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Türkei, Freies Training: Red Bull und Ferrari vor Mercedes Max Verstappen hat sich die nächste Bestzeit in der Türkei geholt
Motorsport Images

F1 Türkei 2020: Keine Bestzeit, aber Favoritenrolle für Mercedes ...

Max Verstappen war Schnellster im Freitagstraining in Istanbul, aber der Schein trügt: Bei dann veränderten Bedingungen ist Mercedes weiterhin Favorit

Die "Rutschpartie" in Istanbul hat am Freitag beim Grand Prix der Türkei ein ungewöhnliches Ergebnis hervorgebracht . Denn die beiden Mercedes-Piloten landeten mit 0,6 beziehungsweise 0,9 Sekunden Rückstand auf den Positionen drei und vier. Da waren andere schneller: Max Verstappen (Red Bull) sicherte sich die Bestzeit (1:28.330 Minuten) vor Charles Leclerc (Ferrari/+0,401).

Die Mercedes-Fans müssen aber nicht in Panik verfallen, denn erstens waren die drei Stunden Training am Freitag aufgrund der extrem schlechten Gripverhältnisse nicht repräsentativ, und zweitens fuhren Valtteri Bottas (3./+0,575) und Lewis Hamilton (4./+0,850) im Finish die beeindruckendsten Zeiten, als für das Rennen geübt wurde.

"Das war heute ehrlich gesagt eine Katastrophe", sagt Hamilton. "Diese Strecke ist ein fantastischer Kurs. Aber ich verstehe nicht, dass sie Millionen für eine Neuasphaltierung ausgeben, und jetzt ist es schlimmer als in Portimao. Die Reifen funktionieren überhaupt nicht. Das macht keinen Spaß. Scheiße - und zwar Scheiße mit großem S!"

Wie viel noch in der Strecke stecken müsste, zeigt die Differenz zwischen den im Mercedes-Computer errechneten Bestzeiten von ungefähr 1:20 Minuten und der tatsächlichen Freitagsbestzeit, die bei 1:28 Minuten lag. Zum Vergleich: 2011 hatte Sebastian Vettel auf Red Bull eine Pole-Position-Zeit von 1:25.049 Minuten erzielt.

In Abwesenheit von Ferrari-Teamchef Mattia Binotto liefen die roten Boliden über weite Strecken deutlich besser als zuletzt. Vettel konnte auch phasenweise mit Leclerc mithalten. Am Ende hatte er dann jedoch wieder 1,291 Sekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen. Damit belegte er im zweiten Freien Training den achten Platz.

Leclerc beschwerte sich zu Beginn seiner Performance-Runs mit den weichsten Reifen (C3) darüber, dass die Pirellis zu schnell körnen und abbauen. Tatsächlich fuhr er dann seine Bestzeit aber erst nach einigen Runden. Die Reifen ins richtige Temperaturfenster zu bringen, das wird in Istanbul jedenfalls ein ganz entscheidendes Thema sein.

"Man hat ganz klar gesehen: Es gibt Autos, die tun sich leichter, die Reifen ins richtige Fenster zu bekommen - und dann machst du einfach einen riesen Schritt in Sachen Rundenzeit", analysiert McLaren-Teamchef Andreas Seidl gegenüber 'Sky'. "Was Charles gezeigt hat, war unglaublich. Die schaffen es immer wieder, zumindest auf eine Runde, diese Reifen auf Temperatur zu bringen."

Dass die Fahrbahn besonders zu Beginn so extrem rutschig war und dann nach und nach zumindest etwas mehr Grip aufbaute, lag auch daran, dass die lokalen Betreiber noch kurz vor Beginn des Wochenendes versucht haben, das ölige Bitumen vom neu aufgetragenen Asphalt auszuwaschen. Die Kombination aus Öl und Wasser war zu Beginn des Tages Gift für die Fahrer.

"Das ist wie auf Eis", funkte Verstappen nach einem seiner vielen Quersteher, und auch Hamilton schimpfte ein paar Mal am Boxenfunk: "Kein Grip." Neben der Strecke war fast jeder einmal. Als Leclerc in FT1 den Poller bei der Boxeneinfahrt wegrasierte, musste sogar unterbrochen werden. Die Schrauben, die den Poller eigentlich fixierten sollten, mussten erst weggeflext werden.

So ist davon auszugehen, dass das Freitags-Kräfteverhältnis in Istanbul bei weitem nicht die ganze Wahrheit abbildet. Wenn die Bedingungen am Samstag von Anfang an trocken und etwas griffiger sind (was zwangsläufig passieren wird, je mehr die Autos fahren), dann könnte sich im Qualifying ein komplett anderes Bild bieten.

Seidl erklärt: "Wir haben nicht das typische, sagen wir mal, dieses eine Runde schnell und dann wieder langsam und wieder schnell gesehen heute, sondern man ist kontinuierlich über den Run schneller geworden, weil man dadurch einfach Energie reingebracht hat in die Reifen. Von daher wird es interessant, was all die Teams machen mit dem Set-up."

"Gerade weil es morgen regnet. Das erfordert, dass man noch mehr Energie in die Reifen bringt. Gleichzeitig soll es am Sonntag aber trocken bleiben. Von daher muss man den richtigen Kompromiss finden. Ich glaube, selbst die Schnellsten ganz vorne sind immer noch drei, vier Sekunden weg von dem, was wir uns eigentlich erwartet haben an Rundenzeiten."

Die Gunst der rutschigen Strecke nutzten einige Kandidaten, um auf sich aufmerksam zu machen. Vettel war phasenweise ungewöhnlich schnell unterwegs, Alexander Albon (Red Bull) lag lange Zeit sogar in Führung. Am Ende belegte der Thailänder den fünften Platz. Auf Teamkollege Verstappen fehlte letztendlich eine ganze Sekunde.

AlphaTauri brachte beide Fahrzeuge in die Top 10, die Racing Points wurden Neunter und Elfter, dazwischen Geburtstagskind Lando Norris (McLaren) auf Platz zehn. Der nunmehr 21-Jährige hatte aber bereits 2,577 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit. Nicholas Latifi (Williams) fehlten auf dem letzten Platz sogar mehr als fünf Sekunden.

McLaren sei "irgendwo mittendrin", analysiert Seidl und ergänzt: "Wenn man die schnellste Zeit von Lando nimmt, die gestrichen wurde, waren wir auf P8. Da sind wir mittendrin im Kampf mit den Renaults und Racing Points. Im Longrun waren wir dabei. Jetzt müssen wir im Detail analysieren, was wir jetzt weitermachen mit dem Auto, um vielleicht noch einen Schritt zu machen."

Und sonst? George Russell (17./Williams/+3,972) konnte sich am Freitag schon komplett auf die Rennvorbereitung konzentrieren. Wegen eines Motorwechsels kassiert er für Sonntag eine Rückversetzungs-Strafe um 15 Positionen. Und bei McLaren trat am Wagen von Carlos Sainz (14./+3,168) ein Elektrikproblem auf, allerdings bereits in FT1.

"Heute in der Früh gab es ein elektrisches Problem am Motor von Carlos, das haben wir dann leider nicht reparieren können in der Zeit", sagt Seidl. "Wir haben es probiert, wir haben ihn noch einmal rausgeschickt, dann ist er aber noch einmal stehengeblieben draußen. Wir haben es dann in der Pause reparieren können, dann hat es wieder einwandfrei funktioniert."

Motorsport-Total.com

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