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Formel 1: Jerez-Test

„Nicht das Ende der Welt“

Ein massives Hardwareproblem bringt RBR und Co zur Strecke – es soll sich um den Energiespeicher am Antriebsstrang handeln. Gibt es eine Lösung?

Seit zwei Tagen testet die Formel 1 ihre neuen Turbomotoren in Jerez. Die ganze Formel 1? Naja. Die von Renault-Motoren befeuerten Autos von Red Bull, Toro Rosso und Caterham stehen mehr in der Box oder in der Auslaufzone, als sie fahren. Die Franzosen plagt ein mysteriöses Problem mit dem Energiespeicher, das laut Remi Taffins Durchhalteparolen über Nacht gelöst wird. Der Projektchef, der sich am Mittwochabend einem Journalistenansturm gegenüber sah, ist bemüht, die Sache zu relativieren.

Taffin räumt ein: "Tatsche ist: Wir haben ein Problem, das wir klar identifiziert haben. Es gibt viele, die wir erkennen, weil es neue Autos und neue Antriebsstränge sind."

An einer Lösung wurde schon am Mittwochvormittag gebastelt, allerdings reichte die Zeit dafür nicht aus. Jetzt macht Taffin Druck: "Wir müssen das für Donnerstag klarstellen." Schließlich macht der Lieblingskunde Druck: "Speziell Red Bull Racing und Toro Rosso müssen um neun Uhr auf der Strecke sein", weiß Taffin und verspricht: "Wir sind zuversichtlich, dass am Vormittag alle drei Autos laufen."

Weltmeister Sebastian Vettel, längst entnervt abgereist, kam praktisch gar nicht zum Fahren. Erst war ein Teil falsch installiert, der RB10 musste komplett demontiert werden. Dann stand das Auto rauchend in der Box - was laut Taffin nichts mit Renault zu tun hatte. Auskunft gibt er zu dem Vorfall aber nicht. Er verweist auf das Team. Zurück zum Problem des Createurs: "Man muss sich ins Gedächtnis rufen, dass ein Großteil des Antriebsstranges aus Subkomponenten besteht. Funktioniert eines nicht, dann ist es sicher ein Problem der Integration dieser Systeme", bleibt Taffin mit seiner Erklärung vage.

Teams nicht im gleichen Maße betroffen

Klar ist nur: Es dreht sich alles um den Energiespeicher. "Wir haben etwas ausgemacht, was verändert werden muss. Wir haben die Teile, die Leute und die Mittel", demonstriert Taffin eine breite Brust und spricht davon, auf die Situation "vorbereitet gewesen" zu sein, ohne dass Renault den Ernstfall hätte proben wollen. Gemeint ist offensichtlich nicht das konkrete Problem, sondern größere Eingriffe im Allgemeinen. Aus Viry-Chatillon wird außerdem noch zusätzliches Material eingeflogen - eine Luftbrücke in gräßter Not. "Es kostet Zeit. Da müssen wir vorsichtig sein", pustet Taffin durch.

Komplett neue V6-Turbomotoren stünden bereits, allerdings scheint das keine Linderung des Leidens zu versprechen. Hinzu kommt, dass das Mysterium offenbar Red Bull, Toro Rosso und Caterham nicht im gleichen Maße trifft. Deshalb habe Marcus Ericsson am Mittwochnachmittag auch zumindest elf Runden abspulen können. "Wenn man das Auto auf die Strecke bringt, ist es etwas anderes als auf dem Prüfstand. Es gibt Dinge, die sich von Team zu Team unterscheiden", so Taffin, der die Empfindlichkeit einer Komponente als Beispiel nennt - aber nicht als Ursache.

Renault will den Fehlerteufel ohne Wenn und Aber beseitigen. "Kein Kompromisse", lautet die Kampfansage Taffins, der neue Durchhalteparolen folgen: "Es ist nicht so komplex." Die größte Hürde besteht offenbar darin, an den relevanten Part des Energiespeichers heranzukommen - und genau da unterscheiden sich die unterschiedlichen Chassis. Eine Umbauempfehlung wird es trotzdem nicht geben. Dafür hat Taffin ein Argument im Köcher, warum Renault doch besser abschnitt als Mercedes und Ferrari.

Beide waren mit Werksteam und Kunden bisher relativ problemlos unterwegs. Er sagt: "Man sollte sie fragen, was sie aus diesen Tagen gelernt haben. Wir haben vieles gelernt. Das macht es uns vielleicht möglich, in Melbourne ins Ziel zu kommen", erläutert Taffin. "Wir brauchen mehr Kilometer, aber es ist nicht das Ende der Welt." Allerdings: Renault bat schon beim jüngsten Homologisierungsverfahren um Aufhebung der Einfrierung, wohl um einen Rückstand gegenüber Mercedes und Ferrari wettzumachen.

Glaubt man Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost, dann sind die Sorgen weitaus größer als bisher angenommen. Der Österreicher hatte am Dienstag davon gesprochen, dass die Sache relativ unkritisch sei, solange es sich um ein Malheur bei der Software handelt. Taffin wiederholt auf Nachfrage eines Journalisten am Mittwochabend: "Hardware, ich sagte Hardware."

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