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Formel 1: Analyse

Wird 2017 mehr oder weniger überholt?

Mehr Action oder Prozessionen? Wie sich die neuen Regeln auf Zweikämpfe auswirken werden und welche Erkenntnisse die Tests brachten.

Die einen sagen, dass die neuen Regeln bessere Action ermöglichen, die anderen bezweifeln das. Doch was wird schließlich den entscheidenden Ausschlag geben? Die Antwort: Das Verhältnis zwischen mechanischem Grip, der durch die Reifen entsteht, und Abtrieb, den die Aerodynamik erzeugt. Pirelli hat dieses Jahr neue Reifen hergestellt, die nicht so schnell überhitzen und daher auch für den Zweikampf besser geeignet sind.

"Wir haben nun die Reifen in den Griff bekommen, und wir haben auch weniger Gummimurmeln", liefert Pirellis Motorsportchef Paul Hembery zwei Gründe, die Überholmanöver erleichtern sollen. "Wenn man also nun von der Ideallinie wegfährt, dann werden die Reifen nicht schmutzig."

Der Brite rechnet daher dieses Jahr mit aggressiveren Zweikämpfen und Überholmanövern: "Die Fahrer können mit diesen Reifen härter pushen." Auch die Anbremsphase wird durch den erhöhten Abtrieb und die besseren Reifen kürzer. "Man muss also sehr aggressiv überholen", glaubt Hembery. In der Vergangenheit war das anders: "Wenn der Reifen überhitzt, dann kann man gewisse Manöver nicht durchführen, ohne einen Performance-Verlust zu erleiden."

Hamilton übt harte Kritik: Nichts aus der Vergangenheit gelernt?

All das ist auch Lewis Hamilton bewusst. Doch er fürchtet, dass ein zu kleiner Anteil der vier Sekunden, die die neuen Boliden schneller sein sollen, vom Reifen kommt. Zunächst deutet der Mercedes-Pilot an, dass es sich um nur eine halbe Sekunde handeln könnte, doch später relativiert er diesen Wert.

Dabei hätte man das laut Hamilton schon im Vorfeld wissen müssen. "Als die Vorschläge für das Design der neuen Autos rauskamen, da meinten die Ingenieure bereits, dass man in die falsche Richtung gehe", erinnert sich der 32-Jährige. "Einige Teams und zumindest meine Ingenieure meinten, dass das die Autos zwar schneller machen und für mehr Abtrieb sorgen würde, aber man wegen der Turbulenzen einem anderen Auto schlechter werde folgen können, da die Luftverwirbelungen größer sein werden. Leider hat aber niemand zugehört."

Das Problem: Die zahlreichen Windabweiser und der größere Diffusor erzeugen größere Verwirbelungen, die die Aerodynamik des nachfolgenden Fahrzeuges stören. Und da die Aerodynamik dieses Jahr aufgewertet wird, verstärkt sich die Wirkung dieses Effekts, den man im Fachjargon "Dirty Air" nennt, zusätzlich. Womöglich ist das bei Puristen so verhasste DRS, dessen Wirkung ab 2017 noch stärker sein soll, die einzige Chance auf mehr Positionsverschiebungen auf der Strecke.

Entwicklung in die falsche Richtung

Hamilton wundert sich, dass die Formel 1 aus der Vergangenheit nicht gelernt hat. "Wir haben jetzt das gleiche Problem wie früher, also viel Abtrieb, dabei bräuchten wir mehr mechanischen Grip. Die Entwicklung ist also genau in die falsche Richtung gegangen. Wir brauchen mehr Grip vom Reifen, aber weniger von der Aerodynamik."

Während die meisten Formel-1-Akteure zunächst einmal die ersten Rennen abwarten wollen, haben sich für Hamilton die Befürchtungen bereits auf der Strecke bewahrheitet. "Wenn man einem anderen Auto hinterherfährt, dann kommt man in eine Verwirbelung, mit der man nicht rechnet. Man verliert also den Grip an der Vorderachse, muss vom Gas gehen, und dann kommt man nicht mehr nahe genug ran. Ich bin mehreren Autos nachgefahren, und es war nicht einfach."

Doch nicht alle sehen die Angelegenheit derart kritisch wie Hamilton. Ferrari-Star Sebastian Vettel, der sich bereits als Fan der neuen Autos geoutet hat, will noch keine klare Tendenz geortet haben. "Manchmal war es schwieriger einem anderen Auto zu folgen, manchmal einfacher", liefert er ein ausgewogenes Urteil ab. Eines ist für ihn aber sicher: "In Monaco wird es definitiv schwieriger, weil die Autos breiter sind."

Warum Newey wenig Wert auf Überholmanöver legt

Und Red Bulls Stardesigner Adrian Newey hält es generell für überbewertet, wie viel überholt wird. "Ob die Rennen besser sein werden, hängt gänzlich davon ab, ob wir zwei gleichwertige Teams haben werden", meint der Brite. "Normalerweise erinnert man sich nicht an die Jahre, in denen zwei Fahrer eines Teams die WM unter sich ausgemacht haben, so wie das im Vorjahr der Fall war, sondern wenn es sich um unterschiedliche Teams handelt. Ob das der Fall sein wird, ist unter anderem eine Frage des Glücks."

Dass der Brite Spannung ausschließlich von der Wettbewerbssituation abhängig macht, könnte auch persönliche Gründe haben: Eine Abwertung der Aerodynamik würde auch die enormen Kompetenzen des Stardesigners in der Formel 1 entwerten. Daher wäre es durchaus in seinem Sinne, wenn die Aerodynamik für einen großen Teil des Grips eines Formel-1-Boliden verantwortlich ist.

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