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Schon geschnallt?
Maxi-Cosi (1), privat (1)

Ein Autokindersitz kann Leben retten – wenn der Sitz korrekt verwendet wird

Von Babyschale bis Sitzerhöhung: Der passende Kindersitz im Auto ist nicht nur das wichtigste Element für die Sicherheit Ihres Kindes, sondern kann sogar dessen Leben retten. Vorausgesetzt, der Sitz wird konsequent und korrekt verwendet. – Woran Sie einen guten Sitz erkennen und worauf Sie bei Kauf und Montage achten sollen!

Petra Walter

Lena ist sechs Monate alt und der Sonnenschein ihrer Eltern. Sie wiegt bereits stolze sieben Kilogramm. Weil sie seit Kurzem beim Autofahren immer weint, haben ihre Eltern das gegen die Fahrtrichtung montierte Sitzsystem (vulgo „Reboard­system“) gegen einen vorwärts gerichteten Hosenträgersitz ausgetauscht und ziehen darüber hinaus die Gurte eher nur leicht fest.

Wissen Sie, was passiert, wenn Lenas Eltern bei nur 30 km/h Geschwindigkeit einen Anprall mit dem Auto haben? – Auf Lenas Körper wirken Kräfte von rund dem siebzehnfachen ihres Körpergewichts. Durch den zu frühen Wechsel in einen nach vorn gerichteten Kindersitz und durch die lockeren Gurte kommt es zu einer massiven Nackenüberdehnung mit dauerhaften Schädigungen des Rückenmarks. Durch die zu lockeren Gurte rutscht die kleine Lena trotz Testsiegerkindersitz weit in den Gurten nach vorn. Ihr Kopf knallt gegen die Lehne des Vordersitzes, was die behandelnde Ärztin später als Schädelhirntrauma diagnostizieren wird …

Horrorszenario, nein danke?
Nein, wir wollen Ihnen nicht das Lesevergnügen verderben. Wir wollen nur absolut klar machen, wie wichtig der passende Kindersitz und der korrekte Umgang damit für die Sicherheit Ihres Kindes sind. Doch das Angebot an Kindersitzen und Verkaufsstellen ist enorm – wie also das Gesuchte finden?

Kurz und bündig formuliert ist der „passende“ Kindersitz jener, der perfekt auf Alter und Größe des Kindes abgestimmt ist, im Fahrzeug korrekt sitzt und befestigt wird und konsequent verwendet wird. Das klingt leichter als es ist und erfordert durchaus ein wenig Zeit und Wissen. Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengefasst, damit Sie für Ihr Kind den geeigneten Sitz finden.

Vor dem Kauf
Bevor Sie sich auf Shoppingtour begeben, sollten Sie folgende Punkte klären bzw. beantworten:

• Wie groß und schwer ist Ihr Kind?
• In welchem/n Auto/s wird das Kind damit befördert? (Marke, Modell, Baujahr)
• Welche Ausstattungen (Isofix, Top Tether, Gurt Airbags, Bodenstaufächer etc.) hat/haben Ihr/e Auto/s?
• Welche weiteren Personen (Kinder, Groß­eltern usw.) fahren mit?
• Erkundigen Sie sich nach einer gut ausgestatteten Verkaufsstelle mit kompetenter ­Beratung.
• Was empfiehlt der Fahrzeughersteller?
• Informieren Sie sich über professionelle Kindersitztests, um selbst ein Gefühl dafür zu bekommen, was wichtig ist (z. B. oeamtc.at, arboe.at)!

Wer weiß was?
Um herauszufinden, ob das Verkaufspersonal auch die entsprechende Kompetenz hat, rufen Sie im Idealfall vorher in der Verkaufsstelle an bzw. fragen vor Ort. Stellen die Berater den Großteil jener Fragen, die unter „Vor dem Kauf“ aufgelistet sind, können Sie prinzipiell davon ausgehen, dass das nötige Know-how vorhanden ist – und Ihnen nicht der meist­gekaufte, sondern am besten geeignete Sitz verkauft wird.

Rund um den Kauf
Sobald Sie sich für eine Verkaufsstelle und/oder eine Kindersitzmarke entschieden haben, geht’s los zum Probesitzen!

• Nehmen Sie Ihren Sprössling und Ihr/e Auto/s unbedingt zum Kauf mit!
• Im Idealfall lassen Sie sich von einem zweiten Erwachsenen zur Beaufsichtigung Ihres Kindes begleiten.
• Nehmen Sie sich Zeit für eine ausführliche Beratung.
• Neue Kindersitze müssen das ECE-Prüfzeichen (ECE R44/04) oder 129 (i-Size) tragen.
• Lassen Sie sich den Einbau des Sitzes erklären und probeweise in Ihrem Auto demonstrieren.
• Lassen Sie sich das richtiges Anschnallen Ihres Kindes im Sitz zeigen.
• Probieren Sie selbst die Montage des Kindersitzes in Ihrem Fahrzeug und das Anschnallen Ihres Kindes unter Anleitung des Beraters aus.

Gut, besser, Gurt
Gratulation, nun haben Sie den passenden Sitz für Ihren Nachwuchs gefunden. Je nach Alter gibt es folgende Hinweise beim Montieren des Sitzes bzw. Anschnallen des Kindes zu beachten:

• Folgen Sie exakt der Bedienungsanleitung, um Fehler und damit mögliche Verletzungen zu vermeiden.
• Befestigen Sie den Kindersitz kipp- und rutschsicher und fest auf dem Fahrzeugsitz
• Bei gegen die Fahrtrichtung montierten ­Sitzsystemen (vulgo „Reboardsystem“) auf dem Beifahrersitz müssen Front-Airbags ­deaktiviert werden.
• Wenn es eine Regel gibt, dann: Lassen Sie Ihr Kind so lange wie möglich rückwärts fahren. Mit aktuellen Kindersitzen schaffen Sie das locker, bis Ihr Kind zweieinhalb Jahre alt ist.
• Legen Sie den Gurt (darf nicht verdreht sein) immer flach und straff am Körper an.
• Der Schultergurt soll über der Schultermitte liegen (keinesfalls in Halshöhe oder unter dem Arm!), der Beckengurt so tief wie möglich über der Leistenbeuge.
• Schnallt sich Ihr Kind bereits selbstständig an, überprüfen Sie den korrekten Gurtverlauf und die entsprechende Gurtspannung vor jeder Fahrt.

Selber machen!
Um es zu verdeutlichen: Auch wenn Ihre Kinder in einem Alter sind – meist rund um den Schulbeginn – in dem sie sich bereits selbstständig anschnallen: Denken Sie daran, dass Sie in Österreich als Fahrzeuglenker Kinder bis zum Alter von 14 Jahren sichern müssen. Wer sich nicht an die gesetzlichen Vorschriften (§ 106 Kraftfahrgesetz) hält, gefährdet nicht nur sein Kind, sondern riskiert sowohl eine Geldstrafe als auch eine Vormerkung.

Schau aufs Ablaufdatum
Ob aus Kostengründen, weil sich ein Geschwisterchen ankündigt oder auch weil die Nachbarin die Spendierhosen trägt: Sollten Sie sich für einen gebrauchten Sitz entscheiden, ist es besonders essenziell, seine Tauglichkeit zu gewährleisten. Temperaturunterschiede (Sitze werden meist im Auto aufbewahrt) und Beanspruchung beeinflussen die Qualität. Selbst der teuerste Kindersitz hat nur eine begrenzte Haltbarkeit. Und auch die gesetzlichen Bestimmungen ändern sich im Lauf der Zeit. wMit folgender Checkliste erhalten Sie einen Überblick über die Qualität des „Vintage“-Sessels. Sollten Sie eine der nachfolgenden Fragen mit Nein beantworten, raten wir vom Kauf ab.

• Entspricht der Kindersitz mindestens der Norm ECE 44/04?
• Sind Ihnen die Vorbesitzer bekannt und ­vertrauenswürdig?
• Gibt es eine Montageanleitung?
• Ist alles Zubehör anhand der Bedienungs­anleitung vorhanden?
• Befinden sich auf Gurt, Gurtbändern und -führungen schadhafte oder eingerissene Teile?
• Sind Sitzkörper (vorhandenen Bezug abnehmen!) und Kunststoffabdeckungen frei von jeglichen Rissen, Brüchen oder Verformungen?
• Rasten Gurtschlösser einwandfrei ein bzw. lassen sich problemlos öffnen?
• Sind alle Arretierungen sauber (nicht verklebt) und funktionieren tadellos?

Trotz aller Bedenken bezüglich gebrauchter Sitze gilt jedoch: Besser ein guter gebrauchter als ein neuer Billigsitz.

Kommentar von Peter Jahn, Peter Jahn, Kindersicherheitsexperte:
Wie viel ist ein Kinderleben wert?!


Wenn ich für einen geeigneten Auto-Kindersitz plädiere, höre ich oft das Argument, dass „die Sitze soooo teuer sind“.Dazu vorweg folgende Rechnung. Addiert man die Preise aller Kindersitze, die man für ein Kind braucht, so sind das rund: 300 € (gute Babyschale mit Isofixbasis) + 400 € (gutes System für Mittlere, das sich rückwärts und vorwärts mit Isofix verwenden lässt) + 200 € (hochwertiges Sitzkissen mit Rückenlehne für die letzten 8 Jahre) = 900 € (ohne Nachnutzung oder Verkaufserlös berechnet).
Bei einem Monatslohn von 1.800 € ist das schon eine Ecke.
Legt man jedoch die Gesamtkosten für ein Kind auf die Nutzungsmonate – das sind etwa 12 Jahre oder 144 Monate – um, kommt man auf einen monatlichen Betrag von 6,25 € … Damit kann man etwas mehr als ein Bier, einen großen Kaffee oder eine günstige Kinokarte kaufen …
Wenn Eltern also von „teuer“ reden, betrifft das die momentan wirksamen Anschaffungskosten. An dieser Stelle plädiere ich gerne für den „Oma-Kredit“. Für die Altvorderen ist die Vor-Finanzierung in der Regel kein Problem. Auch nicht die Rückführung des zinsenlosen Darlehens in kleinen, das Familienbudget wenig belastenden Raten. Alternativ bieten noch zahlreiche Autohäuser wie auch Möbelhausketten Kleinkreditfinanzierungen an.
Zurückkommend auf die 6,25 und die Annahme eine Familie hätte wirklich wenig Geld. Ist man vielleicht mit einem dauergeliehenen Auto von den Großeltern unterwegs, die auch die Steuern und Versicherungen wie auch Reparaturen noch zusätzlich übernehmen, so bleiben die Spritkosten meist doch bei den Nutzern.
Mit einem Satz: Wer ein Auto betreiben kann, der sollte sich auch ­einen guten Kinderschutz leisten wollen.

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