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Offen-sive

Nach über einem Jahr Pause hat BMW endlich wieder seinen Z-Roadster im Programm. Wir testen den offenen Zweisitzer mit 197-PS-Benziner.

Bernhard Reichel

Der neue BMW Z4 ist weiter gewachsen, nicht zu unrecht war der Roadster lange als Z5 im Gespräch. Das Design ist erneut charakterstark, massig und bullig ausgelegt. Die Nieren sind so breit wie noch nie und erstmals mit sportlichem Gitter anstatt klassischen Streben versehen. Bislang unbekannt waren uns auch die übereinander angeordneten Scheinwerferelemente. Mit M-Paket und viagrablauer Lackierung gibt es obendrein einen extrovertierten Gipfelpunkt.

Trotz Rückbesinnung auf das klassische und kompaktere Stoffdach, streckt sich der sportliche Bayer wieder ein paar Zentimeter in die Länge auf nun gut 4,3 Meter und ist damit schon 30 Zentimeter länger als der erste knackige Z4 von 2002. Die Breite wuchs ebenso, wie auch die Anzahl an technischen Spielereien, da ist es wenig verwundernd, dass ein paar Kilo mehr auf der Waage stehen.

Dritte Generation, dritter Produktionsort - der neue Z4 ist jetzt ein echter Österreicher und wird gemeinsam mit dem Toyota GR Supra Coupé in Graz bei Magna Steyr gebaut. Den japanischen Kultsportler hat BMW gleich mitentwickelt. Zur Vermeidung allzu großer Konkurrenz wird der eine als Roadster und der andere als Coupé gebaut.

Der Z4-Innenraum orientiert sich nun stärker an anderen BMW-Modellen. Das Cockpit ist aber immer noch zum Fahrer geneigt, die Bedienung einfach und intuitiv und entweder digital über den breiten Monitor und beschreibbaren Drehregler oder über klassische Tasten. Die Verarbeitung ist richtig sauber, die Materialqualität hervorragend. Auch über die Ergonomie, Verstellbarkeit und Sitzposition mit Blick über die lange Haube kann man sich nicht beschweren.

Allgemein ist das Raumgefühl sehr großzügig, offen und gemütlich. Die Sitze sind nicht nur sportlich, sondern auch langstreckentauglich. Das Lenkrad liegt sicher und dick gefüttert in der Hand. Ablagen gibt es ausreichend. Hinter den Sitzen ist vor allem die durchgehend breite Ablagebank mit Haltenetz praktisch. Ebenso die kleine zweitürige Ladeluke zum 281 Liter fassenden Kofferraum.

Unter der wohl konturierten Motorhaube arbeitet in unserem Testwagen der pragmatisch preis- und leistungstechnisch großzügige zwei Liter große Vierzylinder-Turbomotor mit 197 PS.

Die Kraft wird selbstverständlich an die Hinterachse weitergereicht. Gekoppelt sind aktuell alle Motoren an die feine Achtgang-Automatik. Damit geht es in 6,6 Sekunden fröhlich auf Tempo 100.

Die elektrische Offenbarung aus Stoff faltet sich ziemlich rasch zusammen, auf Wunsch per Fernbedienung oder während langsamer Fahrt.

Der Motor erwacht unauffällig zum Leben, geht aber gleich munter ans Werk. Die Automatik verwaltet flott und unaufgeregt ihr achtgängiges Menü. Der Komfort ist trotz obligatorischer Straffheit ausgezeichnet. Die sportlichen Seiten drängt auch dieser Z4 nicht auf. Gesteigertes Temperament entfesselt der Sport- bzw. erst richtig der Sport Plus-Modus.

Erst bei dessen Anwahl gibt der Motor tatsächlich seine ganze Dynamik frei. Ansprechverhalten und Klang werden deutlich rauer. Vor allem letzterer ist zwar spannender als bei Audi TT oder Mercedes SLK, aber kein Vergleich zum epischen Sechszylinder.

Spaßig wird der Klang mit geschlossenem Verdeck und wenig ablenkenden äußeren Einflüssen, das Auto wird gleichwohl zum akustischen Heckmotorwagen, vorne herrscht praktisch Stille. Zurückhaltend dafür der Verbrauch von etwas über sieben Litern, die Werksangabe lautet sechs Liter.

Das Fahrwerk lässt einen jederzeit wissen, dass der Roadster für deutlich mehr Leistung ausgelegt ist. Die Karosseriesteifigkeit ist beachtlich. Erstaunlich wie leichtfüßig der mit 1,5 Tonnen gar nicht so leichte Roadster einmal in Bewegung wird. Die Bremsen packen kräftig und mit sauberem Druckpunkt zu. Eventuelle Verfolger werden anstatt mit Warnblinkern mit pulsierendem Bremslicht vor dessen Gebrauch gewarnt. Die Lenkung arbeitet direkt und vertrauensvoll.

Nicht so schön sind die Windgeräusche um den äußeren Schulterbereich beim Offenfahren. Dafür ist das Verdeck im geschlossenen Zustand richtig gut gefüttert und richtig leise.

Sehr funktional sind das neue Digitalcockpit, Navigation, Sprachsteuerung, die schnelle automatische Bluetooth-Anbindung und das Head-up-Display. Auch das automatische Absperren beim Entfernen vom Fahrzeug ist ein gewisser Komfortgewinn. Weniger harmonisch agiert die geschwindigkeitsabhängige Audio-Lautstärkenanpassung, die sich aber deaktivieren lässt.

Preislich startet der BMW Z4 sDrive 20i als günstigste Z4-Variante bei 45.874 Euro. LED-Scheinwerfer, Digitalcockpit, Windschott und Navi sind schon mal Serie, die Aufpreisliste ist dennoch traditionell lang.

Plus
+ wunderbare Automatik
+ kurvengieriges Fahrverhalten
+ gut gefüttertes Verdeck
+ solide Fahrleistungen
+ braver Verbrauch

Minus
- zurückhaltender Klang
- relativ hohes Leergewicht

Resümee
Der neue BMW Z4 ist wieder spürbar mehr Sportwagen. Den komfortablen Grundcharakter weiß man im Alltag zu schätzen. Der lebendige Sechszylinder M40i ist natürlich ein Charaktertyp, aber teuer in Anschaffung und Unterhalt. Unser 20i mit vier Töpfen geht auch ordentlich zur Sache, wenn man ihn nachdrücklich darum bittet.

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