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Keiner gleicht dem anderen

Phantom IV: der königliche Rolls-Royce

Als der Herzog von Edinburgh einen Bentley-Versuchswagen mit Rolls-Royce-Achtzylinder zur Probe fuhr, war für ihn klar: So etwas braucht Elisabeth als "Firmenwagen". 1950 lebte die 1939 eingeschlafene Modellreihe also wieder auf.

Mag. Severin Karl

Ab 1936 sorgte unter der mächtigen Haube des Rolls-Royce Phantom III ein Zwölfzylinder mit 7,3 Liter Hubraum für die Fortbewegung der Superreichen und mächtiger Häupter. 1939 endete die Produktion, der Krieg änderte auch in der Welt der Luxusautos alles.

Überraschende Bestellung
Umso überraschender für Rolls-Royce kam 1949 die Bestellung des britischen Königshauses, denn dieses bevorzugte bislang Daimler-Modelle. Philip, der Herzog von Edinburgh, ist einen Bentley-Versuchswagen Probe gefahren, der mit einem Achtzylinder-Reihenmotor von Rolls-Royce ausgestattet war. Ein eindrucksvolles Erlebnis, denn mit dem Motor konnte eine tolle Beschleunigung erreicht, aber auch lange Strecken mit geringer Geschwindigkeit zurückgelegt werden. Perfekt für einen Repräsentationswagen! Mit der geringen Kaufkraft und der Materialknappheit nach dem Krieg hätte Rolls-Royce von selbst wohl keine Neuauflage der Phantom-Reihe gewagt.

Rolls-Royce wird Hoflieferant
So wurde "das beste Auto der Welt", so die Eigendefinition der RR-Produkte, endlich auch für das eigene Königshaus gebaut. Mit der Krönung von Prinzessin Elisabeth zur Königin ist der Phantom IV 1952 also ganz offiziell zur Staatskarosse geworden. Gebaut wurde der Wagen allerdings nicht am Hauptsitz in Crewe, sondern im etwa eineinhalb Stunden entfernten Belper, wo nach dem Krieg die Pkw-Produktion angesiedelt wurde.
Der Reihenmotor hinter dem fulminanten Kühlergrill – klassisch gekrönt von der "Spirit of Ecstasy" – hatte einen Hubraum von 5,7 Litern, seine Leistung wird heute mit 164 PS beziffert. Was sagte Rolls-Royce früher dazu? "Genug." Vorn findet sich eine Einzelradaufhängung, hinten eine Starrachse und Halbelliptikfedern. Automatikgetriebe waren damals durchaus ein Thema, doch Rolls-Royce befand, dass sich ruhig der Chauffeur um die Gangwechsel kümmern sollte. In sechs Jahren Bauzeit entstanden schließlich nur 18 Exemplare, man wusste also genau, wer am Steuer saß. Der Phantom IV wurde überhaupt so spezifisch auf seine Kunden zugeschnitten: Keiner gleicht dem anderen. Heute existieren noch 16 dieser fast 6 Meter langen Fahrzeuge (Radstand: 3,70 Meter), falls sich jemand von dieser Behauptung überzeugen will.

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