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Formel 1: Maria Reyer Kolumne

Das ungeliebte Stiefkind namens 13’

Was bleibt von diesem Jahr Formel-1? Warum war dieses Jahr sportlich gesehen langweilig? Und was waren die wirklichen Skandale? Ein kritischer Rückblick.

Maria Reyer

Das war also die Saison 2013. Am Freitag, bei der FIA Gala, hielt Sebastian Vettel zum vierten Mal den Pokal des Weltmeisters in den Händen. Bei dem rauschenden Fest in Paris hat sich die Motorsport-Elite selbst gefeiert. Und doch bleibt eine Frage offen: Was bleibt?

Was bleibt von dieser Formel-1-Saison übrig? Diese Saison hatte keine Spannung. Es war von vornherein klar, dass es eine Übergangssaison werden wird. Eine Saison, wie der zweite Teil einer Trilogie. Das unbeliebte Mittelstück, das zwar dazugehört, aber irgendwie auch gerne übergangen werden würde. Wörter, wie Evolution oder Übergangsjahr wurden in den Mund genommen. Was haben wir erwartet? Spannende Rennverläufe? Spektakuläre Unfälle? Handfeste Skandale? Seien wir ehrlich – diese Saison hatte nie die Chance eine große zu werden.

Dieses Jahr war langweilig. Das schreibe ich nicht, weil ich provozieren will, sondern weil es stimmt. Den Menschen bleibt meistens das in Erinnerung, was sie als letztes gesehen haben. Nun zuletzt sah man neun Siege von ein und demselben Fahrer. Das soll spannend sein? Nein. Aber die Königklasse des Motorsports wäre eben nicht die Königsklasse, wenn man nicht auch für dieses Problem eine Lösung parat hätte.

Der Auftaktsieg von Räikkönen. Das war der erste Streich. Das gab entzückende Schlagzeilen. Der Comebacker stand als Held dar. Die Presse liebte es, Räikkönen eher weniger. Aber egal. Man hatte gleich zu Beginn für Aufsehen gesorgt. Hintergrund war aber etwas anderes. Und zwar die Pirelli-Reifen. Die Reifen, die dieses Jahr entscheiden sollten. Anfangs schmeichelten sie vor allem dem Lotus. Räikkönen konnte nur gewinnen dank seines reifenschonenden E21 und einer guten Strategie. Die Reifen waren die heimlichen Sieger.

In Malaysia sah man den ersten handfesten Skandal. «Multi 21» sollte in die Formel-1-Historie eingehen. Aber war es wirklich etwas Großes? Oder wurde es von den Medien nur zu etwas Großem aufgebauscht? Hätte Mark Webber auf dem Podium nicht die beleidigte Leberwurst gespielt, wäre alles schön und gut gewesen. Aber Webber ist kein Weichei. Er sagt seine Meinung. Und das auch öffentlich, wenn es sein muss. Die Presse liebte es.

Man konnte über die neuen Spannungen im Team schreiben. Und man konnte über den aalglatten Weltmeister schreiben, der augenscheinlich einen Kratzer abbekommen hat. Aber in Wahrheit lenkte dies nur von der frühen Überform von Vettel ab. Die Teamorder war ein strategischer Fehler des Teams. Schlussendlich wurde ein Weltmeister dafür verbal bestraft schnell zu fahren und seinen Siegeswillen zu stillen. Hat das noch etwas mit Rennsport zu tun?

Der Skandal passte gut in den Kram. Auch die Reifenaffäre von Mercedes war durchaus erheiternd. Es ist doch traurig, wenn man einen Jahresrückblick schreibt und sich nur mehr an die Skandale erinnern kann. Aber das ist auch das einzige, was diese Saison ein wenig spannend gemacht hat. Denn ums Rennfahren geht es schon lange nicht mehr. Nun zurück zu der Test-Affäre. Ein schöner Anlass um schöne Geschichten zu schreiben. Jeder hat sich darauf gestürzt. Es war aufregend. Und es war ein Schauspiel bei dem die Mächtigen höchst persönlich Regie geführt haben.

Die Anhörung in Paris dauerte zwei Tage. Kameras, Reporter und noch mehr Fragen. Wichtige Männer mit Aktentaschen und Fliege um den Hals gebunden. Der Anzug sitze, die Frisur ebenfalls. Schon Wochen zuvor und danach wurde darüber berichtet. Ross Brawn und andere wurden vorverurteilt.

Es wurden Gerüchte geschürt, um die Story aufzublasen. Die beiden Mercedes-Piloten wurden mithineingezogen. Es war tatsächlich ein Schauspiel. Mit Happy End. Denn das Urteil entsprach nicht ganz den Prognosen. Im Vorfeld war die Rede von einem Strafausmaß vergleichbar mit dem von 2007, als McLaren wegen Spygate oder 2008, als Flavio Briatore und Nelson Piquet Jr. wegen Crashgate verurteilt wurden. Doch die Verhandlungen führten lediglich zu Verwarnungen. Der ganze Auflauf wegen einer gelben Karte. Großes Kino, das vor allem Ecclestone sehr freute.

Die eigentliche Geschichte von 2013 schrieben aber die Reifen. Pirelli baute sie nach Ecclestones Willen. Die Formel-1 sollte noch spannender werden. Man wolle das ultimative Spektakel sehen, wenn schon keine neuen Regeln dafür sorgten. Aber die Teams spielten nicht mit. Man beschwerte sich an jedem Rennwochenende aufs Neue. Die Reifen seien zu unberechenbar. Der Höhepunkt passierte dann in Silverstone. Reifenplatzer nach Reifenplatzer. Hamilton, Massa, Vergne, Perez. Und wieder – ein Spektakel. Man sprach darüber. Es war in aller Munde. Pirelli hatte seine Hausaufgaben gemacht.

Die Reifensaga ging noch weiter. Denn ab der Saisonmitte wurde zurückgerudert. Nach Silverstone musste man offiziell Maßnahmen ergreifen, um nicht so zu wirken, als hätte man die Reifenplatzer absichtlich so gewollt. Das Kevlarband wurde eingeführt. Es solle die Reifen haltbarer machen. Und trotzdem passierten auch nach Silverstone Reifenschäden. Man hatte anscheinend Gefallen daran gefunden.

Sportlich war diese Saison nichts Besonderes. Vettel hatte das Ganze dominiert. Die Alonsos, Räikkönens und Hamiltons hatten nie eine reale Chance. Zu gut war der Red Bull. Oder zu schlecht waren die anderen. Je nachdem auf welcher Seite man steht. Technisch war diese Saison ebenfalls nichts Besonderes. Es gab keine Erneuerungen. Nicht einmal das sportliche Reglement wurde großartig verändert. Man überließ diese Saison sich selbst. Man wollte es mit Skandalen anreichern, um wenigstens irgendwie Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn auch schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten.

Der eigentliche Skandal dabei sind die Skandale. Was ist das für eine Königklasse, die sich mit Skandalen weiterhelfen muss, um Schlagzeilen zu bekommen? Warum genügen nicht die schon fast übermenschlichen Leistungen von Vettel auf der Strecke, um die Leute zu befriedigen? Die Idee von Ecclestone und Konsorten eine Formel-1 der Superlative zu produzieren, ging nach hinten los. Denn Racing steht nicht mehr im Vordergrund. Es sind die finanziellen Probleme eines Herrn Räikkönen oder die Ehekrise zwischen Ferrari und Alonso, die für die Masse interessanter sind, als Rennfahren.

Vielleicht wird das 2014 anders. Zumindest ist alles bereit. Keiner dachte wirklich über dieses Jahr nach. In den Köpfen der Ingenieure war nur 2014 präsent. Ab Mai entwickelt man nun schon an den neuen Autos. Zuvor machte man sich schon viele Gedanken darüber. Seit in Melbourne die Ampellichter ausgingen, war der Fokus auf 2014 gelegt. Die Reifentests der Teams und die Weiterentwicklungen an den Autos – alles Dinge, die nur ein Ziel hatten. Die kommende Saison. Denn 2014 wird etwas ganz Großes.

Maria Reyer ist eine 19-jährige, motorsportbegeisterte Steirerin. Sie studiert Journalismus in Wien und betreibt ihren eigenen Blog "Marie’s kleine Welt".

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