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Das beste "F1" aller Zeiten ... erneut

Im Motorsportjahr 2020 ist vieles anders. Das gilt für die Königsklasse genauso, wie für alle anderen Disziplinen. Und auch bei F1 2020, dem aktuellen Lizenzspiel der Formel 1, hat sich im Vergleich zum Vorjahr wieder viel getan. Während die Neuigkeiten und Veränderungen in der Realität allerdings so manch Grund zum raunzen liefern, sind sie in F1 2020 allesamt Gründe zur Freude.

Johannes Posch

Formel 1-Titel gab es im Laufe der Videospiel-Geschichte schon wirklich viele. Lange Zeit galten dabei die legendären Titel der "Grand Prix"-Serie aus der Feder von Geoff Crammond als das nahezu unerreichbare Maß der Dinge. Zu sagen, irgendetwas sei besser, kann in der falschen Runde gefährlich werden. Und dennoch traue ich mich: Spätestens seit dem Vorjahr, also mit F1 2019, gibt es einen neuen Champion: Codemasters! Jahr um Jahr, seit mittlerweile elf Jahren, haben es die Briten besser und besser verstanden die wertvolle Lizenz in ein gutes Spiel umzumünzen. Doch genug Geschwafel - ran ans Spiel!

Die größte Neuheit in der Geschichte der Serie ist bei F1 2020 auch gleich das Herzstück des ganzen Spiels: Statt nur einem Karrieremodus, in dem wir wie in all den Jahren zuvor als Fahrer nach und nach um Punkte kämpfen könnt, gibt es hier nun nämlich noch den von Fans lange herbeigesehnten Modus "My Team". Der Clou dabei: Hier seid ihr Fahrer und Teambesitzer gleichzeitig, versucht also in die Fußstapfen des berühmten Jack Brabham zu steigen – dem bis heute einzigen Fahrer, der mit seinem eigenen Auto F1-Weltmeister wurde … und zum Ritter geschlagen wurde, aber diese Möglichkeit baut Codemasters vielleicht erst im nächsten Titel ein.

Rein in Brabhams Fußstapfen
Dabei hatte Codemasters aber einen schwierigen Spagat zu schaffen: Genug Komplexität und Authentizität zu bieten, dass Fans glücklich sind, das ganze aber gleichzeitig oberflächlich und einfach genug zu halten, dass auch Laien Spaß haben können. Das Ergebnis ist - wie könnte es anders sein - ein Kompromiss geworden. Zum vollwertigen F1 Manager 2020 oder F1 Fahrzeugbau-Simulator wird F1 2020 damit also noch lange nicht. Nichtsdestotrotz lässt euch das Spiel wichtige Entscheidungen treffen und schafft es gut die Entwicklung eines Teams über mehrere Saisonen hinweg auf euren Fernseher oder Monitor zu bringen. Konkret bedeutet das, dass ihr also beispielsweise gleich zu Beginn mit strengem Auge auf eure Finanzen und Ambitionen Sponsoren, Motorenlieferanten und zweiten Fahrer aufstellen dürft, dabei aber keinerlei Mitsprachemöglichkeit habt was die Fahrzeugkonstruktion angeht. Die Form eurer Boliden ist also fix vorgegeben. Cracks mögen das schade finden, mit Hinblick auf den „Breiten-Appeal“, den Codemasters zu gewährleisten versucht, geht das aber schon in Ordnung, wie ich meine.

Sind diese Entscheidungen getroffen, dürfte ihr euch in Sachen "Team-Design" austoben. Es wollen also ein Logo gestaltet, die Wagenbemalung zusammengebastelt und die Teamfarben bestimmt werden. Auch hier fehlt echten Freaks aber vermutlich ein wenig Tiefgang. Sowohl beim Wagen-Design, als auch beim Teamlogo muss nämlich ausnahmslos mit vorgefertigten Designs gearbeitet werden, die noch dazu anfänglich in ihrer Zahl noch recht überschaubar sind. Gerade bei den Fahrzeug-Liveries habt ihr für den Anfang nur die Wahl aus einer handvoll Designs, für deren zwei oder drei Elemente nur die Farben festgelegt werden dürfen. Schade – ein ausgewachsener Editor im Sinne von Forza wäre natürlich netter gewesen. Zumindest kann man aber im Laufe des Spiels durch die ebenfalls neuen Podium Passes weitere Designs freischalten – sowohl für sein Auto, als auch für den Anzug, Helm und die Handschuhe eures Alter Egos, der ebenfalls nur aus einer Reihe von vordefinierten Charaktermodellen ausgewählt werden muss und gleichfalls nicht selbst frei gestaltet werden darf. Immerhin darf man dabei allerdings auch weibliche Charaktermodelle auswählen und somit zumindest virtuell für etwas mehr Diversität im Fahrerlager sorgen.

Apropos Diversität: Mittlerweile (unsere Testversion ist mittlerweile auf 1.07 hochgepatched worden) hat Codemasters Hamiltons und Mercedes' Ambitionen in Sachen #blacklivesmatter Rechnung getragen und das schwarze Fahrzeugdesign des "Silberpfeils" auch ins Spiel gehoben. Die das aktuelle Bild prägenden Mund-Nasen-Schutz-Masken und Co. hat man sich aber glücklicherweise gespart. Auch die Ränge neben den vollen 22 Strecken, die eigentlich für die aktuelle Saison geplant waren (also auch Hanoi und Zandvoort) sind gesteckt voll. Manchmal dürfen eben selbst Simulationen die Realität gern übertreffen.

Doch zurück in den "My Team"-Modus: Ist das initiale Setup eures eigenen F1-Teams erledigt, startet ihr auch schon in eure erste Saison. Dabei ist der essenzielle Unterschied zur regulären Fahrer-Saison, die natürlich nach wie vor enthalten ist uns wahlweise in der Formel 2 oder direkt in der Formel 1 gestartet werden kann, dass ihr euch um die Terminplanung des Teams kümmern müsst. Für die freie Zeit zwischen den Rennwochenenden und Seiten-Events (es warten Invitationals mit historischen Autos und dergleichen) wollen also die Team-Aktivitäten geplant werden. Der Ablauf ist dabei recht simpel. Für jede Lücke in eurem Kalender stellt euch das Spiel sechs Aktivitäten zur Wahl, die unterschiedlich viele Tage lang dauern und jeweils eigene Effekte und Kosten bedeuten. Ein Fitness-Training für euren zweiten Fahrer würde also z.B. einen Tag dauern, seine Skills verbessern und 2.000 Dollar kosten. Ein viertägiges Team-Event stünde hingegen würde die Moral all eurer Entwicklungsteams steigern, aber mit 30.000 zu Buche schlagen. Ihr könntet aber auch ein fünf Tage langes Fokussieren aller Anstrengungen auf die Aerodynamik-Entwicklung anordnen; würde dem passenden Team natürlich sehr taugen, die Moral der Abteilungen für Motor, Chassis und Qualitätskontrolle würde aber leiden. Dann gäbe es aber auch noch die Möglichkeit einen Marketing-Schwerpunkt zu setzen und zusammen mit dem zweiten Fahrer ein zweitägiges E-Sport-Turnier zu besuchen, um die Werbetrommel zu rühren … ich glaube ihr versteht, wie die Auswahl so aussieht.

Welche von den jeweils verfügbaren Events ihr einplant, bleibt ganz euch überlassen. Ebenso wie die Entscheidung, ob ihr überhaupt welche davon einplanen oder doch lieber euer Geld zusammenhalten wollt, um rascher Budget für die Weiterentwicklung der F&E-Abteilungen zu haben oder schlicht die laufenden Kosten decken zu können, weil die bisherigen Einkünfte durch eure Leistung auf der Strecke es eben erfordern, den Gürtel enger zu schnallen.

Am Ende des Tages ist das ganze Team-Management eine interessante Erweiterung rund um die schon aus dem Vorgänger bekannte und umfangreiche Fahrzeug-Weiterentwicklung und die eigentliche Rennaction, die ebenfalls zu überzeugen weiß. Das Fahrverhalten ist überaus glaubhaft, das Talent der anderen Fahrer auf der Strecke in wahnwitzigen 110 Stufen feinst justierbar und das Schadensmodell in seiner höchsten Stufe so empfindlich, dass ihr sehr oft und gerne von der verfügbaren Option Gebrauch machen werdet, die Zeit auf Knopfdruck ein paar Sekunden zurückzudrehen. Im Vergleich zu den Vorgängern ist das allerdings alles nicht neu. Das heißt aber freilich nicht, dass sich auf der Strecke selbst im Vergleich zu F1 2019 nichts getan hat. Zum Beispiel wurde das ERS-System nach realem Vorbild vereinfacht: Passend zur echten Welt könnt ihr hier nun einfach via „Overtake“-Button die volle Power des Systems abrufen – der Rest läuft auf Auto und Strecke abgestimmt eigenständig im Hintergrund.

Auch an den Bildschirmanzeigen wurde gefeilt. Konnten diese bis jetzt nur auf dem PC euren Vorlieben angepasst werden - also beispielsweise die Position der Karte oder der virtuellen Rückspiegel verändert werden - ist das nun auch auf den Konsolen möglich. Auch beim Umfang wurde nachgebessert. Wollt ihr euch beispielsweise in die vorher bereits kurz erwähnte Fahrerkarriere werfen, könnt ihr nun auswählen, ob ihr die Formel 2 nur in Form dreier Einzelrennen ohne Qualifying erleben möchtet, oder doch etwas mehr Zeit in der Talentschmiede der Königsklasse verbringen und eine halbe oder volle Saison darin bestreiten wollt. Die spannenden Rennen in identischen Autos interessieren euch hingegen gar nicht und ihr wollt direkt ins Cockpit eines Ferrari springen und beweisen, dass das aktuelle Auto in euren Händen sehr wohl mit dem restlichen Topfeld mithalten kann?! Geht jetzt auch. Mehr noch: Auch wenn ihr "nur" in der Formel 1 um Punkte kämpft, könnt ihr die Saisonlänge jetzt in drei Stufen anpassen. Ihr könnt euch also entweder in die vollen 22, oder aber nur 16 oder 10 Rennen werfen, bevor ein Champion feststeht. Natürlich dürft ihr euch bei den verkürzten Plänen dann auch aussuchen, auf welchen Strecken ihr fahren wollt.

Dazwischen warten in regelmäßigen Abständen - spätestens aber nach dem Saisonende - Möglichkeiten das neue Fahrermarkt-System des Spiels kennenzulernen, das vor allem durch die Integration des "My Team"-Modus nötig wurde. Fahrer und Teams gleichermaßen steigern oder senken durch ihre Leistungen ihre sogenannte "Acclaim-Stufe", also quasi ihren Ruf. Desto höher der bei einem Fahrer ist, desto teurer wird er für Teams, die gerne mit ihm zusammenarbeiten würden. Zusätzlich könnt ihr euch als Pilot im Karriere-Modus zudem sogenannte Perks aneignen, die euch wertvoller machen. Das wären dann zum Beispiel Medien-Trainings um zusätzliche Interview-Antworten freischalten zu können, oder aber Vorteile in Sachen Komponentenschonung und dergleichen. Ein interessantes und gut umgesetztes System, das für ein bisschen mehr Tiefgang sorgt.

Jede Menge Tiefgang erwartet euch auch im Mehrspieler-Part von F1 2020. Hier wartet freilich ein umfangreicher Mix an Modi und Services, samt eigenem E-Sport-Abschnitt, wöchentlicher Online-Events und Liga-Möglichkeiten, die euch für Wochen und Monate beschäftigt halten werden. Darüber hinaus hat Codemasters aber auch einen der größten Wünsche der Community – und ja; auch von mir – erfüllt: Es gibt einen Splitscreen-Modus! Und noch dazu einen, bei dem auch gegen ein volles KI-Fahrerfeld gefahren werden kann. Hurra!

Die Technik
In Sachen Grafik kann man F1 2020 irgendwo zwischen "überaus solide" und "wirklich hübsch" einordnen. Gerade durch die 2019 neu hinzugefügten Lichteffekte und überarbeiteten Strecken macht das Ganze also mit seinen schönen Spiegellungen und sehr detaillierten Fahrzeugmodellen also durchaus etwas her. Vor allem die Wettereffekte (das Wetter ändert sich ebenso dynamisch während der Rennen wie die Tageszeit) sind vom Allerfeinsten. Dennoch: Bei genauerem Hinsehen findet der echte Grafik-Connaisseur doch so manch Polygon-Kante und Matsch-Textur die veranschaulicht, dass die aktuelle, knapp vor der Ablöse stehende Konsolengeneration mittlerweile keine Reserven mehr hat. Aber apropos nächste Konsolengeneration: Nach aktuellem Stand wird F1 2020 nicht für die kommende PS5 und Xbox Series X bzw. Series S erscheinen. Man darf also davon ausgehen, dass sich das Team bereits für die Version 2021 voll auf die neue Hardware konzentriert.

An der Fahrphysik hingegen gibt es nichts zu meckern. Sowohl die aktuellen F1-Boliden, als auch die Formel 2-Renner und die diversen historischen Autos im Spiel (welche das sind kommt darauf an, welche Version ihr kauft) fühlen sich allesamt ungemein glaubhaft an. Zudem erlaubt es eine breite Auswahl an unterstützen Lenkrädern und ein umfangreicher Mix aus Fahrhilfen samt dem neuen Casual-Modus, wo eine intelligente Lenkhilfe assistiert und selbst Ausritte meist ohne Konsequenzen bleiben, dass Anfänger und Cracks ebenso auf ihre Kosten kommen können.

Das Fazit
Ooops, they did it again. Codemasters hat ein weiteres Mal an allen richtigen Schrauben gedreht, um ihren aktuellsten Formel 1-Titel noch ein bisschen besser zu machen. Ja, die Technik ist mittlerweile etwas angestaubt, doch der ungemein motivierende „My Team“-Modus macht das ebenso wie die tolle Fahrphysik, die gute KI und der satte Umfang locker wieder wett. Codemasters ... manchmal sagt ein Gif einfach mehr als tausend Worte:

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