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Der Widerspenstigen Zähmung

Die Ducati Monster 1200S kombiniert Tradition mit den neuesten technischen Features. Und hat deutlich mehr Schmalz als die Vorgängerin.

Norbert Meiszies/mid

Monsteristi können sich auf das nächste Highlight in der Geschichte des Ungeheuers freuen, die Monster 1200S. Sie kombiniert Tradition mit den neuesten technischen Features. Mit dem Testastretta-110-Motor mit 1198 Kubikzentimetern Hubraum kehrt die neue Monster zu ihren Ursprüngen zurück: desmodromisch gesteuert, mit Flüssigkeitskühlung und vier Ventilen pro Zylinder.

Die zweite Generation des Testatretta-Antriebs fungiert wie bei der Panigale als tragendes Element, der abgespeckte Gitterrohrrahmen ist direkt mit den Zylinderköpfen verbunden. Auch der Hilfsrahmen für das Heck und das Öhlins-Zentralfederbein sind direkt mit dem Motor verbunden.

Um den von den Ducati-Superbikes abgeleiteten Motor für die Allgemeinheit benutzerfreundlich zu machen, wurden die Ventil-Überschneidungswinkel von rund 41 Grad - typisch für leistungsstarke Motoren, die ständig in hohen Drehzahlbereichen arbeiten - auf elf Grad reduziert. Das kappt die Leistungsspitze und sorgt im mittleren Drehzahlbereich für bessere Laufruhe.

Doch auf Leistung muss der Monster-Treiber nicht verzichten: Die 107 kW/145 PS bei 8.750/min sind wahrlich ungeheuerlich. 125 Nm maximales Drehmoment erlauben zudem dem Fahrer, nicht ständig die Drehzahl hoch zu halten.

Die Monster wirkt fast zahm beim Anfahren. Weniger sportlich ambitionierte Fahrer müssen nicht befürchten, von der Power des Motors überfordert zu werden. Die Leistungsentfaltung ist gleichmäßig, aber imposant. Richtig Druck macht die 1200er dann ab circa 5.000/min. Kaum ist ein Überholvorgang auf der Landstraße eingeleitet, da ist man auch schon am Hindernis vorbei.

Um die Monster für eine breite Zielgruppe attraktiv zu machen, ist die 1200er mit jeder Menge elektronischer Helferlein ausgestattet, die dem Monster-Neuling genauso wie dem erfahrenen Sportfahrer reichlich Anpassungsmöglichkeiten an die individuellen Bedürfnisse bieten.

Dazu gehört die Möglichkeit, aus drei Fahrmodi den passenden auszuwählen: "Sport" bietet die volle Leistungsentfaltung mit sehr direkter Gasannahme. Zudem greift die serienmäßige Traktionskontrolle nur bedingt ein. "Touring" bietet ebenfalls die vollen 145 PS, der Modus dosiert allerdings die Gasannahme sanfter und die Traktionskontrolle greift, wenn notwendig, stärker ein.

In der alltäglichen Praxis wirkt dieser Modus sehr überzeugend. Er ermöglicht ein sehr entspanntes, aber durchaus aktives Fahrvergnügen. Auf 100 PS kappt die Einstellung "Urban" die Leistung, gedacht für den Weg von Ampel zu Ampel und im Regen.

Kombiniert werden die verschiedenen Modi mit einem Drei-Stufen-ABS und einer Brembo-Bremsanlage mit integrierten Drucksensoren. Das System passt sich den jeweiligen Umgebungssituationen an.

So ermöglicht Stufe 1 einen sportlich orientierten ABS-Eingriff ohne Wheelie-Prävention; Stufe 2 vermeidet das Abheben des Vorderrades und Stufe 3 bietet die maximale Bremsstabilität inklusive Stoppie-Verhinderung, also das Abheben des Hinterrades.

Alle Einstellungsmöglichkeiten werden über einen Schalter an den Armaturen vorgenommen und können auf einem übersichtlichen TFT-Digital-Display abgelesen werden. Die jeweils letzten Einstellungen bleiben nach dem Abschalten und wieder Einschalten der Zündung erhalten und müssen nicht neu vorgenommen werden. Wünschen würde man sich jetzt nur noch ein Gang-Anzeige.

Der Aufwand, der beim Motor betrieben wurde, setzt sich beim Fahrwerk fort. Vorne kommt eine voll einstellbare 48er Upside-down-Gabel von Öhlins zum Einsatz. Die Federung hinten übernimmt eine ebenso einstellbare Öhlings-Einheit mit progressiver Umlenkung, die zur Alu-Einarmschwinge führt.

Das Ganze ist bestens gelungen. Selbst auf sehr unebenen Straßen reagiert die Monster völlig unbeeindruckt, spurtreu, fast komfortabel. Musste der Fahrer bei der alten 1100er-Monster in Kurven leicht korrigieren, so lässt sich die 1200er fast spielerisch wie an der Schnur gezogen selbst durch enge Kurvenpassagen manövrieren.

Ihren Teil zum unkomplizierten Handling trägt die verbesserte Ergonomie bei: Der Radstand wurde um 60 mm verlängert, der Lenker um 40 mm höher und 40 mm näher an den Fahrer verlegt. Der Fahrersitz verfügt jetzt über mehr Polsterung und ist höhenverstellbar.

Nutzt man die optionale tiefe Sitzbank, lässt sich die Sitzhöhe sogar bis auf 745 mm reduzieren. Der um vier auf 17,5 Liter Volumen vergrößerte Tank bietet zudem einen angenehmen Knieschluss. Alles zusammen sorgt die optimierte Integration des Fahrers in das Motorrad für eine sehr entspannte Sitzposition und volle Kontrolle über das Naked Bike. Einzig der begrenzte Lenkeinschlag verhindert enge Wendemanöver.

Wer sich von der Power der neuen Monster 1200S dennoch überfordert fühlt, muss auf die Ducati-Ikone nicht verzichten. Die Italiener bieten alternativ eine auf 135 PS reduzierte, beim Fahrwerk (Kayaba-Gabel vorne, Sachs-Federbein hinten) und den Carbon-Anbauteilen abgespeckte Monster 1200 für 15.795 Euro (Deutschland: 13.490 Euro) an, die aber ansonsten über alle technischen Ungeheuerlichkeiten der 18.695 Euro (D: 15.990 Euro) kostenden Monster 1200S verfügt.

Technische Daten Ducati Monster 1200S

Motor: flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertaktmotor in L-Form, Desmodromik, vier Ventile pro Zylinder, 1 198,4 ccm, Bohrung x Hub: 106 x 67,9 mm, Leistung: 106,6 kW/145 PS bei 8 750/min, max. Drehmoment: 124,5 Nm bei 7 250/min, Einspritzung, G-Kat mit 2 Lambdasonden, Sechsgang-Getriebe, Kettenantrieb

Fahrwerk: Stahl-Gitterrohrrahmen, Upside-down-Gabel, angelenktes Mono-Federbein, Alu-Einarmschwinge, Federweg vorne: 130 mm, hinten: 152 mm; Reifen vorne: 120/70 ZR17, hinten: 190/55 ZR17, Bremsen vorne: zwei Scheibenbremsen 330 mm; hinten: eine Scheibenbremse 245 mm, ABS, Traktionskontrolle DCT

Maße: Radstand 1 511 mm, Gewicht fahrfertig 209 kg, Sitzhöhe 785 mm bis 810 mm einstellbar, Tankinhalt 17,5 l. Preis: 15 990 Euro; 13 490 Euro für die Monster 1200

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