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Formel-1-Test: Jerez

Hat Mercedes einen neuen Gegner gefunden?

Ferrari und Sauber am schnellsten, Mercedes auf Longruns mit den meisten Kilometern. RBR und McLaren-Honda katastrophal. Plus: Gesamtwertung Testwoche 1.

Michael Noir Trawniczek

„Das waren vielleicht Qualifying-Simulationen, die wir nicht gemacht haben“, übt sich Weltmeister Lewis Hamilton in Optimismus. Die Rede ist von der Auferstehung der Scuderia Ferrari bei den ersten Testfahrten der neuen Saison – drei von vier Bestzeiten ergingen an die neue „rote Göttin“.

Neuzugang Sebastian Vettel markierte an den ersten beiden Tagen jeweils die schnellste Zeit, doch Kimi Räikkönen beispielsweise fuhr am vierten Tag mit Reifen der Mischung „Soft“, während Mercedes Longruns geübt hat. In der Wertung der zurückgelegten Kilometer führt Mercedes deutlich – der neue F1 W06 Hybrid funktionierte vom ersten Testtag an nahezu problemlos. Zu früh sollten sich die Tifosi also nicht freuen – allerdings dürfte der Ferrari SF15-T durchaus gelungen sein. Bei Mercedes vermutet man bereits, dass Ferrari 2015 der Hauptgegner sein könnte…

Denn das österreichische Team von Dietrich Mateschitz, welches diese Rolle im Vorjahr neben Williams noch am ehesten erfüllen konnte, fiel in Jerez eigentlich nur mit der Camouflage-Lackierung und den Fahrten ohne Frontflügel auf, nicht jedoch mit guten Zeiten oder absolvierten Kilometern. Die Gesamtzeitentabelle der ersten Testwoche zeigt auf den ersten Blick, dass RBR derzeit zumindest noch rund zwei Sekunden auf die Bestmarke fehlen. Weniger als die 735 Kilometer, welche Daniel Ricciardo und Daniil Kvyat in Jerez absolviert haben, hat lediglich McLaren-Honda zu Buche stehen.

Man könnte also sagen: Während Ferrari offenbar sowohl in punkto Chassis als auch beim Motor (eine Bestzeit ging an Sauber-Ferrari) einen Schritt vorwärts machen konnte, laborieren RBR und vor allem Renault immer noch an verschiedenen Problemen. Adrian Newey sprach zudem offen aus, dass immer noch rund 60 PS fehlen würden. Allerdings ist eine neue Ausbaustufe für die zweite Barcelona-Woche vorgesehen – hierbei sollen der Schweizer „Motorenpabst“ Mario Illien und auch die steirische Firma AVL ihr Knowhow beigesteuert haben. Ebenso werden auch neue Aerodynamik-Teile erwartet. Abschreiben sollte man RBR daher noch lange nicht – auch im Vorjahr mauserte sich das vormalige Serienweltmeisterteam, konnte bald mit Williams um die Nummer 2 im Feld kämpfen.

Apropos Williams: Während Sauber möglicherweise gute Rundenzeiten forcierte (das Team dementierte sogenannte „Showrunden“ mit leeren Tanks und weichen Reifen, zudem war der neue Bolide der Schweizer auch zuverlässig), scheint heuer auch Williams an den ersten Testtagen den Schwerpunkt auf Longruns gelegt zu haben, ganz ähnlich wie Mercedes. Felipe Massa lobte ein „verbessertes Handling“, speziell sei die Balance in langsamen Kurven besser geworden. Nach seinem ersten Testtag mit dem FW37 ließ sich Massa dazu hinreißen, für diese Saison Siege anzukündigen…

Davon weit entfernt ist Lotus, die Briten kamen verspätet zum Test, fahren erstmals mit Mercedes-Motoren und mussten daher auch die eine oder andere „Kinderkrankheit“ mit dem erstmals verwendeten Antrieb hinnehmen. Schließlich geht es um das „Paket“, also die Art und Weise, wie Antrieb und ERS verbaut sind.

Die Scuderia Toro Rosso wirkte solide und unauffällig, in Summe jedoch sehr zuverlässig – mit 1.563 Kilometern liegt das italienische Team rund um Franz Tost damit in der Distanzwertung hinter Mercedes und Sauber auf Platz drei. Die wichtigste Erkenntnis aus der ersten Testwoche sei, dass „unser neues Auto zuverlässig ist“, erklärte der junge Max Verstappen, der seinem ebenfalls neu in die Formel 1 eingestiegenen Teamkollegen Carlos Sainz junior sechs Zehntelsekunden abknöpfen konnte, wenngleich die beiden Rookies freilich an verschiedenen Tagen fuhren.

Völlig von der Rolle wirkten nur Force („Farce“) India – das Team kam gar nicht erst zum Test – und McLaren-Honda. So schlimm erging es nicht einmal RBR im Vorjahr – Gerüchten zufolge soll Honda das gleiche Problem haben wie Renault 2014: Die elektronischen Boxen sollen nicht miteinander kommunizieren. In vier Tagen konnten lediglich 79 Runden absolviert werden, am vierten Tag „zoomte“ sich Jenson Button bis auf 6,8 Sekunden an die Bestzeit heran – derzeit also müssen Ron Dennis und seine nun wieder guten Freunde hoffen, in Melbourne die 107%-Marke zu schaffen.

Entsprechend kleinlaut auch die öffentlichen Äußerungen, vom Sieg spricht niemand mehr, in Melbourne sei eine Zielankunft geplant. Auch wenn McLaren bekannt dafür ist, sich im Laufe der Saison vorzuarbeiten – der MP4-30 wurde wie einst der MP4-18 extrem gebaut und scheint derzeit zumindest ebenso „bockig“ zu sein. Einer der Mechaniker soll schon jetzt gesagt haben: „Das wird ein schwieriges Jahr“. Sicher ist: In Barcelona kann es eigentlich nur noch besser werden für das neue „Traumduo“ McLaren und Honda.


Testzeiten Jerez gesamt
 1. Räikkönen       Ferrari             1:20.841
 2. Vettel          Ferrari               +0.143
 3. Nasr            Sauber-Ferrari        +0.704
 4. Rosberg         Mercedes              +1.141
 5. Ericsson        Sauber-Ferrari        +1.178
 6. Hamilton        Mercedes              +1.331
 7. Massa           Williams-Mercedes     +1.435
 8. Bottas          Williams-Mercedes     +1.478
 9. Verstappen      Toro Rosso-Renault    +1.712
10. Maldonado       Lotus-Mercedes        +1.872
11. Sainz           Toro Rosso-Renault    +2.346
12. Ricciardo       RBR-Renault           +2.497
13. Grosjean        Lotus-Mercedes        +2.961
14. Kvyat           RBR-Renault           +3.134
15. Button          McLaren-Honda         +6.819
16. Alonso          McLaren-Honda        +14.712
Marchionne zufrieden Marchionne zufrieden McLaren: Debakel McLaren: Debakel

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