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Bruderliebe

Hätte Audi so fuhrwerken können, wie sie wollten, wären sie schon viel viel früher in das Kleinwagensegment eingestiegen. So aber blieb der Audi 50 nur eine Fußnote, die lange nachhallen sollte.

Roland Scharf

Dass der Audi A1 sich mit dem VW Polo die Plattform teilt, ist wahrlich nichts Neues. Auch, dass der A1 der erste Kleinwagen von Audi ist – oder? Ja also wenn man ganz genau sein möchte, dann gab es gut zehn Jahre früher schon den A2. Und wenn man ganz pingelig sein möchte, dann hat der Polo sogar seinen Ursprung in einem Audi, was gut 30 Jahre vor dem Erscheinen des A1 statt gefunden hat. Doch der Reihe nach.

Dass der VW-Konzern Anfang der 1970er-Jahre ziemlich am Sand war, wurde auf diesen Seiten schon oft genug ausgebreitet. Dann aber erwarb man NSU und die Auto Union und hatte schlagartig viel Kompetenz auf den Gebieten Frontantrieb und Wassergekühlte Reihenmotoren. So entstand der Passat auf Basis einer Audi-Plattform, und der Golf kam dann mit dessen Motoren und einer völlig neuen Plattform. Doch in der Zwischenzeit kam in Ingolstadt noch ein Wagen auf die Räder, den man bislang irgendwie übersehen hatte: der Audi 50.

Audi entwickelte vor der Übernahme ihre eigene Modellpalette. Es gab den Audi 100 also solide Oberklasse, den Audi 80 als souveräne Mittelklasse, und dann auch noch den Audi 60 als Versuch einer Art Kompaktlimousine. Deswegen erachtete man es auch nicht als notwendig, etwas Golf-ähnliches auf die Beine zu stellen. Aber einen Kleinwagen sehr wohl, der fehlt noch im Sortiment – und zwar in ganz Deutschland. Hier gab es also wirklich riesiges Potenzial, und da erschien die Idee mit der großen Heckklappe als durchaus angebracht.

Man kann jetzt lange drüber streiten, ob man 1972 einfach einen Lauf hatte oder vielleicht schon ahnte, dass die neuen Hausherren vielleicht etwas dagegen hätten, dass Audi hier auf eigene Faust ein zusätzliches Modell kreierte, jedenfalls konnte man die Entwicklung in einer Rekordzeit von nur 21 Monaten abschließen, was umso erstaunlicher ist, da man ein Kleinfahrzeug nach neuestem Stand der Technik realisierte. Leichtbau war das Gebot der Stunde, ebenso eine breite Spur und die damals gerade erst auf kommende Rad-dominierende Optik. Sprich: Die Räder waren ein dominantes Designelement, betont mit ausgestellten Radhäusern.

Frontantrieb war natürlich Pflicht, und im Endeffekt wollte man so einen Einstieg in die Audiwelt schaffen, mit der man ab 1974 dann die Jungen an die Marke binden wollte. Ja und dann bekam Wolfsburg Wind von diesem Auto. Und vor allem von dessen Erfolg. Natürlich hatte man da gleich eine Idee, wie man hier mitnaschen konnte: Die kommende Sparversion sollte nicht als Audi 50 L vermarktet werden, sondern als VW! Der Name Polo lag 1975 – also nur ein knappes Jahr nach der Lancierung des Golf – mehr oder weniger auf der Hand, und interessanterweise sah man diese Koexistenz als durchaus befruchtende Strategie für beide Marken, ähnlich wie man es auch bei dem Passat und dem Audi 80 hielt. Bis, ja bis das Produktstrategiekommittee wieder tagen sollte.

Tatsächlich ging es zum Ende des Jahrzehnts dann nicht nur um einzelne Modellreihen, sondern um wesentlichere Richtungsänderungen. Zum Beispiel, wo die Marke Audi eigentlich hingehen sollte: Schnell war klar, dass man damit Richtung BMW und Mercedes wollte. Und für diese Auslegung war für einen Kleinwagen nun wirklich kein Platz mehr. Volkswagen kam das sicher nicht ungelegen, künftig auch dieses Segment ganz alleine bedienen zu können. Der Ur-Polo kam sowieso nicht sonderlich gut an, weswegen man ihn sukzessive besser ausstatten musste und so oder so immer näher an den 50 heran kam. Somit ließ man den 50er noch bis 1978 und nach knapp 190.000 Exemplaren auslaufen, wo so oder so ein Facelift geplant war, dass den kleinsten Bayern optisch näher an die damals neuen 80er und 100er hätte bringen sollen.

Womit zumindest ein Details endgültig geklärt wäre: Nämlich dass der A1 vielleicht auf dem Polo basiert, den es ohne Audi aber nie gegeben hätte.

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