FAMILIENAUTOS

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Sind Sie Elektro-fit?
Alexander Seger,Volkswagen,Ford

Was Sie schon immer über Elektroautos wissen wollten

Das Angebot an vollelektrischen Autos wächst stetig. Auch immer mehr familientaugliche Fahrzeuge sind mittlerweile
auf dem Markt. Wir geben Ihnen Antworten auf die wichtigsten Fragen und klären auf, was es beim Umstieg auf ein vollelektrisches Fahrzeug alles zu beachten gibt.

Petra Mühr

Elektroautos sind in aller Munde, zwischen Befürwortern und Gegnern wird oft sehr emotional diskutiert, nicht immer mit rationalen Argumenten. Daher legen wir Ihnen unbedingt auch den Faktencheck auf der nächsten Seite ans Herz. Zunächst wollen wir aber klären, ob Sie schon bereit für den Umstieg sind und welche Dinge aktuell noch einen Strich durch die Rechnung machen könnten.

Wie weit fahre ich am Stück?
Die Reichweite ist für viele ein Killerargument beim Elektroauto. Aber nur, weil Sie aktuell vielleicht ein Dieselfahrzeug haben, das 1.000 Kilometer ohne Nachtanken schaffen würde, heißt das noch lange nicht, dass Sie das auch benötigen. Die durchschnittliche­ ­tägliche Fahrleistung liegt unter 40 Kilometer, eine Strecke, die freilich jedes E-Auto locker schaffen würde. In der Praxis nutzt das freilich nichts, wenn man häufig längere Strecken zurücklegen muss. Überlegen Sie daher, wie lange die längsten Strecken sind, die Sie fahren. Die meisten der aktuellen E-Autos schaffen – mit Ausnahme der kleinsten Fahrzeuge, die aber ohnedies nicht zum Familienauto taugen – rund 250 bis 450 Kilometer, auch im Winter. In der kalten Jahreszeit sinkt die Reichweite durch das energie­intensive Heizen um 20 bis 30 Prozent, auch schnelles Fahren auf der Autobahn erhöht den Energiebedarf. Die allermeisten Familien werden vermutlich feststellen, dass sie mit dieser Kilometerleistung gut über die Runden kommen. Ausnahmen könnten Urlaubsfahrten sein, die mitunter deutlich länger sind. Für die zwei oder drei Wochen im Jahr könnte es sich aber durchaus lohnen, auf ein Mietauto zurückzugreifen oder einen entsprechenden Deal mit Ihrem Autohändler zu finden. Oder Sie fahren mit dem E-Auto in den Urlaub, mehr dazu in den folgenden Antworten.

Wie viel Zeit muss ich zum Laden einplanen?
Nun, das hängt von einigen Faktoren ab. Zunächst muss man zwischen AC-Wechselstrom-Laden, etwa an der eigenen Wallbox, und DC-Schnellladen mit Gleichstrom an öffentlichen Stationen unterscheiden. Dann ist es wichtig zu wissen, wie hoch die Ladeleistung des E-Autos selbst ist. Je höher die Zahl in Kilowattstunden (kWh) ist, desto schneller der Ladevorgang. Mit Wechselstrom schaffen mittlerweile so gut wie alle neuen E-Autos 11 kW dreiphasig, am Schnelllader reicht die Range zwischen 50 und 250 kW.
Faktoren wie Außentemperatur oder Ladestand beeinflussen zudem, wie viel Strom die Batterie aufnehmen kann. Als Überschlagsrechnung kann man die Kapazität der Batterie durch die Ladeleistung dividieren und bekommt eine Zeit in Stunden, die in der Praxis etwas nach oben angepasst werden muss. Ein Beispiel: Das E-Auto hat eine Batterie mit 50 kWh und lädt mit 11 kW. Die 50 dividiert durch 11 ergeben 4,54 Stunden, das heißt, in rund 5 Stunden ist der Akku geladen. Kann das Auto Schnellladen mit zum Beispiel 100 kW, würde der Vorgang rechnerisch eine halbe Stunde dauern, in der Praxis sieht es etwas anders aus. Die meisten Hersteller geben eine Dauer für den DC-Ladevorgang zwischen 10 und 80 Prozent Ladung an, da die Ladegeschwindigkeit ab 80 Prozent deutlich nachlässt.
Der Vollständigkeit halber: Würde man die 50-kWh-Batterie an der normalen Steckdose mit 2,3 kW laden, würde das über 20 Stunden dauern. Was die Urlaubsfahrt betrifft, so ist eine gute Planung empfehlenswert, welche Stationen mit welcher Ladeleistung sinnvoll sind und wie die Bezahlung dort möglich ist, gerade im Ausland ist das nicht immer einfach.

Brauche ich unbedingt eine eigene Wallbox?
Theoretisch können Sie mit einem E-Auto an vielen öffentlichen Ladestationen laden. Dennoch raten wir Ihnen unbedingt zu einer eigenen Wallbox. Das hat mehrere Vorteile: Zunächst ist der Preis pro Kilowattstunde mitunter deutlich billiger als im öffentlichen Ladenetz, wo nach Zeit abgerechnet wird und die Faustregel, je schneller der Ladepunkt, desto teurer die Minute, gilt. Zudem hat die eigene Wallbox den Vorteil, dass das Auto immer geladen werden kann, wenn es geparkt ist, was den überwiegenden Teil des Tages – und vor allem der Nacht – der Fall sein dürfte. So können Sie jeden Morgen mit einer vollen Batterie starten und müssen nicht erst eine öffentliche Ladestation anfahren – wo es Ihnen auch passieren kann, dass Sie warten müssen, bis das Auto vor Ihnen fertig geladen wurde. Und das kann durchaus dauern. Sollte es Ihnen nicht möglich sein, Ihre eigene Wallbox zu installieren, raten wir Ihnen von einem E-Auto eher ab, der zeitliche Aufwand, ausschließlich öffentlich zu laden, ist aktuell einfach zu groß.

Gibt es überhaupt familientaugliche E-Autos?
Das Angebot an Elektroautos ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Waren es vor fünf, sechs Jahren – nicht zuletzt wegen der relativ kleinen Batterien – noch hauptsächlich Kleinwagen, so sind mittlerweile vor allem familientaugliche SUVs mit E-Antrieb nachgeschoben worden.
Fahrzeuge wie ein Škoda Enyaq, Hyundai Ioniq 5, VW ID.4, Audi Q4 e-tron, Tesla Model Y, Kia EV6 etc. bieten ein ordentliches Platzangebot, im Fahrgastraum wie auch im Gepäckabteil. In der Klasse sind auch die Reichweiten deutlich höher als in der Kleinwagenklasse, zumeist gibt es zwei verschiedene Akkugrößen, teilweise auch verschiedene Leistungsstufen des E-Motors.
Allerdings – Sie ahnen es bereits – sind diese Autos für viele Familien schlichtweg zu teuer. Trotz Förderungen bewegt man sich bei rund 45.000 Euro aufwärts. ­Klassische Kombis mit E-An­trieb gibt es aber nur sehr vereinzelt, MG bringt 2022 mit dem MG5 electric einen solchen, der auch preislich interessant werden dürfte und um die 30.000 Euro kosten soll. Falls es zwei Autos in Ihrem Haushalt gibt, ist es deutlich einfacher und günstiger, zuerst den kleineren Zweitwagen zu elektri­fizieren, bei dem auch die Reichweite kein Thema sein wird.

Ist ein Plug-in-Hybrid eine Alternative zum Elektroauto?
Zunächst eine kurze technische Einführung: Bei einem Plug-in-Hybridfahrzeug ist neben einem Verbrennungsmotor – zumeist benzingetrieben – auch ein E-Motor und ein in Relation zum reinen E-Auto kleinerer Akku verbaut. Dieser Akku muss ebenfalls extern geladen werden und ermöglicht rein elektrische Reichweiten je nach Modell und Hersteller von 35 bis 90 Kilometer. Wirklich Sinn macht ein PHEV (Plug-in Hybrid Vehicle) nur, wenn viel Kurzstrecke gefahren und der Akku regelmäßig geladen wird. Wer also unter der Woche jeden Tag 20 Kilometer pendelt, kann vollelektrisch fahren, am Wochenende oder bei der Urlaubsfahrt wird einfach auf den Verbrennungsmotor zurückgegriffen. Kehrseiten: Zumeist ist der Kofferraum aufgrund der Batterie etwas kleiner, zudem sind auch Plug-in-Hybride kein allzu günstiges Vergnügen.

Soll ich mir ein gebrauchtes E-Auto anschaffen?
Das kann durchaus eine Alternative sein, preislich gibt es da etliche interessante Angebote. Und die werden auch laufend mehr, schließlich kommen die von Firmen genutzten Fahrzeuge in der Regel nach vier Jahren als Gebrauchtwagen auf den Markt. Zu beachten gibt es aber auch hier ein paar Punkte. Die Reichweite von E-Autos war vor einigen Jahren noch deutlich niedriger, mitunter schaffen solche Fahrzeuge nur 100 bis 150 Kilometer. Auch die Ladetechnik war damals teils eine andere, 3,7 kW an der Wallbox waren damals Standard, womit der Ladevorgang dreimal so lange dauert und mitunter nicht mehr über Nacht bewerkstelligbar ist. Im Laufe der Zeit lässt auch die Kapazität des Akkus nach, sprich er hat nicht mehr die volle Leistungsfähigkeit. Mittlerweile gewähren die meisten Hersteller eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 Kilometer auf den Stromspeicher, innerhalb dieser Parameter darf die Kapazität auf maximal 70 Prozent fallen. Die Praxis hat gezeigt, dass die Akkus teilweise deutlich länger ein höheres Niveau halten, Garantiefälle gibt es kaum. Wenn es dazu kommt, muss übrigens nicht der komplette Akku getauscht werden, es reicht, einzelne Zellen zu ersetzen.

Kann ich mit einem E-Auto einen Anhänger ziehen?
Die Anhängelast vieler Elektroautos liegt deutlich niedriger als bei konventionellen Antrieben, viele Autos dürfen gar keinen Anhänger ziehen. Die Urlaubsfahrt mit dem Wohnwagen ist somit entweder gar nicht möglich oder nur mit vielen Zwischenstopps machbar, da der Stromverbrauch deutlich ansteigt. Bei den meisten öffent­lichen Ladestationen ist es zudem aus Platzgründen nicht möglich, mit angekoppeltem Wohnwagen zu laden. Wenn Sie aber nur hin und wieder kleine Baumarkt-Anhänger ziehen wollen, um den Grünschnitt zur Deponie zu bringen, so stellt das kein Problem dar, sofern das Fahrzeug mit einer Anhängerkupplung ausgestattet werden kann. Gleiches gilt für Fahrradträger.

Wissenswertes zur E-Mobilität
Keine NoVA & keine Kfz-Steuer
Bei der Anschaffung eines E-Autos fällt keine Normverbrauchsabgabe an, zudem ist – egal wie hoch die Leistung des E-Motors ist – auch keine Kfz-Steuer zu zahlen. Mit ein Grund, warum der Unterhalt eines Elektroautos deutlich günstiger ist als der eines Autos mit klassischem Verbrennungsmotor. Sollte das E-Fahrzeug betrieblich genutzt werden, entfällt auch die Vorsteuer.

Haben wir genug Strom, wenn alle umsteigen?
Nicht nur auf Stammtischen ein immer wieder gern diskutiertes Thema. Angst, dass bei zu vielen E-Autos in Österreich die Lichter ausgehen, muss man jedenfalls nicht haben. Wenn eine Million Pkws in Österreich elektrisch fahren würden, wäre der jährliche Strombedarf rechnerisch um 3,6 Prozent höher. Würden alle Pkws elektrisch fahren, würden diese 15,3 Prozent des Gesamtstromverbrauchs in Österreich benötigen. Da der E-Auto-Anteil aber nicht explosionsartig steigt, ist das kein ­Problem.

Strom aus Photovoltaik
Besonders für Hausbesitzer im ländlichen Raum bietet sich das Tanken mit eigenem Sonnenstrom an. Ein Carport mit 12 Quadrat­metern Solardach (Photovoltaik-Module) ist ausreichend, um jährlich 2.200 Kilowattstunden (kWh) Strom für 15.000 km mit dem Elektro-Auto (bei einem Verbrauch von 14,9 kWh/100 km) zu erzeugen. Damit macht man sich unabhängig von Ölkrisen und ist gleichzeitig klimafreundlich mobil.

Welche Förderungen gibt es?
Für Privatkunden gibt es aktuell 5.000 Euro Förderung (2.000 Euro vom Importeur, 3.000 vom BMK) für E-Autos und Wasser­stoff-Fahrzeuge, die aktuelle Aktion läuft noch bis 31.?3.?2022 bzw. bis zum Ende der Fördermittel. Förderungen gibt es auch für Plug-in-Hybride in Höhe von 2.500 Euro, für Zweiräder der Klassen L1e (800 Euro) sowie L3e (1.200 Euro). Förderfähig ist auch die Ladeinfrastruktur, 600 Euro gibt es für eine Wallbox oder ein intelligentes Ladekabel, 900 Euro für intelligente Ladestationen in Mehrfamilienhäusern. Darüber hinaus sind noch regionale Förderungen möglich.

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