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Trauer um Roberto Colaninno
Piaggio

Piaggio-Präsident und -CEO verstorben

Roberto Colaninno, Präsident und CEO der Piaggio Group, gehörte zu den einflussreichsten Unternehmerpersönlichkeiten Italiens. Er wurde am 16. August 1943 in Mantua geboren und starb am 19. August 2023, nur drei Tage nach seinem 80. Geburtstag. Sein bewegtes Leben endete zu einer Zeit, an dem sich der Wert „seiner" an der Börse in Mailand notierten Piaggio Aktie auf höchstem Niveau konsolidiert hatte.

Die Jahre, die Roberto Colaninno fu?r den Zweiradkonzern mit Sitz in Pontedera, Toskana, tätig war, markieren die zweite Hälfte seiner beruflichen Karriere. Der Karrierehöhepunkt der ersten Hälfte - oder „Primo tempo", so der Titel seiner Biografie, die seinen Lebensweg bis 2006 beschreibt, war die Transaktion, die seinen internationalen Bekanntheitsgrad als Manager und Unternehmer begru?ndete: Die Übernahme der Telecom Italia durch die „Jungs aus der Po-Ebene". In seinem Buch erklärt der sonst sehr zuru?ckhaltende Manager, der in Mantua in einer aus Bari stammenden Familie geboren wurde, zum ersten Mal seine industrielle Vision.

Ein Blick zuru?ck auf die Anfänge: Roberto Colaninno war diplomierter Finanzwissenschaftler und heiratete 1969 im Alter von 26 Jahren Oretta Schiavetti. Seine beiden Söhne traten in seine beruflichen Fußstapfen. Der ältere, Matteo, geboren 1970, ist nach seiner aktiven politischen Laufbahn jetzt stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Piaggio Group. Michele Colaninno, der ju?ngere Sohn, geboren 1976, ist CEO und Chief Operating Officer der Industrieholding Immsi, Chief Executive for Product Innovation & Marketing Strategy der Piaggio Group und Präsident von ACEM, dem europäischen Verband der Motorradindustrie.

Roberto Colaninno begann seine berufliche Laufbahn 1969 als Verwaltungsleiter und später als Geschäftsfu?hrer bei FIAMM, einem Hersteller von Automobilkomponenten in Mantua.

Im Jahr 1981 gru?ndete er in Mantua die Autoteilefirma Sogefi, die später von CIR, der Holding der Familie De Benedetti, u?bernommen wurde. Der Schritt, der Roberto Colaninno öffentliche mediale Aufmerksamkeit brachte, war seine Bestellung zum CEO von Olivetti im Jahre 1996.

Das in Ivrea ansässige Unternehmen, das fu?r seine Schreibmaschinen und Computer weltberu?hmt war, befand sich im Umbruch, nachdem es mit Omnitel die erste private Mobilfunkgesellschaft Italiens gegru?ndet hatte und mit Infostrada eine Alternative zum bis dahin monopolistischen Festnetzbetreiber Telecom unterhielt.

Der Erlös von u?ber sieben Milliarden Euro anlässlich der Übernahme durch Mannesmann bildete 1999 die finanzielle Basis fu?r das Übernahmeangebot an Telecom Italia durch Olivetti. Ministerpräsident Romano Prodi hatte nämlich 1997 beschlossen, die Telecom Italia zu privatisieren, um die Staatsfinanzen Italiens vor dem Euro-Beitritt zu sanieren.

Nach seiner Berufung zu Olivetti beteiligte sich Colaninno u?ber die Fingruppo S.p.A., eine Aktiengesellschaft in Brescia, am Unternehmen. Neben Fingruppo waren Hopa und die luxemburgische Investmentgruppe Bell, Beteiligungsgesellschaften unter der Leitung von Emilio Gnutti, an denen auch der ehemalige Unipol-Chef Giovanni Consorte, MPS und später Fininvest beteiligt waren, die wichtigsten Aktionäre von Olivetti. Die amerikanische Bank Chase Manhattan fungierte als Bu?rge, und der damalige italienische Ministerpräsident Massimo D'Alema (Oktober 1998 bis April 2000) bezeichnete Colaninno und seine Partner als „Captains courageous". Colaninno, der selbst kein Bell-Aktionär war, verfolgte bei der Übernahme eine vorrangig unternehmerische Vision.

Unter seiner Fu?hrung baute die Telecom in den folgenden zwei Jahren ihre internationale Position stark aus und erweiterte ihre Geschäftsfelder mit der Gru?ndung des Senders La7 - vom Internet zum Fernsehen sowie von der Satelliten-Kommunikation zu IT-Systemen.

Die Bell-Anteilseigner verfolgten hingegen rein finanzielle Interessen und verkauften das Unternehmen nur zwei Jahre später an Olimpia, ein Unternehmen im Besitz von Marco Tronchetti Provera.

Roberto Colaninno war mit dem Verkauf nicht einverstanden und trat von seinem Posten als CEO bei Olivetti zuru?ck. Zum Zeitpunkt seines Ru?cktritts waren Olivettis Schulden noch nicht auf die Telecom u?bertragen worden, was Teil der von Colaninno ausgearbeiteten Finanzstrategie war.

Im Jahr 2002 unternahm Colaninno mit dem Erwerb der Immobiliengesellschaft Immsi aus Mitteln seiner Abfindung sowie seinen Aktienoptionen von Olivetti und dem Erlös aus dem Verkauf einiger kleinerer Beteiligungen einen Neustart. Er wandelte Immsi in eine Industrieholding um, u?ber die er im Jahr 2003 Piaggio erwarb. Mit dem Kauf der Unternehmen Aprilia und Moto Guzzi im Dezember 2004 stieg Colaninno auch ins Motorradgeschäft ein.

Mit dem Börsengang im Jahr 2006 wurde die Verschuldung der Piaggio Group deutlich reduziert. Seitdem hat die Piaggio Group ein beeindruckendes Wachstum erzielt. Die Piaggio Group ist Europas größter Roller- und Motorradhersteller und einer der wichtigsten Branchenakteure weltweit. Die Piaggio Group besitzt die Zweiradmarken Vespa, Piaggio, Aprilia, Moto Guzzi, Gilera sowie Derbi. Außerdem produziert die Piaggio Group mit den Marken Ape und Porter leichte Nutzfahrzeuge. 2015 gru?ndete das Unternehmen mit Piaggio Fast Forward eine Robotik-Sparte. Im Piaggio-Forschungszentrum fu?r zuku?nftige Mobilität in Boston, USA, wurde auf Basis der Follow-me-Technologie die Landdrohne Gita entwickelt.

Immsi diversifizierte seine Investitionen und stieg mit dem Erwerb von Rodriquez Cantieri Navali in Messina und Intermarine in Sarzana – heute einer der weltweit fu?hrenden Hersteller von Minenjägern und Minensuchbooten – in den Schiffbau ein. Mit dem Is Molas Golf Resort, einem Luxusimmobilienprojekt auf Sardinien, investierte Immsi zudem in den Immobilien- und Tourismussektor.

Im Jahr 2008 beteiligte sich Roberto Colaninno an CAI, Compagnia Aerea Italiana, einem Unternehmen, das mit der Rettung der Alitalia beauftragt war. Über die Immsi-Group wurde er zu einem der Gru?nder des neuen Unternehmens, das die Fluggesellschaften Alitalia und Airone u?bernahm. Auch hier fu?hrte der spätere Eigentu?merwechsel dazu, dass Colaninno den von ihm entwickelten Sanierungsplan fu?r die Alitalia nicht zu Ende fu?hren konnte. Damit ging ein weiteres Kapitel in der bewegten Geschichte der italienischen Luftfahrtgesellschaft zu Ende.

Neben seinen Ämtern als Vorsitzender und Direktor von Alitalia war Colaninno Mitglied des Verwaltungsrats von Mediobanca, Capitalia und anderen Finanzinstituten sowie Mitglied des Vorstands und des Rats von Confindustria, Italiens größter Arbeitgeberorganisation.

Roberto Colaninno hat daru?ber hinaus eine beeindruckende akademische Karriere gemacht und wurde mit zahlreichen hohen Auszeichnungen geehrt. Neben seinem Ehrendoktorat in Betriebs- und Volkswirtschaftslehre der Universität Lecce wurde ihm 2013 von der Scuola Superiore Sant'Anna in Pisa der Ehrenmagistertitel in Management, Innovation und Service Engineering verliehen. Im Jahr 2000 wurde Roberto Colaninno zum Cavaliere del Lavoro ernannt. Im Jahr 2014 wurde er von seiner Exzellenz Alain Le Roy, dem französischen Botschafter in Italien, mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet. „Ein großer italienischer Unternehmer, der von jedermann anerkannt und bewundert wird", so der französische Diplomat Alain Le Roy.

Auch Josef Faber, Geschäftsfu?hrer der Faber GmbH, die seit 60 Jahren als österreichischer Generalimporteur der Marken von Piaggio tätig ist, war stets in engen Kontakt mit dem italienischen Headquarter und konnte CEO Roberto Colaninno und seinen unschlagbaren Unternehmergeist in persönlichen Gesprächen näher kennenlernen.

„Roberto Colaninno verkörperte fu?r mich wahren Unternehmergeist. Sein aufrichtiges Interesse an lokalen Märkten und sein unermu?dlicher Einsatz, dieses Wissen in sein unternehmerisches Schaffen miteinzubeziehen, haben mich immer tief beeindruckt. Die Treffen mit ihm und weiteren fu?hrenden Importeuren waren nicht nur geschäftliche Begegnungen, sondern auch stets Quellen der Inspiration. Fu?r mich war Roberto Colaninno ein Visionär, der mit leidenschaftlicher Hingabe und Weitsicht den italienischen Marken zu weltweitem Glanz verhalf und dem es gelang, die Marken Vespa, Piaggio, Aprilia und Moto Guzzi nachhaltig zu stärken“, so Josef Faber, CEO des österreichischen Piaggio Generalimporteurs Faber GmbH.

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