CLASSIC

  • Motorline auf Facebook
  • Motorline auf Twitter
Helden auf Rädern: Renault Estafette

Schiebung will geformt sein

Wenn sich ein Player nicht an die Spielregeln hält, muss man kreativ werden, um noch mitmischen zu können. Renaults Weg zum Estafette war etwas steinig und warf irgendwie alle Pläne über den Haufen, die man für die Marke hatte.

Wenn man es ganz streng sehen möchte, beginnt die Geschichte des Estafette schon 15 Jahre vor Produktionsstart. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fasste man im französischen Industrieministerium nämlich den Entschluss, welche Firma welche Fahrzeuge zu bauen hat, um das Land möglichst rasch und effizient wiederaufbauen zu können. Peugeot und Renault sollten sich auf Kastenwägen von 1.000 bis 1.400 Kilogramm konzentrieren, Citroen hingegen die schwere Partie von zwei bis 3,5 Tonnen übernehmen. Nachdem Citroen aber schon einen so genialen Plan für einen Ein-Tonner hatte, ignorierte man einfach die Idee von der Regierung und baute den H, der zum durchschlagenden Erfolg wurde – und Renault natürlich ein wenig in die Enge trieb.

Ihr 206 E1 war nämlich nicht so clever konstruiert, hatte noch einen Rahmen mit Holzgestell und simpler Metallverblechung, war zudem ein wenig größer als die neue smarte Nutzi-Generation, in die Anfang der 1950er auch der VW Bus immer stärker mitmischte. Es wurde also Zeit, alle lange ausgeheckten Businesspläne über den Haufen zu werfen. Heckmotor mit Heckantrieb ist schon OK. Aber warum nicht auch einen Frontmotor mit Frontantrieb bauen? Man machte sich an die Arbeit. Es ist fast schon ein Treppenwitz, dass Fernand Picard, Konstrukteur des Heckmotorwagens 4 CV sich bereit erklärte, den Estafette zu konstuieren. Er möge doch bitte den luftgekühlten 845er-Motor aus der Dauphine einfach übernehmen, teilte man ihm noch mit, was aber garnicht so easy war, da man viele Anbauteile umändern musste, um dem neuen Einbauort gerecht zu werden – inklusive Getriebe.

Es gelang schlussendlich aber, wobei man durch diesen Missstand gleich ein anderes Problem lösen konnte. Lange befürchtete man nämlich, dass der kleine Motor überhaupt nicht ausreiche, um schwere Lasten zu bewegen. So aber konnte man die Übersetzungen richtig wählen und alles solide genug auslegen, sodass der Estafette 1959 in vier Versionen und in vier Farben schließlich starten konnte. Und nicht nur die robuste Art lag den Kunden. Cool fanden sie auch den niedrigen Ladeboden und die aufschiebbaren Vordertüren, die man fürs Fahren offiziell zwar immer wieder schließen musste – im Lieferstress in Großstädten „vergaß“ man diesen Umstand aber immer wieder gerne.

Nachdem nicht nur die französische Telefongesellschaft immer mehr auf den Renault spitzte sondern auch die Polizei, war es drei Jahre später dann aber doch an der Zeit, die originalen Pläne mit dem kleinen Einheitsmotor zu verwerfen und dem Estafette als erstem Produkt der Marke den neuen 1100er-Vierzylinder zu verpassen, sogar noch vor dem Renault 8, der als brandneues Modell eigentlich den Vorzug hätte bekommen sollen. Und so blieb es dann auch die nächsten Jahrzehnte, wenn man von kleinen optischen Liftings absieht, denn das muss man dem Estafette lassen: Nicht nur dass er bis 1980 in Frankreich vom Band lief. Auch in Algerien und Rumänien fertigte man den Kleinbus unter Lizenz, und in Mexiko sogar noch bis 1986.

News aus anderen Motorline-Channels:

Helden auf Rädern: Renault Estafette

Weitere Artikel:

Zwischen Kaiserwetter und Temperatursturz

Flachgau-Höllental Spring Classic 2025

Leider hatten sich nur 25 Teilnehmer zu dieser tollen Rallye am 4. und 5. April 2025 angemeldet. Ich kann allen Nicht-Teilnehmern nur sagen: Ihr habt was versäumt.

Die Schnellladefläche

Helden auf Rädern: Chevrolet S-10 EV

Noch seltener als der Chevy EV-1 war sein praktischerer und weit patriotischer Ableger. Der S-10 EV war ein Frühversuch elektrischer Nutzfahrzeuge, bei denen den Machern ein entscheidender Fehler passierte.

Die ARBÖ Classic (5. und 6. Juni) bringt mit 165 Fahrzeugen ab Jahrgang 1928 einmal mehr die Freude am Automobil in die Admonter Gesäuse Region und darüber hinaus. Und: Schon jetzt trudeln Nennungen für die im September steigenden Austrian Rallye Legends ein

Schon jetzt sind mehr als 100 Anmeldungen für die 28. Ausgabe der ARBÖ Classic (5. & 6. Juni) in der Admonter Gesäuse Region eingelangt - im September steigt dann die Austrian Rallye Legends.

Was ist besser?

Oldtimer mieten oder kaufen

Ob als stilvolle Begleitung für besondere Anlässe oder als Ausdruck von Individualität im Alltag – es gibt zahlreiche Autofahrer, die gern einen Oldtimer wählen.

Oldtimertreffen in Ebersdorf

Gelungener Einstand an der Zaya

Etwa 60 historische Pkw versammelten sich am 13. Juni auf dem Sportplatz in Ebersdorf an der Zaya. Dazu kamen zahlreiche Traktoren und viele Zweirädrige mit Geschichte. Ein voller Erfolg für die Veranstalter mit insgesamt etwa 200 Fahrzeugen. Samt Kurzvideo!