noch ein wenig zu verkomplizieren, gibt es nicht nur R90 und Q90, sondern auch die Versionen mit gemieteter und gekaufter Traktionsbatterie - letztere nennt sich "Complete".

"Complete" kostet satte 7.500 Euro mehr und ist nur empfehlenswert, wenn man vorhat, seinen ZOE nicht wieder herzugeben. Denn angesichts der momentan schnellen Batterie-Weiterentwicklung könnte ein Stromer in ein paar Jahren de facto unverkäuflich sein. Aufgrund dessen lautet die einzig wahre Empfehlung, das gesamte Auto zu leasen.

Wer dennoch kaufen will, bezahlt für den Renault ZOE Z.E.40 R90 mit gemieteter Batterie 29.590 Euro, der "Life" R90 mit weniger, aber weitaus nicht ärmlicher Ausstattung ist um 24.890 Euro zu haben. Die Batteriemiete kostet zwischen 69 und 119 Euro im Monat, bei 10.000 Jahreskilometern bezahlt man beispielsweise 79 Euro/Monat.

Weiterer Vorteil der Batteriemiete: Wird beim jährlichen Service festgestellt, dass der Akku nur noch 66 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität erreicht, wird er gratis getauscht. Was für die Kaufvariante ebenfalls gilt, allerdings "nur" acht Jahre lang (Garantie auf die Elektroteile) und nicht unbegrenzt.

Plus:
+ attraktiver Kaufpreis bei Batteriemiete
+ futuristisch-knuffiges Design
+ gutes Raumangebot
+ großer Kofferraum
+ solide Reichweite

Minus:
- teils billig wirkende Materialien

Resümee:
25.000 Euro plus 80 Euro Batteriemiete im Monat - damit kann derzeit kein anderer Stromer mithalten. Womit die große Beliebtheit des Renault ZOE sogleich erklärt ist. Die ordentliche Reichweite des neuen Z.E.40, das gute Raumangebot und das herzige Äußere tragen ebenfalls ihren Teil zum Verkaufserfolg bei.

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